Nagai Takashi wurde 1908 in Matsue geboren, Präfektur Shimane, Provinz Izumo, an jenem Ort, an dem die Mythen Japans ihren Ursprung haben. Dort befindet sich auch eines der bedeutendsten schintoistischen Heiligtümer, Izumo Taisha, und so wurde er im Schintoismus erzogen, wurde aber als junger Mann Atheist und überzeugter Materialist. Takashi kam mit zwanzig Jahren nach Nagasaki, um Medizin zu studieren, fand ein Zimmer zur Untermiete im Haus der Familie Moriyama und lernte dort Midori (1918-1945) kennen. Als christliches Mädchen führte sie ihn behutsam in den katholischen Glauben ein, sie erzählte ihm von Pater Paul Miki und seinen Gefährten und von ihrem Martyrium. Als Takashi Nagai am 9. Juni 1934 getauft wurde, musste er sich für seinen neuen christlichen Namen entscheiden. Er entschied sich für Paul. Er war ergriffen von den Erzählungen über das Leben des Paul Miki, eines der ersten japanischen Jesuitenmärtyrer, der die Bilder Jesu und der Jungfrau Maria nicht mit Füßen treten wollte, was ihm das Leben gerettet hätte. Aus Liebe zu Christus wurde er zusammen mit 25 weiteren Gefährten auf einem Hügel in der Nähe von Nagasaki gekreuzigt. Das war im Jahr 1597. Der erste Missionar erschien in jenem Land drei Jahrhunderte später, 1865. Er traute seinen Augen nicht: Mehr als dreitausend Christen hatten alle Verfolgungen überlebt.
Die Eltern des Mädchens waren direkte Nachkommen von Sonzaemon, einem der Anführer der verborgenen Christen (kakure Kirishitan), die seit dem siebzehnten Jahrhundert den katholischen Glauben über sieben Generationen hinweg bewahrten, abgeschnitten vom Rest der Welt und von der Gesamtkirche, nachdem alle Missionare getötet worden oder vor der Verfolgung geflohen waren. Midoris Eltern waren sogenannte chȏgata (Hüter des Kalenders), die die Gläubigen an die Festtage erinnerten. Die Gläubigen kamen im Verborgenen zusammen und beteten im Wald. Da es keine Priester mehr gab, ordneten sich die Laien so, dass einige tauften und andere im Glauben unterwiesen.
Als er sich im Haus der Familie Moriyama einquartierte, kannte Takashi diese Geschichte noch nicht. Er lernte hart, spielte Basketball, schrieb Gedichte und meinte, mit der Religion für immer gebrochen zu haben. Im März 1930 erhielt Nagai von seinem Vater ein Telegramm , auf dem nur stand: „Komm nach Hause“. Die Mutter lag im Sterben: „In ihren Augen sah ich mich selbst als jemanden, der das Dasein der Seele leugnet, doch in jenem Augenblick spürte ich instinktiv, dass die Seele meiner Mutter wirklich da ist: Sie löste sich von ihrem Leib, aber sie wird niemals aufhören zu sein.“ Danach begann er, das Buch der Gedanken Pascals zu lesen, was ihm im geistlichen Wachstum sehr half: „Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes ... du musst beten, um ihn zu empfangen.“
Während er an der chinesischen Front diente, bekam er von Midori auch den Katechismus der Katholischen Kirche geschenkt und lernte so den katholischen Glauben besser kennen. Er hatte stets die Bibel bei sich. Besonders inspirierte ihn der Römerbrief: „Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag hingeschlachtet; wir werden angesehen als Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.“ Röm 8, 36
Am Heiligabend 1932lud Midori ihn zur Mitternachtsmesse in die Kathedrale von Nagasaki ein, die größte Kirche Ostasiens mit zwei 64 Meter hohen Türmen. Erbaut aus den Gaben von Fischern und Bauern, war sie ein Zeichen der Wiedergeburt der katholischen Gemeinschaft nach vielen Nöten. Takashi war von den Gesängen und Gebeten der Gläubigen in der Kathedrale tief bewegt. „Ich spürte die Gegenwart von jemandem, den ich noch nicht kannte“, wird er sich später erinnern. In der folgenden Nacht erkrankte Midori und wäre beinahe gestorben. Takashi stellte sofort die Diagnose, eine akute Blinddarmentzündung, trug sie auf den Armen ins Krankenhaus, draußen fiel Schnee, sie wurde rasch operiert und wurde gesund. Er rettete ihr das Leben.
Im August 1934,unmittelbar nach seiner Taufe, heirateten sie, noch immer sehr verliebt, beide im Alter von 26 Jahren. Sie verstand das gemeinsame Leben als „ ein Vorrecht, das sie auf dem gemeinsamen Weg werden teilen dürfen, wohin er auch führen mag, und als Geschenk für alles, was auf diesem Weg geschehen wird.“
Sie war Vorsitzende eines Frauenvereins, auch er schloss sich der Vinzenzgemeinschaft an und verpflichtete sich, für die Armen zu sorgen. Er trat in Kontakt mit dem polnischen Franziskaner Maximilian Kolbe, der in Nagasaki ein Kloster eröffnet hatte. Er stellte bei Kolbe Tuberkulose fest und behandelte ihn bis zu dessen Rückkehr nach Europa – beide ahnten nichts von dem Opfer, das sie bringen würden, vom Tod und vom Weg der Heiligkeit, der sie erwartete.
Als der Krieg ausbrach, ging er ins Krankenhaus, um den Verwundeten zu helfen, die aus der ganzen Region kamen. Paul Takashi spezialisierte sich auf die Radiologie, und die Strahlenbelastung hatte eine Leukämieerkrankung zur Folge, die im Juni 1945 bei ihm festgestellt wurde. Die Prognose war schwer, ihm blieb nur noch wenig Zeit bis zum Tod.
August umarmte er zum letzten Mal seine Frau, bevor er zur Nachtschicht ins Krankenhaus ging, um die Kranken zu versorgen. Am folgenden Tag, dem 9. August 1945, um 11.02 Uhr morgens, explodierte die Atombombe in 500 Metern Höhe, genau vor der Kathedrale, die vollständig zerstört werden sollte. Es gab etwa 70.000 Tote.
Paul Takashi, schwer verletzt, findet Kraft und handelt, indem er als Arzt den Opfern dieser Hölle hilft. Dann folgte die schwerste Entdeckung. Seine geliebte Frau Midori ist tot.Von ihrem Leib unter den Trümmern des Hauses findet er nur wenige Überreste und den Rosenkranz. In seinem Buch Die Glocken von Nagasaki (Bells of Nagasaki) beschreibt Nagai die Szene nach der Explosion der Bombe mit folgenden Worten: „Die Hölle, die reine Hölle. Wie in der Welt der Toten war da niemand, der auch nur ein Stöhnen oder ein Wehklagen hätte hören können. Da ist sie (die tote Midori), wie erwartet. Ein schwarzes Stück inmitten der bloßen Asche! Oh Midori! Übrig geblieben sind nur ein paar Knochen an der Stelle, wo die Küche gebrannt hatte, ein Stück einer Reisschale ... Ich trat näher und berührte diese Knochen. Sie waren noch warm. Ich hob sie auf. Sie waren sehr leicht und zerfielen. Um sie herum war allein der Rosenkranz gewunden.“
Er verspricht ihr, die wenige Zeit, die ihm vom Leben auf Erden bleibt, den anderen zu widmen: „Zu deinem Gedenken, aus Liebe zu dir ... die du mich zur Liebe Christi geführt hast“. Er schrie auf: „Herr, du weißt, wie schwach ich bin. Ich weiß nicht, ob ich das alles annehmen kann. Mein Gott, warum so schnell? Meine Frau, meine Kinder! Und all die Arbeit, die noch zu vollenden ist! Asche, überall nur Asche! Ein Leben für Asche! Ich kann ein so wertloses Leben nicht ertragen. Ich muss etwas Unsterbliches erlangen, mich an etwas Unvergängliches halten. Auch wenn die Zeit vergeht, der Raum schwindet und die Lebewesen sterben, muss ich ein Leben führen, in dem ich etwas Unsterbliches, Unvergängliches hinterlassen kann. Jetzt habe ich begriffen, dass das, was Zeit und Raum übersteigt, ewig ist, und dass die Worte Jesu Christi ewig sind, Worte Gottes. “
Nach Schätzungen, die Takashi selbst zusammentrug, starben von den 10.000 Christen Urakamis, des christlichen Vororts von Nagasaki, ganze 8.000 sofort. Kardinal Giacomo Biffi vermutet in seinen 2007 veröffentlichten Erinnerungen, dass die Stadt Nagasaki gezielt ausgewählt wurde: „Wir dürfen annehmen, dass die Atombomben nicht willkürlich abgeworfen wurden. Die Frage ist daher unausweichlich: Warum wurde gerade diese Stadt in Japan für das zweite Blutbad ausgewählt? Etwa nicht, weil sie neben ihrer ruhmreichen Geschichte auch ein Zentrum des Katholizismus war, der hier verbreitet und gefestigt war?“.
Takashi fragte sich lieber, warum er überlebt hatte und seine Frau nicht, und fand diese Antwort: „Man wollte uns noch nicht gemeinsam im Himmel haben: Wir haben die Aufnahmeprüfung nicht bestanden.“ Er hielt dafür, dass „Urakami von Gott als Opferlamm erwählt wurde, um den Krieg zu beenden, eine Art tieferer Plan der göttlichen Vorsehung“, was er in seiner Ansprache als Vertreter der Pfarrei Urakami beim Begräbnis der Opfer aussprach: „Ihr alle 8 000 seid, weil ihr gebeichtet und für das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel (Fukure manjû) die Vergebung empfangen habt, auf Wolken in den Himmel vor die Füße des Herrn emporgetragen worden“.
Sie hatten vier Kinder. Die älteste Tochter Maria Ikuko starb nach einem Jahr. Auch die dritte, Sasano , starb früh. Die Mutter wurde zwischen den beiden Mädchen bestattet. Zwei seiner Kinder, Makoto und Kayano, entgingen dem Atombombenabwurf, weil sie auf dem Land bei Verwandten waren. Sein tiefer Schmerz darüber, dass sie die Mutter verloren hatten und womöglich bald auch den Vater, wurde zur treibenden Kraft seines fruchtbaren Schreibens. „Ich muss den Augenblick, in dem die Kinder zu Waisen werden, so weit wie möglich hinausschieben, und sei es nur um einen Tag oder eine Stunde. Und wäre es auch nur eine Minute oder eine Sekunde, ich möchte ihnen die Zeit der Einsamkeit so kurz wie möglich machen.“ Er wollte so lange wie möglich bei seinen Kindern bleiben: „Ich stellte mich schlafend, und Kayano entspannte sich und schmiegte ihre Wange an meine. Ich spürte, wie meine Wange langsam warm wurde. Dann flüsterte sie, als koste sie einen kleinen Schatz aus, von dem sonst niemand wissen sollte: „Papa.“ Sie rief mich gar nicht wirklich. Ein kaum hörbarer Gedanke klang nur aus der Tiefe ihres Herzens wider. Die Liebe, die ich meiner Tochter Kayano als Vater schenke, ist einzigartig und ganz besonders und besteht nur zwischen Kayano und mir. Diese einzigartige und unbedingte Liebe ist weder allgemein noch universal. Man kann diese Liebe nicht durch eine andere Liebe ersetzen. Niemandem ist es erlaubt, sich vor meinen Kindern wie ein Vater oder eine Mutter aufzuführen! Wenn ich tot bin, wird in ihren Herzen die Erinnerung an die Eltern bleiben. Makoto und Kayano! Seid keine Feiglinge! Werdet stark, gerecht und froh als Waisen!“
Die letzten Jahre verbrachte er im Bett, betend, schreibend und Besucher empfangend, von denen es sehr viele gab. Doch einer der unerwartetsten Besuche war der von Helen Keller, der bekannten taubblinden Schriftstellerin, die ihr Leben der Arbeit für die Armen und für den Weltfrieden gewidmet hat. Obwohl die Begegnung nur etwa fünfzehn Minuten dauerte, erschütterte ihn dieser Besuch am 8. Oktober 1948 zutiefst: „Sie ergriff meine Hände! Für einen Augenblick hatte ich ein starkes Gefühl von Liebe, als ginge ein elektrischer Strom durch meinen ganzen Körper.“
Kaiser Hirohito und der Gesandte von Papst Pius XII., Kardinal Norman Thomas Gilroy, kamen, um ihn zu sehen. Dank einer Spende pflanzte er tausend Kirschbäume, um dieses verwüstete Land in einen „blühenden Hügel“ zu verwandeln.
„Trost, Mut. Die Glocken von Nagasaki.“ ist ein Lied mit dem Text von Satō Hachirō und der Musik von Koseki Yūji, gesungen von Fujiyama Aiichirō, das 1949, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, ein Bestseller in Japan war. Es ist inspiriert von Nagai Takashis Buch Nagasaki no kane (Die Glocken von Nagasaki), einem erstrangigen Zeugnis über die furchtbare Tragödie, die die Atombombe verursacht hat, und zugleich Ausdruck der Liebe und der Sehnsucht nach Frieden, jener Werte, die er als Christ lebte und bekannte. Es ist das erste Buch, das ein Opfer der Atombombe geschrieben hat.
Melodie und Text des Liedes Die Glocken von Nagasaki sind in die Mauer des Hangs eingemeißelt, der zum Haus Nyoko-dō führt. An diesem Hang, neben der Friedensstatue, dem Wahrzeichen Nagasakis, steht ein kleines Holzhaus von 10 Quadratmetern. Dort lebte Nagai, litt an Leukämie und schrieb dort in viereinhalb Jahren 17 Bücher. Nagai nannte das Haus Nyoko-dō („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“), inspiriert von der christlichen Liebe.
Noch heute lebt seine Enkelin Nagai Tokusaburō, die das Nagai-Takashi-Gedenkmuseum leitet, das jährlich etwa 150.000 Menschen besuchen.
Paul Takashi starb am 1. Mai 1951 und hinterließ den Sohn Makoto (16) und die Tochter Kayano (9),mit dem Wunsch, dass an seinem Leib die Folgen der Strahlung wissenschaftlich erforscht würden. An der Beerdigung nahmen 20 000 Menschen teil. Die ganze Stadt Nagasaki ehrte ihn mit einer Schweigeminute, während alle Kirchenglocken läuteten. Einige Jahre zuvor sagte er vor vielen, die ihn schon für einen Heiligen hielten: „Ich möchte, dass ihr meinen Wunsch nach Frieden begreift, nach einem bleibenden Frieden, der aus der Liebe zum Nächsten erwächst, und dass ihr ihn in eurem Leben verwirklicht. Noch nie zuvor waren wir so entschlossen, keine Kriege mehr heraufzubeschwören. Und das geschieht einzig wegen der Explosion zweier Atombomben. Nun, da wir in der Verfassung erklärt haben, dem Krieg zu entsagen, müssen wir den Krieg gänzlich aus dem Grund des Herzens der Menschen entfernen. Der Mond, der den Nachthimmel erhellt, ist nur eine kalte Masse Materie, die das Sonnenlicht widerspiegelt. Die Sonne ist Jesus, und ich spiegele nur ein wenig von seinem Licht wider. Ohne Gott wäre ich nur ein unnützer Knecht.“
Kürzlich ist ein Film über ihn erschienen, Alles, was bleibt, aus dem wir einen kurzen Ausschnitt bringen.
SIEH DIR EINEN KURZEN AUSSCHNITT AUS DEM FILM „ALLES, WAS BLEIBT“ AN
Gottes Segen im Haus — der Text wurde auf einem Medaillon gefunden und beim Requiem für A. G. Matoš vorgetragen.
Der Text auf dem Medaillon lautet: Gottes Segen im Haus/Wo Glaube — dort Liebe/Wo Liebe — dort auch Friede/Und wo Friede — dort ist Gott der Herrscher, der Vater deines Hauses.
„Die Alten spürten, dass unser Leib ein Haus ist. Denn nur der ist ein Mensch, der ein lebendiges Haus Gottes ist: templum Dei absconditi (Tempel des verborgenen Gottes), eine lebendige Kirche, in der der Geist der Priester und das Herz der Altar ist. Die Augen — zwei wunderbare Fenster.“
A. G. Matoš
"Unsere auf diesen Seiten bereits bekannten Autoren, Raffaella und Ciro, haben in ihrem Buch „Wir brauchen Nazaret“ (C'è bisogno di Nazaret) die Aufgabe übernommen, Antworten auf das zu suchen, was die Evangelien über das Leben der Heiligen Familie nicht sagen. Ihr Werk hilft den Lesern, das Haus der Heiligen Familie in Nazaret zu betreten, um sich die Tage, die Gefühle, die schweren Entscheidungen, die unbeschreiblichen Freuden vorzustellen. Aber nicht, um Märchen zu erzählen, sondern um jedem von uns zu helfen, die eigene Geschichte im Aufscheinen der Herrlichkeit des Herrn zu erhellen."
Der größte Teil des Lebens Jesu spielt sich in Nazaret ab, im Haus Josefs und Marias. Diese rund 30 Jahre werden als die "verborgenen" Jahre bezeichnet, weil die Heilige Schrift über sie schweigt – ein Schweigen, das nur von zwei Ereignissen unterbrochen wird: von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten und vom Wiederfinden Jesu im Tempel im Alter von zwölf Jahren. Diese drei Jahrzehnte wurden wahrscheinlich in den gewöhnlichen Pflichten des Alltags in Nazaret verbracht.
„Jemanden zum Essen einzuladen heißt, die Verantwortung
für das Glück dieses Menschen zu übernehmen für die Zeit, die er
unter deinem Dach (an deinem Tisch) verbringt“
Anthelme Brillat-Savarin
„An den Tisch setzen sich Menschen, die dasselbe Leben teilen oder die das Leben in irgendetwas eng miteinander verbindet. Der Tisch wird zum Ort, an dem sich diese Gemeinschaft zeigt und geteilt wird. Jemanden an den Tisch einzuladen lässt sich daher nicht auf ein „zu essen geben“ reduzieren. Jemanden an den Tisch aufzunehmen heißt, ihm Raum im eigenen Leben zu geben, das Leben mit ihm zu teilen, sich in dem mitzuteilen, was das Leben formt. Jemandem den Platz am Tisch zu verweigern heißt, ihn der Gemeinschaft zu berauben.“.
„Das Essen offenbart uns so, wie wir sind. Es offenbart uns vor uns selbst, wie wir sind, und weist uns zu den anderen hin. Die Art, wie wir essen, zeigt unsere Gewohnheiten, unsere Wünsche, die Reife unserer Beziehungen zu den anderen, die Verantwortung für sie, die Kunst, Gaben zu erkennen, und jene Demut, die für alles, was wir empfangen, immer dankbar ist“.
Weihnachten ist der günstigste Augenblick des Jahres, um die Kraft der Güte auszudrücken und zu teilen, jener Liebe, die geschenkt und empfangen wird – vor allem in der Familie, bei Menschen, die einander lieben.
Im Zauber des weihnachtlichen Geistes können wir alle in unseren Herzen jenen kostbaren Einfallsreichtum wiederfinden, den wir als Kinder hatten: jene Neigung zur Güte und zur Aufrichtigkeit, die wir in jedem Lebensalter pflegen sollten.
Andrea Bocelli
Der Operntenor Andrea Bocelli hat ein neues Weihnachtsalbum veröffentlicht, auf dem er jedes Lied zusammen mit seinem Sohn Matteo und seiner Tochter Virginia singt; es trägt den Titel „Familienweihnachten“. Matteo (24) ist musikalisch noch nicht ganz so gereift wie sein Vater, doch er erinnert sehr an ihn. Virginia wiederum, Andreas zehnjährige Tochter, bringt eine wunderbare kindliche Unschuld in das ganze Album ein. Obwohl noch ein Mädchen, zeigt sie eine musikalische Ausdruckskraft, auf die ihr Vater stolz sein darf.
Besonders berührt uns das Lied „Il Giorno più Speciale“. Dieses Lied wirkt viel persönlicher als die übrigen Stücke des Albums. Eine Familie, die gemeinsam singt – es sieht fast aus wie ein improvisiertes Familiensingen am Heiligen Abend.
„Unsere vornehmste Pflicht ist es zu wachen und zu arbeiten, damit auch in unserem Volk das Familienleben in seiner ganzen Reinheit, Unbescholtenheit und Kraft erhalten und bewahrt werde.“
Josip Juraj Strossmayer
Nach Strossmayer sind die Familie und das Familienheim ein Ort der Wärme und der Liebe und als solcher unersetzlich für die Gesellschaft und die Kirche. Gott schenkt in seiner Weisheit einzelnen Völkern besondere Familien, aus denen dann die Großen der Geschichte hervorgehen, und all dies zur Erfüllung der Pläne Gottes. Den Ausdruck »häusliches Haus« deutet Strossmayer als jenen Ort, den die katholische Kirche seit jeher in eine »Hauskirche« zu verwandeln suchte: «Die Gläubigen werden zum Wohl des Volkes beitragen, wenn sie ihre heilige Pflicht erfüllen und ihre Häuser in lebendige Abbilder des Hauses von Nazaret verwandeln und wenn »Eltern und Ältere auf gewisse Weise für ihre Jüngeren häusliche Priester sind«.» Solche Familien haben die Aufgabe, in ihrem Haus den Glauben, das Gebet und die Frömmigkeit zu bewahren und zu pflegen: „Jene, meine Herren, die uns gezeugt und großgezogen haben, die uns den Leib und das leibliche Leben gegeben und uns ernährt haben, sind darum unserer immerwährenden Anerkennung und immerwährenden Dankbarkeit wert; jene aber, die uns die Mittel zu höherer geistiger Bildung reichen, geben uns ein höheres Leben, das um so viel mehr wert ist als das erste, wie der Himmel mehr wert ist als die Erde, der Geist mehr als der Leib, die Güter der Seele mehr als der Schatz des Leibes. Das sind jene geistigen Eltern, denen wir niemals genug Anerkennung, niemals genug Dankbarkeit erweisen können.“
„Du musst weitergehen“, sagte der Vater zum Sohn. „Ich kann nicht mit dir gehen. Aber du musst weitergehen (ohne mich). Mach alles so, wie wir es zusammen gemacht haben.“
„Ich will bei dir bleiben“, antwortet der Sohn.
„Du musst das Feuer (das Leben) tragen“, fährt der Vater fort.
In diesen Tagen sehen wir Bilder von Müttern und Vätern aus Afghanistan, die ihre Kinder Soldaten anvertrauen und sie über die Mauer „hinüberreichen“; indem sie sie verlassen, retten sie sie unter unerträglichem Schmerz. Auf dem Foto sehen wir einen Vater, der den Arm hebt und in der Hand seinen Sohn hält, den er einem völlig unbekannten Fremden übergibt wie einen Korb mit Nahrung, wie ein Geschenk, wie ein Zeugnis – einem Soldaten in voller Kriegsausrüstung, mit bedrohlichen und tödlichen Waffen.
Ähnlich handelte Jochebed, die Mutter des Mose, die ihren Sohn in ihrer Verzweiflung in die Fluten des Nil schob, um ihn so zu retten. Sie gibt ihn preis, damit er gerettet werde.
Was kann Eltern dazu bringen, etwas so Dramatisches, so Schmerzliches zu tun?
Der slowenische Künstler P. Marko Ivan Rupnik SJ ist der Schöpfer des im Vatikan vorgestellten offiziellen Bildes des Welttreffens der Familien in Rom. Das Welttreffen der Familien, das vom 22. bis 26. Juni 2022 in Rom unter dem Leitwort „Familienliebe: Berufung und Weg zur Heiligkeit“ stattfinden wird, beschließt zugleich das Jahr der Familie Amoris laetitia. Das Treffen hätte in diesem Jahr stattfinden sollen, wurde aber wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2022 verschoben. Das Bild „Ein großes Geheimnis ist dies“ im Format 80×80 cm stellt in hellen und warmen Farben – Gelb, Orange und Rot – die Szene der biblischen Hochzeit zu Kana dar und will nach den Worten des Künstlers sagen, dass die Familie Ausdruck des Ehesakramentes ist. Er lehrt an der Universität Gregoriana in Rom. Bis zum vergangenen Jahr leitete er das geistlich-kulturelle Zentrum „Aletti“, und seine Mosaike und sakralen Werke schmücken mehr als 220 Orte in der Welt. Er hält Exerzitien und ist Berater mehrerer römischer Kongregationen.
Wir bringen die Katechese des Künstlers selbst über das Geheimnis von Ehe und Familie aus christlicher Sicht, anhand der "Hochzeit zu Kana", und darüber, wie der Maler sie sieht.
Vor wenigen Tagen hat die Welt sechzig Jahre seit dem ersten Flug eines Menschen in den Weltraum gefeiert. Es war Juri Gagarin.
Wir bringen den Brief, den Juri Gagarin zwei Tage vor dem ersten Flug in den Weltraum am 12. April 1961 an seine Frau und seine Töchter geschrieben hat, sowie sehr interessante kleine Bilder aus ihrem Familienleben.
Der Brief sollte seiner Frau Valentina übergeben werden, falls etwas schiefginge. In Wirklichkeit war die Mission erfolgreich, und nach einer Stunde und 48 Minuten Flug kehrte Gagarin auf die Erde zurück und landete in der Region Saratow, etwa 850 Kilometer südöstlich von Moskau. Was jedoch sein geistliches Testament war, wurde seiner Frau erst sieben Jahre später übergeben, am 27. März 1968, als er bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. In diesem ergreifenden Abschiedsbrief stehen sehr starke Worte über die Hingabe des Menschen an seine Berufung und an das Leben, die uns zugleich an die erste Reise des Menschen in den Weltraum erinnern.
In diesen Tagen ist alles um uns herum auf der einen Seite von Geburt und auf der anderen von Tod durchdrungen. Auf der einen Seite die Freude von Weihnachten, auf der anderen Angst und Leid, verursacht durch die Virus-Pandemie und durch das schwere Erdbeben, das viele Häuser in Petrinja, Sisak, Glina und den umliegenden Orten zerstört hat. Viele Familien haben ihr Zuhause verloren. Wir bringen einen Artikel, der der Heiligen Familie gewidmet ist, die sich auf der Flucht nach Ägypten in der Verbannung befindet, und damit auch jeder Familie in Schwierigkeiten. Sie fliehen vor Herodes, der dem eben geborenen Kind Jesus das Leben nehmen will. Dieses Geheimnis der Verfolgung der Familie und der Nähe Gottes wird uns das Bild „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ erhellen, das Caravaggio 1597 gemalt hat. Es befindet sich in der Kirche der hl. Agnes (Lamm) an der wunderschönen Piazza Navona und war als Hochzeitsgeschenk für Olimpia Aldobrandini bestimmt, die den Fürsten Camillo Pamphili heiratete.
Das Haus ist ein Ort der Erinnerung, in ihm ist unser Leben eingeprägt und mit ihm die Freuden, die Schmerzen, die Widersprüche und die Hoffnungen.Hier erziehen wir die Kinder, hier sterben uns Freunde, hier wird Liebe geboren und Krankheit durchlebt.Der Ort, an dem wir leben, hat mit Erinnerung, Gefühlen, konkreten Wünschen und den Beziehungen zueinander zu tun. Deshalb ist die ursprüngliche Bedeutung des Hauses ein Ort der Sammlung und der Vereinigung. Freud hat geschrieben, das Haus sei ein Ersatz für den Mutterschoß, die erste Behausung des Menschen, nach der sich der Mensch aller Wahrscheinlichkeit nach nie zu sehnen aufhört, weil er sich in ihr sicher und geborgen fühlte.
Das alte Rom mit all seinem Glanz, mit dem Erbe zahlreicher erhaltener Kunstwerke und mit allem übrigen, weswegen es den Namen Wiege der Zivilisation erhalten sollte, ist in zahlreichen Werken von Schriftstellern beschrieben worden, die in der Zeit seiner Blüte lebten, aber auch in den Jahrhunderten nach dem Untergang des Reiches. Die größte Blüte erlebte Rom zur Zeit des Kaisers Augustus, im 1. Jh. v. Chr., als nach dem Sieg über Kleopatra in der Schlacht bei Actium im Jahr 31 v. Chr. im Reich Frieden im Staat einkehrte, da dieser Sieg das Ende der bis dahin andauernden langen Kriege bedeutete, welche die Römer geführt hatten. Bald nach der Festigung seiner politischen Stellung sollte Kaiser Augustus mit den Reformen innerhalb des Reiches beginnen. Es wurden zahlreiche Gesetze erlassen mit der Absicht, die Familie und die Wirtschaft zu stärken, die wegen der Kriege große Verluste erlitten hatten.
An dem Tag, an dem die Kirche den Gedenktag der heiligen Joachim und Anna, der „Großeltern“ Jesu, begeht, hat Papst Franziskus die jungen Menschen aufgerufen, eine Geste der Zärtlichkeit gegenüber den älteren Menschen zu setzen, besonders gegenüber den einsamen, zu Hause oder in den Heimen, gegenüber jenen, die ihre Liebsten seit Monaten nicht gesehen haben. „Liebe junge Menschen, jeder dieser alten Menschen ist euer Großvater! Lasst sie nicht allein! Gebraucht die Phantasie der Liebe – ruft sie an, meldet euch mit einem Videoanruf, schickt Nachrichten, hört ihnen zu und geht sie, wenn es möglich und mit den Regeln der Gesundheitsbehörden vereinbar ist, besuchen. Schickt ihnen eine Umarmung. Sie sind eure Wurzeln. Ein Baum, der von den Wurzeln getrennt ist, wächst nicht, er bringt weder Blüte noch Frucht. Darum ist die Verbindung und Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln wichtig. „Was am Baum erblüht ist, kommt von dem, was unter der Erde ist“ – sagt der argentinische Dichter Luis Bernárdez. Deshalb lade ich euch ein, all unseren Großmüttern und Großvätern einen großen Applaus zu spenden!“, schließt Papst Franziskus.
Mein Herz spricht zu mir: „Sucht sein Angesicht!“ Ja, dein Angesicht, Jahwe, suche ich. (Ps 27,8)
Wir leben in einer Zeit des verlorenen Angesichts. Der Mensch kann nicht ohne die Gegenwart des Angesichts eines anderen leben. Sein eigenes Gesicht kann er nicht sehen; es ist unmöglich, eine Beziehung ausschließlich zum eigenen Gesicht zu haben. Wir brauchen ein Angesicht, das anders ist als unser eigenes. Der Spiegel hilft dabei nicht. In diesem Verlust des Angesichts – denn wir haben das Angesicht Gottes verloren – haben wir auch die Zeit verloren, die wir brauchen und die uns geschenkt ist, um ein Angesicht zu finden. Darum sind wir ständig in Eile. Um das Angesicht des anderen zu betrachten, braucht es Zeit. Sie ist außerordentlich wichtig.
Kardinal Farrell: ein konkreter Vorschlag, wie man „Hauskirche“ sein kann
Gestern rief mich mein Freund Géza aus Budapest an. Wir sprachen vor allem darüber, wie wir diese Zeit zu Hause mit unseren Angehörigen erleben. In einem Augenblick sagte mir Géza, sie seien glücklich, weil sie in der Isolation, in der wir uns unversehens wiederfinden, ein eigenes Haus haben, in den Garten hinausgehen und spazieren können und so fort.
Dann fügte er hinzu:„Wir wussten bis jetzt gar nicht, wie reich wir sind. Wir sind fünf im Haus. Das Haus haben wir in ein Zuhause verwandelt, in eine Kirche, ein Büro, eine Werkstatt, einen Spielplatz…Das Haus hat plötzlich Dimensionen bekommen, die wir bis jetzt nicht kannten. Wir fühlen uns wirklich bereichert, besonders was unsere Beziehungen zueinander betrifft.“
Géza hat ausgesprochen, was Kardinal Farrell, der Präfekt des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben, in seinem vor drei Tagen im Osservatore Romano veröffentlichten Brief geschrieben hat. Der Kardinal führt uns vor Augen, welchen verborgenen Schatz wir haben und welch verborgener Schatz wir als Familie sind. Wir bringen Teile des Briefes.
Die letzten Worte, die Zélie ihrem Mann schrieb, lauteten: „Ich bin ganz die Deine.“
hl. Zélie
„Ich spüre, dass unsere Familie, so bescheiden sie auch ist,
dadurch geehrt ist, dass unser wunderbarer Schöpfer sie unter die Seinen erwählt hat.“
hl. Louis
Die Martins lebten im Rhythmus der liturgischen Feste. Den Werktag begannen die Eltern mit der heiligen Messe um halb sechs Uhr morgens. Der Einfluss von Herrn Martin erstreckte sich auf einen ganzen Freundeskreis. Viele von ihnen hätten sich ohne Louis wohl nur weltlichen Vergnügungen hingegeben. Er brachte sie dazu, den katholischen Kreis zu besuchen, begeisterte sie für die Festbräuche in der Pfarrei und für den Besuch der Kranken. Sie waren nicht auf sich selbst bezogen, sondern achteten stattdessen aufmerksam auf das, was um sie herum geschah.
„Ich war gesegnet, weil ich Heilige zu Eltern hatte.“
„Der gute Gott hat mir einen Vater und eine Mutter geschenkt, die des Himmels würdiger sind als der Erde.“
hl. Theresia vom Kinde Jesu
„Zwischen unseren Eltern herrschte ein vollkommenes Einvernehmen,
auch wenn sie in manchen Ansichten auseinandergehen konnten“.
Die Tochter Céline
Die Eheleute, der heilige Louis Martin (1823 – 1894) und die heilige Marie-Zélie Guérin (1831 – 1877), sind das erste Ehepaar in der Geschichte der Katholischen Kirche, das gemeinsam heiliggesprochen wurde. Sie sind zugleich die ersten Eltern einer Heiligen, die seliggesprochen wurden. Sie wurden nicht deshalb heiliggesprochen, weil sie eine heilige Tochter hatten, die hl. Theresia vom Kinde Jesu, sondern weil sie ein heiliges Leben führten.
So stieg sie denn, einer weißen, reinen Rose gleich,
hinab in die große Blume, die so viele Blätter schmücken,
und erhob sich von dort dorthin, wo ihre Liebe immerdar weilen wird.
Aus allen Angesichtern züngelt lebendige Flamme...
denn das göttliche Licht durchwebt
das ganze All, so weit es dessen würdig ist,
und nichts vermag es daran zu hindern.
Dieses Königreich der Freude und der Ordnung
bilden alte und neue Bewohner,
die Blick und Liebe zu einem einzigen Zeichen verband.
O dreifaltiges Licht,
das aus dem einen brennenden Stern ihrem Blick erstrahlt, um sie zu tränken,
senke dein Auge herab zu unserem Sturm!
Dante, Paradies, 31. Gesang
Wie soll Ehe möglich sein, wenn dieser Wille, mein eigensinniger, halsstarriger, hochmütiger Wille – ich will nicht sagen, dass das nur Filip oder Karla wären, sondern das sind wir alle –, wenn dieser unser Wille und unsere Götzenverehrung sich nicht dem himmlischen Willen unterwirft, dem Willen Gottes… Darum sagen wir, dass die christliche Ehe eine Ehe zu dritt ist: Mann, Frau und Jesus Christus. Auf ihn hört man. Er ist das Haupt. Er unterwirft sich dem Willen des Vaters.
Predigt von Don Antun Nižetić, Kathedrale der hl. Anastasia - Zadar, 13.05.2023.
„Die Freundschaft zwischen Mann und Frau scheint von Natur aus gegeben zu sein; denn von Natur aus ist der Mensch noch mehr zur Zweisamkeit geneigt als zum Staat, so wie auch das Haus ursprünglicher ist als der Staat“.
„Wer aber nicht in Gemeinschaft treten kann oder wer ihrer aus Selbstgenügsamkeit nicht bedarf, der ist kein Teil der Stadt und ist also entweder ein Tier oder ein Gott.“
Aristoteles
Martin Buber sagt: „Im Anfang ist die Beziehung.“ Die Beziehung (Beziehnung) führt uns zur Begegnung (Begegnung).
In der Bibel sind die familiären und ehelichen Zwistigkeiten nahezu deckungsgleich mit denen unserer Zeit. Schon damals waren die Verhaltensmuster von Eheleuten im Streit sehr aktuell und wohlbekannt. Diese Muster lassen sich in den folgenden Verhaltensmustern der Ehepartner zusammenfassen:
- 'das Abwälzen der Schuld auf den anderen Ehepartner' ('nicht ich, sondern...')
- 'Ausbrüche der Eifersucht' ('wo warst du?')
- 'Kinder als Quelle ehelicher Probleme' ('aus ihm/ihr wird nie etwas'')
- 'Unfruchtbarkeit des Mannes oder der Frau' ('wir sind allein geblieben')
- 'Macho-Mann und gute Frau' ('kluge Frau und dummer Mann').
All das und mehr finden wir auch in den Ehegeschichten von heute. Wir haben einige bezeichnende biblische Geschichten über eheliche Zwistigkeiten ausgewählt, die in der biblischen Erzählung und in der Geschichte tiefe Spuren hinterlassen haben, das heißt einige biblische Ehepaare mit einer Art 'Wahlspruch' des Streits, nach dem sich die Zwistigkeiten zwischen ihnen abspielten: Adam und Eva ('ich war es nicht'); Sara und Abraham ('wir sind allein geblieben'); Isaak und Rebekka ('große Kinder, große Sorge'); Rahel und Jakob ('mir reicht es'); Nabal und Abigajil ('die Schöne und der Narr').
Wir haben ein halbes Jahrhundert in glücklicher Ehe gelebt.
Unsere Ehe war ideal. Wenn man daraus eine Werbung machen könnte, würde ich sagen: „Lebt eure Ehe so wie Cvijeta und ich!“. Sie war das Glück meines Lebens. Ich bitte, das nicht banal zu verstehen.
Langeweile war in unserem Leben von jeher ein fremdes und unbekanntes Wort.
Außer den Besichtigungen von Städten zogen uns die Räume der Stille an.
Vor zwei Tagen ist im 94. Lebensjahr der Akademiker Viktor Žmegač gestorben, ein besonderer Mensch: liebenswert, ruhig, verlässlich, genau. Wie ein Renaissancemensch weiß er über Tatsachen, Ereignisse, Menschen und Länder, über die Kunst, über das Leben – viel, und zu viel. Er ist freundlich. Streng, sogar gegen sich selbst. Er ist Germanist und Kroatist, emeritierter Professor der Philosophischen Fakultät in Zagreb, Schriftsteller, Historiker, Musikwissenschaftler, Theoretiker der Literatur und der Kunst, Reiseschriftsteller.
In den letzten rund fünfzehn Jahren hat Professor Žmegač etwa zehn phänomenale Bücher über die Zivilisation, die Kultur und die Kunst Europas geschrieben. Er liebt über alles die Kultur und die Kunst Europas, die er für den Mittelpunkt unseres Planeten hält. Er ist ein Gelehrter. Ein herausragender. Das ist er, einer, der zutiefst kennt, womit er sich beschäftigt und was er erforscht.
Er war mit Cvijeta verheiratet, der Verfasserin von Deutschlehrbüchern und einer vollkommenen Lehrerin an Sprachenschulen: „Ich habe sie unermesslich geliebt, vom ersten Tag bis zu ihrem Tod. Wir haben ein halbes Jahrhundert in glücklicher Ehe gelebt. Die Jahre, die folgten, bis ganz zuletzt, waren die einzige Tragödie meines Lebens. Sie musste in einem Heim leben, in immer schwererem Zustand. Eine unheilbare Krankheit von langsamem Verlauf hatte sie getroffen. Eine Therapie gibt es nicht. Auch heute vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht an Episoden aus unserer Ehe erinnere. Sie war nicht nur schön, lieb und für die Familie aufopfernd, sie war auch ungeheuer humorvoll, voller Witze und schlagfertiger Einfälle. Unsere Ehe war ideal. Wenn man daraus eine Werbung machen könnte, würde ich sagen: „Lebt eure Ehe so wie Cvijeta und ich!“. Sie war das Glück meines Lebens. Ich bitte, das nicht banal zu verstehen.
Ich kam in meinen Garten, meine Schwester, meine Braut
Dort schenke ich dir meine Liebe
Ich fand die Liebe meiner Seele
Ich hielt sie umfangen und werde sie nicht loslassen
Die Bibel beginnt mit einem Garten, dem Garten, den Gott in Eden gepflanzt hat (vgl. Gen 2,8), und sie endet mit der Erwähnung einer Gartenstadt, des himmlischen Jerusalem: „Mitten auf dem Platz der Stadt, zu beiden Seiten des Stromes, steht ein Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt, jeden Monat seine Frucht. Und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker“ (Offb 22,2). Auch in der Mitte der Bibel findet sich ein Garten, jener aus dem Hohenlied, von dem Rabbi Akiba sagte, es sei das „Allerheiligste“ der Schrift; da findet sich ein Garten mit fließenden Wassern und blühenden Bäumen.
Wir möchten über diese doppelte Perspektive nachdenken, die das „Geheimnis“ des Gartens mit dem des Menschenpaares verbindet. Warum verabredet sich ein Paar im Garten? Inwiefern ist die anthropologische und kosmische Gestalt des Paares im Garten Trägerin einer theologischen Wahrheit? Das Hohelied wird für diese Überlegung den „Rahmen“ bieten; gerade auf den Seiten des Hohenliedes ist die Einladung der Liebenden, in den Garten zu gehen, am deutlichsten ausgesprochen: „Mein Geliebter komme in seinen Garten [...]. Ich komme in meinen Garten, meine Schwester, meine Braut“ (Hld 4, 16-5,1). Wir werden von einem Geflecht gemeinsamer Wurzeln sprechen, von der Sorge für das gemeinsame Haus, von der Liebe in der Familie. Das Paar, in diesem Zusammenhang betrachtet, öffnet sich für den göttlichen Plan, für ein Leben in Fülle, mit vielfältigen Früchten.
Ehe- und Liebesgeschichte in Bildern: Marc Chagall und Bella Rosenfeld
Und du wurdest meine Frau
Für die Jahre, die kommen. Liebste.
Du hast mir unsere Tochter geschenkt, ein seltenes Geschenk
am feierlichsten Tag...
Dank sei dir, o Gott in der Höhe
Für den Tag und für den Monat.
Marc Chagall
Er porträtiert seine Frau als eine fantasievolle, kluge, selbstbewusste Frau: „ Mit wem könnte ich sie vergleichen? Sie war wie keine andere. Sie war Baschenka-Belotschka auf dem Hügel, sie spiegelte sich in der Düna mit ihren Wolken, Bäumen und Häusern. Ich wünschte, dass sie in meiner eigenen Träumerei erwacht“. Ihre Stimme war, wie er sagt, „wie der Gesang eines Vogels aus einer anderen Welt“.
Zwei Revolutionen, zwei Kriege, Armut, häufige Reisen — Bella Rosenfeld, die treue Muse und Ehefrau Marc Chagalls, war fast 30 Jahre lang an seiner Seite. Sein Engel, das Sinnbild der Liebe auf allen seinen Bildern, zart, klug, schön, verstand Bella Chagall wie niemand sonst und nahm ihn an, wie er war. Kein einziges Bild wurde ohne ihre Zustimmung vollendet; der Künstler vergötterte sie und liebte sie wie niemanden sonst bis zum Ende seines langen Lebens.
Mein Mann! Mein Mann! Mein Mann! Trocken sind, du siehst es, meine Augen, Doch meine Liebe will ich nicht verbergen.
Dich bittend, Vergib mir, Nie mehr werde ich dich, bewegten Herzens, Bei deiner Heimkehr aus der Schlacht Umarmen können.
Zum Tod bin ich bereit/ Und fürchte mich nicht, Wenn der Henker das Schwert schwingt, Ich werde stolz dastehen, Nach Herrenart und kroatisch.
Du aber Gräme dich nicht/ Lasst mich eine Frau sein, Lasst mich wehklagen, lasst mich jammern, Lasst mich mein Herz zerreißen.
Mate Marčinko
Die Trauung von Ana Katarina Frankopan und Petar Zrinski fand in Karlovac statt, das Fest am 27. X. 1641. in Ozalj. Mit ihr vereinigten sich die mächtigsten kroatischen Adelsfamilien Zrinski und Frankopan. Sie hatten vier Kinder: Jelena, Judita Petronila, Ivan Antun Baltazar und Aurora Veronika.
Katarina heiratete Petar in ihrem 16. Lebensjahr und lebt seither mit ihrem Mann in Ozalj; gelegentlich besucht sie auch Čakovec, wohin sie mit ihrem Mann nach dem tragischen Tod seines Bruders, des kroatischen Banus Nikola Zrinski, übersiedeln wird. Zeitweise hält sie sich auch auf anderen Gütern der Zrinski und Frankopan auf – in Vrbovec, auf Grobnik, in Kraljevica und in Novi Bribir. All diese Güter waren nicht nur Wirtschaftsbetriebe, sondern auch Mittelpunkte des öffentlichen und kulturellen Lebens, in denen kroatisch gesprochen wurde, kajkawisch, tschakawisch und schtokawisch, in denen geschrieben und über Themen der Welt und der Nation gestritten wurde und in denen Literatur, Kunst und Kultur gepflegt wurden.
Wir bringen die eheliche, familiäre und vaterländische Geschichte von Petar und Katarina Zrinski und seinen Abschiedsbrief an die geliebte Frau vor der Hinrichtung.
„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten, weder Tiefe noch Höhe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Röm 8, 38-39)
Im Jahr 1842 heiratete der 33-jährige Oberst der niederländischen Kavallerie Jacobus Warnerus Constantinus van Gorkum (1809-1880) die 22-jährige Adelige Jonkvrouwe Josephina Carolina Petronella Hubertina van Aefferden (1820-1888). Die Ehe war ausgesprochen umstritten, und zwar nicht in erster Linie wegen des Standesunterschieds, sondern vor allem wegen des Unterschieds ihrer Konfession – van Gorkum war Protestant, van Aefferden war Katholikin. Die beiden Gemeinschaften lebten in großer Feindschaft. Die beiden verliebten sich, doch ihr Wunsch zu heiraten stieß wegen der Unterschiede in Glaube, Stand, Vermögen, politischer Zugehörigkeit und Herkunft auf großen Widerstand. Trotz dieser Einwände heirateten sie 1842 und führten fast achtunddreißig Jahre lang eine glückliche Ehe. Die Ehe war mit drei Kindern gesegnet: zwei Söhnen und einer Tochter. Josephina blieb Katholikin, Jacobus blieb Protestant, und dem Paar gelang es irgendwie, der gewaltigen Feindschaft von beiden Seiten zu trotzen, bis der Tod sie vorübergehend trennte.
Wir veröffentlichen die Geschichte des Ehepaares Ciro Piccolo und Raffaella Esposito Corcione, die gemeinsam ein Handbuch für junge Paare zum Thema des Werbens verfasst haben (Il Manuale del corteggiamento). Sie bezeugen uns die Schönheit und die Tiefe ihrer Beziehung und wie der Gebrauch der natürlichen Methoden eine große Hilfe in der Ehe sein kann. Das ist ein Wissen, das jede Frau und jeder Mann besitzen sollte!Janet Smith sagt: “Die Tatsache, dass sich Paare, die die natürliche Familienplanung anwenden, fast nie scheiden lassen. Das sagt viel aus. Die natürliche Familienplanung ist viel mehr als Enthaltsamkeit. Sie ist eine Methode, die viel Gespräch und gemeinsame Werte verlangt”.
Der Ehebruch ist eine der schmerzlichsten Erfahrungen im Leben. Wir bleiben zu lange in diesem Schmerz, wir versinken in Groll, Zorn und Verletztheit. Die Beklemmung, die wir empfinden, schneidet mit ihrer Schärfe auch in andere Bereiche unseres Lebens. Wir werden ohnmächtig, weil wir an allem zu zweifeln beginnen, was uns wichtig ist, an allem, was bis zu diesem Augenblick gut und tragfähig in unserem Leben war. Das Leben verwandelt sich in ein bloßes Dahinvegetieren. Nur um dem Bild jenes Menschen zu entgehen, dem wir uns hingegeben und dem wir Treue versprochen haben und der nun in den Armen eines anderen oder einer anderen liegt. In jedem Fall handelt es sich um einen Schlag, der das Leben von Grund auf verändert, sowohl das Leben dessen, der untreu ist, als auch das Leben dessen, der die Untreue entdeckt hat.
Was und wie weiter nach dem Ehebruch?
Ich möchte euch die Ehegeschichte der Elisabetta Canori Mora erzählen, gezeichnet von der Qual der Untreue ihres Mannes; der heilige Papst Johannes Paul II. hat sie 1994 seliggesprochen. Sie lebte an der Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert in Rom, in Italien. Aus der Geschichte der Untreue ihres Ehemannes Cristoforo kann der Mensch von heute, in einer Welt, in der die Statistiken zeigen, dass sich jedes dritte Paar scheiden lässt, lernen, dass die Qual konfliktreicher Ehen nicht notwendigerweise mit einer Scheidung oder einer langjährigen Therapie endet, sondern mit einer völligen Verwandlung hinein in die Schönheit der Gegenwart Gottes auf Erden.
Der Komponist Ennio Morricone, der zu Lebzeiten berühmte und wunderbare Melodien geschaffen hat, starb am 6. Juli 2020. Geboren wurde er am 10. November 1928 in Rom, wo er auch sein ganzes Leben verbrachte.
Seine Frau Maria Travia wurde 1932 in San Giorgio di Gioiosa Marea (Messina – Sizilien) geboren, in der letzten Nacht des Jahres, am 31. Dezember. Schon 1933 zog ihre Familie jedoch nach Rom, wo Maria aufwuchs. Sie war eine Freundin von Adriana, Ennios Schwester.
Unmittelbar vor seinem Tod hat er sie schriftlich als diejenige genannt, der er alles anvertraut hat: „Zuletzt, aber nicht als Letzte, Maria. Hiermit erneuere ich die außergewöhnliche Liebe, die uns zusammengehalten hat, und es fällt mir schwer, dass ich sie verlassen muss. Am schmerzlichsten ist der Abschied von ihr.”
In der Fortsetzung unserer Reihe über biblische Paare stehen wir vor einer echten Herausforderung. An der Reihe ist Noah, der zehnte biblische Patriarch von Adam an. Die Absicht und zugleich die Herausforderung dieses Textes ist es jedoch, Noahs Lebensgefährtin kennenzulernen. Gehen wir der Reihe nach vor.
Es wundert uns ein wenig, dass das christliche Zadar keine einheimischen Heiligen hat, dass die Heiligen, die wir in unserer Stadt verehren, wie die hl. Anastasia, der hl. Chrysogonus und der greise Simeon, von auswärts hergebracht wurden. Als Seliger von der Kirche anerkannt ist einzig Jakob von Zadar, und auch er wurde in Italien berühmt und starb dort, in Bitetto bei Bari. Wir müssen also zugeben, dass wir in gewisser Weise arm sind, was die kirchlich verkündeten Heiligen betrifft. Doch wenn wir in der Ewigkeit sein werden, werden wir sehen, dass in der langen christlichen Geschichte Zadars eine Fülle heiliger Menschen gelebt hat, die uns Vorbilder und Fürsprecher sein können. Eine von ihnen ist Anđelika Salghetti-Drioli, geb. Isola, eine heilige Frau und Mutter, und ihr Ehemann Frane.
„Doch ihre Augen wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten“ (Lk 24,16)
Vor kurzem brachten die Pflegerinnen in einem Altenheim in England einem 94-jährigen Witwer ein ungewöhnliches Geschenk zum Geburtstag. Ein kleines Kissen. Das Kissen, das die Pflegerinnen ihm schenkten, trug ein Bild seiner verstorbenen Frau. Er hat sieerkannt.