Was für eine Geschichte über die Liebe! Die Liebe als Tugend kämpft gegen Wahnsinn und Korruption, gegen Verrat und Heuchelei, gegen Feigheit und bösartige Brutalität, gegen Aufruhr und Krankheit und - sie siegt.
In den letzten Monaten hören wir beunruhigende Nachrichten über die Zahl der Verstorbenen, vor allem älterer Menschen, und ich lese auch die neueste Meldung, dass das Coronavirus in ein weiteres Alten- und Pflegeheim eingedrungen ist. Das Virus hat die wirkliche Anwesenheit und die körperliche Nähe der Familienangehörigen genommen, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht mit den Nächsten. In ihr Leben ist eine erschreckende Stille eingezogen, die Trennung von den Nächsten und die Einsamkeit, die schon vor dem Coronavirus ein großes Problem für ältere Menschen war. Wir widmen ihnen ein Lied und ein Video von Leonard Cohen, das großartige "Dance me to the end of love" (Tanz mich bis ans Ende der Liebe), denn gerade dieses Video zeigt sie, die älteren Menschen, deren Leben und Liebe stärker sind als der Tod.
Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht
noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,
nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht,
nicht vor der Seuche, die wütet am Mittag (vor dem Mittagsdämon).
Ps 91, 5-6
Man wisse, dass es Sünde ist, nicht zu tun, nicht zu wissen, nicht zu sehen, was zu tun ist - kurz gesagt, keine Sorge zu tragen. Das ist die wörtliche Bedeutung des Wortes Akedia, die seit Jahrhunderten als Problem erkannt ist und die uns noch immer plagt.
Karl Menninger
Eine Generation, die keine Langeweile ertragen kann, wird eine Generation kleiner Menschen sein, von Menschen, die ungebührlich von den langsamen Vorgängen der Natur getrennt sind, von Menschen, in denen jeder Lebensimpuls langsam verwelkt, als wären sie welke Blumen in einer Vase.
Bertrand Russell
Es gibt einen geistlichen Zustand, der eine Reaktion auf unsere Verwundungen ist, Ursache und Folge unserer Sünden und Schwächen. Wir nennen ihn Akedia. In unsere Häuser und Familienbeziehungen, in unsere Kirchen und Sakristeien kann sich dieser geistliche Wurm einschleichen. Es gibt drei Arten der Akedia.
Den Ausdruck schöne neue Welt aus Shakespeares Drama Der Sturm nahm Huxley zum Titel seines futuristischen Romans, in dem er eine „vollkommene“ Menschheit darstellte, die weder Barmherzigkeit noch Liebe braucht. Es genügen vollkommene Technik und erfolgreiche Genetik.
Alles ist steril, zweckmäßig und hastig, das Leben ist angenehm, es gibt keine Krankheiten, keine Gefühle, keinen Schmerz, kein Leid und keinen Zwang. Unterhaltung und Konsumdenken blühen, alle Tätigkeiten sind kollektiv, und sexuelle Promiskuität ist erwünscht. Die Sexualität ist von Gefühl und Innigkeit getrennt, gemäß dem Leitsatz jeder gehört allen. Alle sind ständig beisammen, aber die Einzelnen sind gefühllos und vereinzelt, und darum gibt es keine wirkliche Gemeinschaft.
Die Angst vor dem Schmerz belastet mehr als der Schmerz selbst. Wir wissen jedoch, dass die Angst den Schmerz auch vertreibt. Den einen Schmerz werden wir durch einen anderen, größeren Schmerz los. Epikur vertrieb die Angst, vor allem jene grundlegende, größte Angst, die Angst aller Ängste, die Angst vor dem Tod, durch einen Gedankenschritt, nach dem wir und unser Tod einander niemals begegnen. Solange es uns gibt, sagte Epikur, gibt es den Tod nicht, und wenn er kommt, gibt es uns nicht mehr.
Nichts zieht unsere Aufmerksamkeit so mächtig auf sich wie der Schmerz. Der Schmerz vertieft, verschärft und verändert unser Verhältnis zur Welt. Wenn wir erkranken, ist unsere Welt nicht mehr dieselbe. Der Raum, in dem wir leben, wird enger und ändert seine Bedeutung. Der Schmerz nimmt uns den Raum der Lebensbewegung. Die Menschen, mit denen wir Arbeit und Leben geteilt haben, sind nicht mehr da. Es gibt keinen eingespielten Rhythmus von Arbeit, Erholung, Geselligkeit, Sport und Schlaf. Die Erfahrung des Schmerzes ist eine ganz neue Erfahrung der Welt, ein anderer Blick auf die Welt. Mit dem Auftreten des Schmerzes erscheint die Welt auf andere Weise. Der Schmerz verändert und verstärkt das Erleben der Welt und der Wirklichkeit. Das grundlegende gemeinsame Merkmal sehr verschiedener Leidenserfahrungen ist der Zwang, etwas Unangenehmes, Schmerzhaftes, Zerstörerisches auf sich zu nehmen.
Wir bringen einen Beitrag von Fra Ante Vučković, erschienen in der theologischen Zeitschrift Crkva u svijetu, und Teile eines Interviews in Glas koncila über den Schmerz, seine Bedeutung und seinen Sinn für unser Leben.
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden!
Weihnachten ist süß und wunderbar, aber es ruft uns auch nachdrücklich zur Umkehr. Zur Änderung der Gesinnung. Zur Selbstprüfung. Zur Entscheidung. Heute wird oft vom gestohlenen Weihnachtsfest gesprochen. Wer hat Weihnachten gestohlen? Und dieser Diebstahl an Weihnachten geschieht tatsächlich immer wieder. Doch gestohlen wird es nicht vom Rummel und von den Managern, sondern davon, dass wir Augen und Ohren vor dem Drama von Weihnachten verschließen. Die Dramatik von Weihnachten erreicht ihren Höhepunkt in dem Satz des Johannes (wir lesen ihn am Weihnachtstag selbst): Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden!
O Sanftmut des Vaters, ergieße dich in die Seele des Sohnes…
In den kleinen Unterschieden verbirgt sich immer eine große Bedeutung. Manchmal ist dieser kleine Unterschied so unmerklich, dass allein der Heilige Geist uns seine Bedeutung enthüllen kann. Halten wir beim Unterschied zwischen Sanftmut und Nachgiebigkeit inne. Nachgiebig gegen sich selbst zu sein führt nach und nach in die Katastrophe. Barmherzig und sanftmütig gegen sich selbst zu sein führt dagegen zur geistlichen Reife. Wer grausam gegen sich selbst ist, ist unweigerlich noch grausamer gegen andere. Bemerkenswerterweise ist auch der, der gegen sich selbst nachgiebig ist, streng gegen andere. Bei der Sanftmut und der Barmherzigkeit ist es genau umgekehrt. Wer sanftmütig gegen sich selbst ist, ist noch sanfter gegen andere.
„In meiner Jugend habe ich den "Gott der Hoffnung" kennengelernt. Jetzt, im Alter, kenne ich den "Gott der Geduld". Die Hoffnung bringt uns Erregung, die Geduld dagegen ist mühsam. Doch wenn wir in der Hoffnung an etwas Neues herantreten, so halten wir es allein in der Geduld auch fest. In der ausdauernden Geduld wird die Hoffnung bleibend“. Jürgen Moltmann
Die Griechen gebrauchen die Begriffe hypomonè (Warten) und paskein (Geduld); sie beziehen sich auf die Möglichkeit, dass ein Mensch innehält, weil etwas Wichtiges geschieht, dabei nachdenkt und sieht, wie es geschehen wird, bevor es wirklich geschieht. Das bedeutet ein lebenswichtiges Innehalten, weil etwas geschieht und es wichtig ist abzuwarten, dass es geschieht, bevor man handelt. Und schließlich noch ein weiterer bedeutungsreicher Ausdruck – makrothymìa (Langmut, Länge des Geistes), der es uns ermöglicht, in die Zukunft zu blicken. Geduldig ist, wessen Blick nach vorn gerichtet ist, wer auf die Zukunft schaut. Ciceroschrieb in seinem WerkPartitionesoratoriaeseinem Sohn: „Was den kommenden Widrigkeiten standhält, nennt man Tapferkeit; was ausdauert und bis ans Ende sieht, das nennt man Geduld".
„O-Antiphonen“ oder Große Antiphonen ist die Bezeichnung für sieben Antiphonen, die zum Lobgesang des Evangeliums, dem Magnificat (Meine Seele preist), im Abendgebet der Vesper während des Advents gesungen oder gesprochen werden, und zwar in der Woche vor Weihnachten, vom 17. bis zum 23. Dezember, in der Zeit der unmittelbaren Vorbereitung auf Weihnachten. Sie bringen die Bewegung des Staunens vor dem Geheimnis der Menschwerdung in dem zum Ausdruck, der sie singt.
Die Antiphon vom 20. Dezember „O du wunderbarer Schlüssel Davids“ stellt die Taten Christi dar, seine Vollmacht, öffnen und schließen zu können und die Gefangenen aus der Finsternis zu befreien. Die Antiphon ruft das Kommen des Messias an als den Schlüssel, der öffnet, als den Knecht des Herrn in seiner unumschränkten Macht – zu öffnen oder zu schließen – und in der Rolle des Befreiers derer, die Gefangene der Finsternis sind.
Wie lange darf die Stille (das Schweigen) in einem Gespräch dauern, bis sie uns unangenehm wird?
Der niederländische Psychologe Namkje Koudenburg sagt, es brauche nur vier Sekunden, und schon wird es unangenehm. Es ist die Zeit der Stille angebrochen, oder wenigstens die Zeit, in der wir mehr Möglichkeiten haben, in der Stille zu sein, bei uns selbst zu sein. Zum Teil hat uns das Coronavirus dazu gezwungen, indem es unsere sozialen Kontakte verringert und uns genötigt hat, lange Zeit zu Hause zu bleiben. Noch im vergangenen Monat schien das völlig unmöglich und darum schockierend – „die Aussicht auf eine unwirkliche Stille“, wie Giuseppe Marino sagt.
Lerne, Mitleid zu empfinden und, wenn schon keine Rechtfertigung, so doch eine Erklärung für das Handeln derer zu finden, die dich verletzt haben.
Und versetze dich immer an die Stelle dieser Menschen.
Der Hass zerfrisst dich nur.
Verlange von Gott nicht Gerechtigkeit, sondern erbitte Barmherzigkeit.
Anthony Bloom von Sourozh wurde 1914 in Lausanne geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Russland und in Persien, wo sein Vater dem russischen kaiserlichen diplomatischen Dienst angehörte. Während der russischen Revolution musste seine Familie Persien verlassen und ließ sich 1923 in Paris nieder, wo er an der Pariser Universität Physik, Chemie und Biologie studierte und in Medizin promovierte. Im Jahr 1939, vor seinem Aufbruch an die Front als Chirurg der französischen Armee, legte er heimlich die Mönchsgelübde ab. 1943 empfing er die Tonsur und erhielt den Namen Anthony. Während der deutschen Besetzung Frankreichs arbeitete er als Arzt und beteiligte sich an der französischen Widerstandsbewegung.
Wenn wir von Versöhnung sprechen, denken wir an eine neue Beziehung, an eine ganz neue Beziehung zwischen den verfeindeten Seiten oder zwischen einem Menschen, der zutiefst verletzt wurde, und dem, der ihn verletzt hat. Von Seiten dessen, der verletzt hat, bedeutet das, dass er seine Verantwortung anerkannt hat; von Seiten des Verletzten verlangt es Weite des Herzens, die Bereitschaft, das demütige Schuldbekenntnis eines Menschen anzunehmen, und ein offenes Gespräch, das nicht die Wiederherstellung des Früheren sucht, sondern das Entstehen einer neuen Beziehung. Der Herr sagt: „Seht, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5).
Wir sind berufen, Frieden zu bauen, indem wir eine Berufung wählen, die groß genug ist, um die ganze Menschheit zu umfassen: das Reich Gottes zu bauen, wozu das Friedenstiften gehört – Friede zwischen Mensch und Mensch, Friede in kleinen Gruppen, Friede in immer größeren Ganzheiten, vor allem aber Friede mit dem, was Gott geschaffen hat und worin wir leben. Dann werden wir ein gemeinsames Ziel haben, und in der Gemeinschaft dieses Zieles werden wir die Welt so machen, wie Gott sie gewollt hat, und dann werden wir uns auch miteinander versöhnen.
60 Jahre sind seit der Enzyklika von Johannes XXIII. »Pacem in Terris - Friede auf Erden« vergangen. Die Enzyklika ist nach wie vor hochaktuell, denn in einer Welt, in der zahlreiche Kriege geführt werden, wie dieser in der Ukraine, in der es Terrorismus gibt, das Auftreten von Viren, Probleme der Nahrung und des Wassers, das Wettrüsten und erneut die Drohung eines Atomkriegs sowie verschiedene andere negative gesellschaftliche Erscheinungen, ist gerade der Friede auf allen Ebenen bedroht - der allgemeine Friede auf Erden. Man erwartete, dass nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989, des Symbols der Teilung von West und Ost, eine neue Zeit des Friedens anbricht, gekennzeichnet von allgemeiner Sicherheit und ohne die Gefahr eines Atomkriegs. Doch gerade in diesen Tagen zeigt sich etwas ganz Gegenteiliges. Die Bedrohung wächst bis ins Unabsehbare, da die Atomwaffen und die reale Gefahr ihres Einsatzes erneut zu unserem Alltag geworden sind. Carl Gustav Jung hat das vor langer Zeit treffend beschrieben: »Man häuft nur das entsprechende Material (die Waffen) an, und unfehlbar wird das Teuflische im Menschen erstarken und mit ihm in den Krieg ziehen.«
„Es ist beinahe unmöglich zu denken, dass im Atomzeitalter der Krieg als Werkzeug der Gerechtigkeit gebraucht werden kann“, schrieb Johannes XXIII. und verwendete dabei den lateinischen Ausdruck „alienum est a ratione“ - über den Krieg als Lösung von Konflikten nachzudenken, sei „unvernünftig“. Er tritt ein für den Dialog zwischen Menschen, die sich ideologisch oder auf andere Weise unterscheiden, und für die Zusammenarbeit in gegenseitig nützlichen Unternehmungen »zwischen allen Menschen guten Willens«.
Von außerordentlicher Bedeutung bleibt für uns, dass wir endlich gelernt haben, die großen Ereignisse der Menschheitsgeschichte von unten zu sehen, aus der Perspektive derer, die leiden. Es kommt darauf an, dass wir uns in dieser Perspektive von unten nicht auf die Seite der ewig Unzufriedenen stellen, sondern dass wir den Anforderungen des Lebens in all seinen Dimensionen entsprechen.
Dietrich Bonhoeffer
Dir wird geraten, demütig zu sein, damit du kein gefühlloser Mensch wirst: Er, Gott, ist Mensch geworden; du, Mensch, erkenne an, dass du Mensch bist: deine ganze Demut besteht darin, zu erkennen, dass du Mensch bist. Da Gott dich nun die Demut lehrt, sagt er: „Ich bin nicht gekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“. Die Hochmütigen tun ihren eigenen Willen. Die Demütigen aber tun den Willen Gottes.
hl. Augustinus
In diesen Tagen haben wir den Blick zum Himmel gerichtet, zur Gemeinschaft aller Heiligen, und für die Seelen der Verstorbenen gebetet. Halten wir den Blick noch einen Augenblick nach oben gerichtet, um vor der Gestalt eines außergewöhnlichen Heiligen der Erneuerung der Kirche nach dem Konzil von Trient innezuhalten - vor dem hl. Karl Borromäus.
„Euer Schmuck sei nicht der äußere – kunstvolle Haartracht, Goldgeschmeide oder das Anlegen prachtvoller Kleider. Sondern: der im Herzen verborgene Mensch, von unvergänglicher Schönheit, mit sanftem und ruhigem Geist. Das ist vor Gott kostbar.“ 1 Petr 3, 3-4
„Die passende Kleidung macht uns zu Menschen.“
William C. Breda
„Ein klarer und vernünftiger Mensch bewegt sich in seiner Welt in anständiger und angemessener Kleidung.“
G.K. Chesterton
Äußeres und Kleidung sind seit jeher wesentliche Merkmale der Persönlichkeit. Neben der Zweckmäßigkeit hat sich in der Kleidung auf gewisse Weise immer auch das Wesen eines Menschen gezeigt. Die Fragen rund um die Art sich zu kleiden reichen in ferne Zeiten zurück, in denen man die Ursprünge bestimmter Kleiderregeln suchen muss, die sich bis in unsere Tage erhalten haben. Die Kleidung ist ein Symbol voller Nuancen: sie steht für Würde – königliche, priesterliche oder prophetische; das Gewand, das der Gläubige trägt, ist gewoben aus den Haltungen des Evangeliums: Barmherzigkeit, Güte, Demut.
„Wacht an jedem Tag und zu jeder Stunde und seid bereit, vollkommen das zu tun, was Gott gefällt,
im Wissen, dass der Herr in der Stunde kommt, in der wir nicht daran denken“
Basilius von Cäsarea.
Man kann sagen, dass sich unser Dasein im Erwarten ereignet – von einem Ereignis zum nächsten. Ich warte darauf, geboren zu werden, ich warte darauf, aufzuwachsen und zu reifen, ich warte darauf zu sterben, und schließlich warte ich auf die „Erfüllung“ des Lebens, die über allem Erwarten steht. Die Weihnachtszeit, der als Vorbereitung die Zeit des Advents vorausgeht, bietet uns bereits das Unterpfand jener Fülle des göttlichen, ewigen und seligen Lebens, das uns im Geist des Auferstandenen mitgeteilt ist. Der Advent erinnert uns daran, dass wir alle in Wahrheit Wartende sind. Aus diesem Grund können wir uns kein Leben wie zur Zeit Noachs leisten, in der Oberflächlichkeit als dem "obersten Laster unserer Zeit", wie Raimon Panikkar sagt.
Die menschliche Natur hat mit ihren Bedürfnissen und Wünschen drei schwache Punkte, die sich auf drei Neigungen beziehen, welche wir Risse oder offene Wunden nennen können. Sie sind im Menschen von Urbeginn an vorhanden.
Der erste Riss schwächt das gesunde und natürliche Verlangen des Menschen nach Leben, nach Dasein, nach Schaffen, nach Zeugen. Er heißt Gier. Das ist die verkehrte Neigung, für sich zu sammeln, für sich zu besitzen, für sich zu zeugen.
Der zweite Riss betrifft das gesunde und natürliche Bedürfnis des Menschen, anerkannt und geliebt zu werden. Die verkehrte Neigung, die in uns lebt, besteht in Folgendem: Statt das Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe zu überschreiten, statt es in eine echte und persönliche Beziehung zu einem anderen Menschen zu verwandeln, benutzen wir es nur zum eigenen Vorteil.
Der dritte Riss, durch den wir zerbrechlich, verwundbar und anfällig für die Versuchung sind, betrifft das gesunde menschliche Bedürfnis, zu gestalten, zu ordnen, über die Zeit und über die Dinge zu herrschen. Die verkehrte Neigung besteht darin, dass wir über alles zu unserem eigenen Vorteil herrschen wollen, mittels Macht, Reichtum oder Wissen.
Inständig suche ich Dich. Nach Dir dürstet meine Seele. Nach Dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. Deine Liebe ist besser als das Leben.
Manchmal denken wir so: sich Geld, Sex und Erfolg greifen, sie in das Gefäß des eigenen Herzens werfen und am Ende einen Cocktail mixen, der Glück heißt. Es sieht einfach aus und durchaus machbar. Warum nicht? Es ist doch logisch. Alles ist in Reichweite. Alle bemühen sich doch darum. Es gibt so viele fertige Rezepte. Es müsste gut und süß sein!
Wenn wir nur ein einziges Härchen von unserem Kopf nehmen und es untersuchen lassen, können wir fast alles andere entdecken, was in unserem Körper ist. Sichtbar wird auch die ganze Geschichte unseres Körpers und darüber hinaus das Erbe aus urzeitlichen Tagen, ja sogar manches von der Zukunft, die sich mit unserem Körper ereignen wird. In dem Härchen ist alles eingeschrieben. Im Strohhalm ist alles. Die Maxi-Welt ist ganz und gar in der Mini-Welt!
Jesus von Nazaret ist nur ein Strohhalm im Ozean der Geschichte. Sein Kreuz ist eines in der Reihe unzähliger Kreuze, an denen im Römischen Reich Verbrecher aller Art gekreuzigt wurden. Er ist einer von unzähligen Predigern, die die verschiedensten Worte ausgestreut haben.
Von Mozart heißt es, er habe denen, die ihn drängten, ihnen etwas vorzuspielen, oft die Frage gestellt: Lieben Sie mich? (Liebst du mich?). Bekam er eine bejahende Antwort, so setzte er sich ans Klavier und führte seine Virtuosität vor. Er ertrug es nicht, dass jemand seine Musik und sein Spiel liebte, ohne ihn selbst zu lieben. Die Liebe hat ihn inspiriert. Sie schenkte ihm Sicherheit und Ganzheit, die höhere Mathematik.
Interessanterweise hat auch Christus Petrus gefragt: Liebst du mich? Er wollte, dass Petrus alles von Seiner Person trennt, was nicht Er selbst ist, und dass er Ihn persönlich liebt. Nur das hat vollen Sinn. Alles andere stiftet Verwirrung. Die Person sucht die Person!
Željko Mardešić wurde in Milna auf der Insel Brač geboren, verbrachte seine Kindheit jedoch im wunderschönen Komiža auf der Insel Vis, wo er auch begraben ist. Er war einer der angesehensten Religionssoziologen, obwohl er Jura studiert und als Jurist gearbeitet hat. Er war in der Theologie zu Hause und vom Zweiten Vatikanischen Konzil begeistert. Er schrieb über spannende Dinge und sprach mit den unterschiedlichsten Menschen. Er verfolgte alles, was in Kroatien und in der Welt geschah, auf gesellschaftlicher und besonders auf kirchlicher Ebene. Über sich selbst schrieb er einige Seiten in der Einleitung zu seinem Buch „Gesichter und Masken des Heiligen“. Er erzählt uns von drei Demütigungen, die er erlebt hat, die in ihm Auflehnung hervorriefen, und davon, wie es ihm gelang, diese Demütigungen zu überwinden. Es geht um die Demütigung der Vernunft, um die persönliche sittliche Inkonsequenz und um die Demütigung der Güte. Am Ende erfuhr er auch die Demütigung der Armut, verursacht teils durch die Härte des Heimatkrieges, teils durch die eigene Entscheidung für ein zurückgezogenes Leben.
Wohin dich das Leben auch führt, immer erinnerst du dich gern an die Düfte, Bilder und Menschen deiner Kindheit. Diese Erinnerungen begleiten dich dein ganzes Leben lang. Sie sind ein Teil von dir, wie auch immer dein Leben heute aussieht und wo du dich befindest, sie bleiben ein Teil von dir. Und du kannst sie auch heute noch so stark spüren. Das bestätigt auch diese Geschichte.
Eines der Wörter, die wir oft über die Medien hören und das uns langsam in die Ohren und ins Herz dringt, ist: Bedrohung. Ein interessantes Wort. Wir hören es aus militärischen Kreisen, wenn von nationaler Sicherheit und von der Stärkung der Verteidigungskräfte die Rede ist. Im Sommer hören wir von der Bedrohung durch Brände, wir haben von der Bedrohung durch Erdbeben gehört. Viele sind davon bedroht, ihre Arbeit zu verlieren, oder befinden sich bereits in der Bedrohung der Arbeitslosigkeit. Wir spüren die Bedrohung durch ein kleines Virus, das in einem Augenblick die halbe Menschheit lahmgelegt und unser Leben beeinflusst hat… Viele erfahren die Bedrohungen der Gewalt, der Ungerechtigkeit, der Einsamkeit …
Die Bedrohung ist unausweichlich, aber der Trost ist stärker.Das Gute ist immer stärker als das Böse.Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.Wo lassen wir uns „trösten“?
Nach der Wahrnehmung vieler hat das Virus die Ausmaße eines der Geschöpfe aus Borges' fantastischer Zoologie angenommen. Borges stellt uns nämlich ein Tier vor, das Hide-behind heißt und eine ähnliche Wirkung hat wie ein Virus. Und als mögliche Antwort auf eine solche Lage, in der sich derzeit fast die ganze Menschheit befindet, bringen wir das Lied von Paul Simon und Art Garfunkel: „Brücke über unruhigen Wassern“.
Oft hören oder lesen wir in diesen Tagen in den Medien, trotz einer Lage, die sich sehr rasch ändern kann, einen bemerkenswerten Ausdruck: die neue Normalität. Dieses Schlagwort soll eine neue Art zu leben unter den besonderen Umständen ausdrücken, die wir in diesen Monaten durchlebt haben, und uns dazu einladen.
Der Klang ist in verschiedenen Formen Teil unseres Lebens. Er betrifft nicht nur die Musik. Er ist ein weiterer Begriff, der die vielen unsichtbaren Wellen bezeichnet, die durch die Luft strömen und unser Ohr erreichen. Was durch das Ohr in uns eindringt, verändert uns, verwandelt uns, dringt tief in uns ein.
„Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein weises Herz gewinnen“ Ps 90,12
Das Thema aller Themen ist in dieser Zeit das Coronavirus. Sieh an, es wird auch in diesem Text erwähnt. Ist es wirklich ganz so? Ist das Virus tatsächlich das Topthema der Medien, der Gespräche …? Ein Thema erreicht in der Häufigkeit der Erwähnung das virale Thema des Virus. Dieses Thema ist die Zeit. Die Zeit!
Für uns alle stellt sich die Frage, wie wir uns gegenüber dem Coronavirus verhalten sollen, gegenüber den Problemen der Isolation und den anderen Schwierigkeiten, die aus einer solchen Lage erwachsen. Und, was noch wichtiger ist: wie wir mit unseren Nächsten, besonders mit den Kindern, mit den Kollegen und schließlich in der Öffentlichkeit über dieses Problem sprechen werden, das zahlreiche Einschränkungen mit sich bringt und viele Schwierigkeiten und Ängste um die nähere und die fernere Zukunft verursacht.
Das Erste und Wichtigste ist: niemals Angst haben. Die Angst verdirbt uns die Stimmung, und das macht uns anfälliger dafür, krank zu werden. Damit der Leib die Infektion besiegt, muss der Geist stark sein.
Albert Camus hat den berühmten Roman „Die Pest“ geschrieben. Weniger bekannt ist, dass er auch zwei kleinere Werke verfasst hat, eine Unterweisung und eine Rede über die Pestseuche, für das medizinische Personal und für alle, die mit dem Problem der Pest zu tun haben.
„Märchen sind mehr als wahr – nicht nur, weil sie uns lehren, dass es Drachen gibt, sondern weil sie uns lehren, dass man Drachen besiegen kann.“ ~ G. K. Chesterton.
Zu Beginn dieses Textes möchte ich euch eine Kindergeschichte erzählen, die mir für das, was ich sagen will, passend erscheint.
Die Geschichte heißt: „Drachen gibt es nicht“ von Jack Kent.
Ich erinnerte mich daran, wie es mir ergangen war, als ich niemanden hatte, der zu mir gehörte.
Nie habe ich mich damit gebrüstet, dass ich Menschen helfe.
Ich bin überzeugt, dass die Güte wie das Korn auf dem Feld ist, das sich durch das Säen vermehrt.
Ich wurde auf der Insel Žirje geboren, in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. In jenem Jahr 1916 war ich vier Jahre alt. Als Folge des harten Winters und des Krieges herrschte auf Žirje der Hunger. Es drohte die Gefahr, dass wir Kinder an Krankheiten zu sterben begannen, die von der Entkräftung herrührten.
Schon mehrmals kreiste in den sozialen Netzwerken ein kurzer, sehr bewegender und ermutigender Film über einen Jungen, dem man in der Schule bescheinigte, er sei nicht beschulbar, und über eine Mutter, die ihm beisteht... bald erfahren wir, dass es sich um einen der bedeutendsten Wissenschaftler der neueren Geschichte handelt,Thomas Alva Edison. Und wir fragen uns: Was ist da eigentlich geschehen...