Meide das Böse und tu das Gute! Suche Frieden und jage ihm nach!
60 Jahre sind seit der Enzyklika von Johannes XXIII. »Pacem in Terris - Friede auf Erden« vergangen. Die Enzyklika ist nach wie vor hochaktuell, denn in einer Welt, in der zahlreiche Kriege geführt werden, wie dieser in der Ukraine, in der es Terrorismus gibt, das Auftreten von Viren, Probleme der Nahrung und des Wassers, das Wettrüsten und erneut die Drohung eines Atomkriegs sowie verschiedene andere negative gesellschaftliche Erscheinungen, ist gerade der Friede auf allen Ebenen bedroht - der allgemeine Friede auf Erden. Man erwartete, dass nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989, des Symbols der Teilung von West und Ost, eine neue Zeit des Friedens anbricht, gekennzeichnet von allgemeiner Sicherheit und ohne die Gefahr eines Atomkriegs. Doch gerade in diesen Tagen zeigt sich etwas ganz Gegenteiliges. Die Bedrohung wächst bis ins Unabsehbare, da die Atomwaffen und die reale Gefahr ihres Einsatzes erneut zu unserem Alltag geworden sind. Carl Gustav Jung hat das vor langer Zeit treffend beschrieben: »Man häuft nur das entsprechende Material (die Waffen) an, und unfehlbar wird das Teuflische im Menschen erstarken und mit ihm in den Krieg ziehen.«
„Es ist beinahe unmöglich zu denken, dass im Atomzeitalter der Krieg als Werkzeug der Gerechtigkeit gebraucht werden kann“, schrieb Johannes XXIII. und verwendete dabei den lateinischen Ausdruck „alienum est a ratione“ - über den Krieg als Lösung von Konflikten nachzudenken, sei „unvernünftig“. Er tritt ein für den Dialog zwischen Menschen, die sich ideologisch oder auf andere Weise unterscheiden, und für die Zusammenarbeit in gegenseitig nützlichen Unternehmungen »zwischen allen Menschen guten Willens«.
Papst Johannes XXIII. wurde am 25. November 1881 im Dorf Sotto il Monte in der Lombardei geboren. Noch am selben Tag brachten ihn die Mutter Marianna und der Vater Giovanni in die Kirche und ließen ihn auf den Namen Angelo Giuseppe taufen. Für die Familie Roncalli war er das erste männliche Kind, aber das vierte in der Reihe von insgesamt dreizehn Kindern, die sie hatten. Sie lebten mit ihren sechs Kühen im ersten Stock eines Hauses, in dem 32 nahe Verwandte wohnten. Über seine Familie wird er später in einem Brief an die Eltern sagen: „Seit ich von zu Hause fortgegangen bin, habe ich viele Bücher gelesen und viele Dinge gelernt, die ihr mir nicht beibringen konntet. Aber was ich von euch gelernt habe, bleibt das Kostbarste und Wichtigste; es erhält und belebt vieles andere, was ich später gelernt habe, in so vielen Jahren des Lernens und des Lehrens.“
Schon als elfjähriger Junge geht er ins nahe gelegene Bergamo ins Priesterseminar. Nach dem Theologiestudium in Rom wird er zum Militärdienst einberufen: „Oh, was für ein Sumpf ist das Militär, aus dem eine Fäulnis strömt, die die Stadt überschwemmt. Wer wird aus diesem furchtbaren Schlamm gerettet werden, wenn Gott dabei nicht hilft?“. Das Unwetter des Ersten Weltkriegs (194–1918) ging auch am jungen Angelo nicht vorüber, der aus Pflicht gegenüber der Heimat als Sanitätsunteroffizier in die Militärkrankenhäuser Norditaliens einberufen wurde. Nachdem er Papst geworden war, bestätigte er während einer Audienz für Militärkapläne, dass ihn dieser Dienst „im Stöhnen der Verwundeten und Kranken zu einem allumfassenden Streben nach Frieden angeregt hat, dem höchsten Gut der Menschheit. Nie haben wir so wie damals empfunden, wie groß die Sehnsucht des Menschen nach Frieden ist.“
Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) widmet er sich der karitativen Arbeit und der Hilfe für alle, besonders für die Juden. Er schreibt an seine Familie: „Denkt an jene, die im Krieg sind, die Ärmsten! Durch meine Hände gehen so viele Anfragen von Eltern, Ehefrauen, Kindern, die Nachricht über die Ihren suchen, die gefallen, gefangen oder vermisst sind. Im Krieg zu fallen, gewaltsam, für die Heimat zu sterben, und das heißt aus Gehorsam, aus Liebe zu den Brüdern, das ist eine kostbare Tat, ein Ruf nach dem Erbarmen des Herrn. Ich denke, dass unsere liebe Heimat am Ende glücklich aus diesem Krieg hervorgehen wird, so furchtbar er auch ist. Der Krieg ist schrecklich, eine schreckliche Pest. Selig sind wir Katholiken, die wir in der Religion finden, was genügt, um auch unsere Vaterlandsliebe zu beleben, und die wir in der Religion keinen Vorwand suchen, uns irgendjemandem aufzudrängen, sondern im Gegenteil einen Ansporn, alle zu achten und das Gefühl wahrer Brüderlichkeit zu verbreiten und so zu bewirken, dass man uns liebt. Auch der Krieg wird vorübergehen: und wenn er vorüber ist, werden wir uns überzeugen, dass der Herr während des Krieges nicht geschlafen und die vielen Gebete guter und unschuldiger Seelen nicht überhört hat…“. Im Tagebuch der Seele schreibt er: „Das Weinen der Nationen. Es dringt aus allen Teilen Europas und auch von außerhalb an mein Ohr. Der mörderische Krieg, der zu Lande, zu Wasser und in der Luft verwüstet, ist nur die Vergeltung der göttlichen Gerechtigkeit, weil man die heiligen Ordnungen verletzt und bricht, die sie der menschlichen Gesellschaft gegeben hat. Den Krieg wollen die Menschen, mit offenen Augen, gegen alle heiligsten Gesetze. Wer ihn anzettelt und fördert, ist immer der „princeps huius mundi“ (Fürst dieser Welt), der nichts gemein hat mit Christus, der der „Friedensfürst“ ist. Und wenn der Krieg einmal entbrannt ist, bleibt den Völkern nichts anderes als die Reue und das Sich-Überlassen an das Erbarmen des Herrn, damit es stärker sei als die Gerechtigkeit und mit reicher Gnade die Mächtigen der Welt zur Besinnung bringe und sie erneut zum Frieden führe“.
In den letzten Monaten des Krieges und den ersten Monaten des Friedens half er den Kriegsgefangenen und sorgte auch für die Normalisierung des kirchlichen Lebens in Frankreich. Die geschichtlichen Umstände nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bewegten sich weiter im Flussbett des eben zu Ende gegangenen Krieges. Der Krieg nahm eine andere Dimension der Spannung an, die sich in den angespannten Beziehungen zwischen dem östlichen und dem westlichen Block zeigte. Das ist die Zeit des sogenannten Kalten Krieges (1945–1991). In seiner Ansprache auf der Generalkonferenz der UNESCO am 11. Juli 1951 fasste Roncalli seine Lehre in einem einzigen Satz zusammen: „Für alle wohlgesinnten Menschen ist das Gefühl der Brüderlichkeit, das im Angesicht jedes Menschen leuchtet, ein Abglanz des Angesichtes Gottes“. Als Papst nahm er den Namen Johannes XXIII. an, und sein päpstlicher Wahlspruch lautete „Gehorsam und Friede“.
Bald darauf gerieten um Kuba Nikita Chruschtschow und der amerikanische Präsident John Kennedy aneinander. Die Welt stand erneut am Rand eines Dritten Weltkriegs. Der Papst ergreift wieder die Initiative und richtet im Namen der ganzen Welt einen Appell für den Weltfrieden. Die Sowjets lenken ein, und die Welt konnte erneut aufatmen. Allen Christen sagte er: „Suchen wir das, was uns verbindet, und nicht das, was uns trennt“.
Der Papst wandte sich über Radio Vatikan an die westlichen Verbündeten und an die Sowjets und rief sie auf, den Frieden zu bewahren. Besonders bedeutsam waren seine Worte über seinen aufrichtigen Aufruf an die Regierenden der Welt, um während der Kubakrise im Oktober 1962 eine nukleare Katastrophe zu verhindern: „Friede und Brüderlichkeit unter den Menschen sind der Kirche wichtiger als alles andere. In diesem Zusammenhang haben wir an die schweren Pflichten jener erinnert, die die Verantwortung der Macht tragen. Heute erneuern wir diesen aufrichtigen Appell und wenden uns an die Staatsoberhäupter, dass sie gegenüber diesem Schrei der Menschheit nicht unempfindlich bleiben. Mögen sie alles tun, was in ihrer Macht steht, um den Frieden zu bewahren: So werden sie die Welt vor den Schrecken eines Krieges retten, dessen erschreckende Folgen niemand vorhersehen kann. Mögen sie mit voller Verantwortung den angstvollen Schrei hören, der aus allen Teilen der Erde, von den unschuldigen Kindern bis zu den Greisen, von Einzelnen und von Gemeinschaften, zum Himmel steigt: FRIEDE! FRIEDE! Wir wiederholen heute diesen feierlichen Schrei. Wir bitten alle, die regieren, gegenüber diesem Schrei der Menschheit nicht taub zu bleiben. Mögen sie alles unternehmen, was an ihnen liegt, um den Frieden zu retten. So werden sie die Welt von den Schrecken des Krieges befreien, deren furchtbare Folgen niemand vorhersehen kann. Setzt die Verhandlungen fort. Ja, diese ergebene und offene Haltung hat großen Wert als Zeugnis vor dem Gewissen eines jeden und vor der Geschichte. Verhandlungen zu fördern, zu ermutigen und anzunehmen, auf jeder Ebene und in jedem Augenblick, ist eine Norm der Weisheit und der Klugheit, die den Segen des Himmels und der Erde herbeiruft.“ Es war, als hätte er besonders den Christen bewusst machen wollen, was er selbst durchlebte und empfand und was er in seinem Tagebuch der Seele festhielt und aussprach: „Die ganze Welt ist meine Familie“.
Der sowjetische Führer Nikita Chruschtschow reagierte in der Prawda und lobte den Appell des Papstes: „Die Sorge, die der Papst um den Frieden zeigt…, sein Aufruf ist ein gutes Zeichen. Da es in unserer Zeit die zerstörerischsten Mittel zur Vernichtung des Menschengeschlechts gibt, ist es unzulässig, mit dem Schicksal der Völker zu spielen“. Nur wenige Wochen später sandte Chruschtschow dem Papst einen Glückwunsch zu seinem 80. Geburtstag. Die Krise wurde dank des Papstes beendet: „Heute empfinde ich etwas Rührendes, etwas, das mir die Seele aufhellt. Das Wort des Evangeliums ist nicht stumm. Es hallt von einem Ende der Welt zum anderen und findet den Weg zu den Herzen. Gefahren und Schmerzen, menschliche Klugheit und Weisheit, alles muss in einen einzigen Lobgesang der Liebe zusammenfließen…In der ganzen Welt gibt es ein wirksames Verlangen nach Aufbau und Erneuerung, damit über dem Menschen das himmlische Licht umso strahlender aufleuchte“.
Nur wenige Monate nach der Kubakrise veröffentlicht der Gute Papst am Gründonnerstag 1963 die Enzyklika Pacem in terris (Friede auf Erden), in der er sich an das ganze Menschengeschlecht wendet und angesichts der drohenden nuklearen Katastrophe für den Weltfrieden eintritt; er hebt hervor, dass der Aufbau des Friedens Sache aller ist – der Einzelnen wie der Völker - und zitiert die Worte seines Vorgängers Pius XII.: »Durch den Frieden verlieren wir nichts. Durch den Krieg können wir alles verlieren“. Interessant ist, dass die Enzyklika »Pacem in terris«, wenn auch nur in einigen Teilen, sogar in der damaligen UdSSR in der Zeitschrift »Za Rubezan« veröffentlicht wurde und dass sie die der Kirche sonst wenig zugeneigte Zeitung »New York Times« vollständig abdruckte. Nie später wurde in dieser Zeitung noch einmal eine katholische Enzyklika veröffentlicht.
Freilich hat diese Krise die Welt an die Möglichkeit einer weltweiten Vernichtung durch Atomwaffen erinnert, falls es an Dialog und gutem Willen auf beiden Seiten des sogenannten Eisernen Vorhangs fehlt. Die Missachtung des Menschen aus welchem Grund auch immer führt zu jeder Zeit in eine tiefe Krise der Kultur und der Zivilisation und auch des Sinns. Auch heute erinnern sich viele an die Worte des Papstes: „Das Leben ist eine Pilgerschaft. Wir sind für den Himmel geschaffen. Hier auf Erden halten wir eine kurze Zeit inne und setzen dann die Reise fort“. In dieser Enzyklika spricht Johannes XXIII. eine bis heute aktuelle Botschaft aus: »Die Gewalt hat nie etwas anderes getan, als niederzureißen, niemals aufzubauen; sie hat die Leidenschaften entfacht, statt sie zu besänftigen; sie hat Hass und Trümmer angehäuft, statt Verfeindete zu verbrüdern; sie hat Menschen und Parteien in die harte Notwendigkeit gestürzt, langsam, nach schmerzlichen Erfahrungen, auf den Ruinen neu zu bauen, die die Zwietracht hinterlassen hat.«
Die katholische Vision des Friedens besteht aus vier Faktoren: den Menschenrechten, der Entwicklung, der Solidarität und der Weltordnung. Dabei ist der Friede auf Erden aber nicht nur die Abwesenheit von Krieg, also das erfolgreiche Vermeiden eines Krieges, sondern die wahre Verwirklichung der Menschenwürde auf dem ganzen Planeten.
Er betont, dass das Fundament des Weltfriedens aus der Anerkennung von Rechten und Pflichten hervorgehen muss. Der Friede ist Aufgabe aller Menschen guten Willens, die an die Wahrheit, an die Gerechtigkeit, an die Liebe und an die Freiheit glauben – so lauten die Worte aus der letzten Enzyklika des heiligen Johannes XXIII., gerichtet an alle Menschen guten Willens in einem Augenblick, in dem es schien, die internationale Gemeinschaft gehe auf einen dritten Weltkrieg zu. Vier Hauptpunkte werden hervorgehoben, um die Menschheit auf den Weg des Friedens zu führen: die zentrale Stellung der Person, die in ihren Rechten unverletzlich ist, die aber auch Pflichten hat; das Gemeinwohl, nach dem zu streben und das überall zu verwirklichen ist; das sittliche Fundament der politischen Gemeinschaft sowie die Kraft der Vernunft und das Leuchtfeuer des Glaubens.
Konzentriert auf das Thema, keinen Krieg zu führen und Wege des Friedens zu bauen – dieser großen Sehnsucht der Menschen –, sieht die Enzyklika Licht in einer Zeit der Spannung und des Kalten Krieges. Die Botschaft ist stark: Der Friede bleibt bloßes Wort, wenn er nicht auf einer Ordnung gründet, die auf der Wahrheit beruht, nach der Gerechtigkeit aufgebaut, von der Liebe belebt und ergänzt und in Freiheit verwirklicht ist: „Die Wahrheit wird den Frieden aufbauen, wenn alle Einzelnen aufrichtig nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Pflichten gegenüber den anderen anerkennen. Die Gerechtigkeit wird den Frieden aufbauen, wenn wir alle in der Praxis die Rechte der anderen achten und wenn wir unsere Verpflichtungen ihnen gegenüber erfüllen. Die Liebe wird den Frieden aufbauen, wenn die Menschen die Nöte der anderen wie die eigenen empfinden und wenn sie das, was sie haben, mit den anderen teilen. Die Freiheit wird den Frieden aufbauen und ihn fruchtbar machen, wenn die Menschen bei der Wahl der Mittel zu diesem Ziel gemäß der Vernunft handeln und wenn sie die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen“.
Interessant ist, dass The New York Times die Enzyklika Pacem in terris vollständig veröffentlicht hat, was der erste Fall dieser Art war. In den USA begann im folgenden Jahr (1964) auch die Verleihung eines Preises mit dem Namen Pacem in terris-Preis für Frieden und Freiheit (Pacem in terris Peace and Freedom Award).
Am Anfang der Enzyklika spricht Johannes XXIII. eine entschiedene »schlagkräftige« Botschaft aus, die immer mehr im Widerspruch zur heutigen Mentalität steht: »Der Friede auf Erden, nach dem sich die Menschen aller Zeiten lebhaft gesehnt haben, kann offenkundig nur durch die gewissenhafte Beachtung der von Gott gesetzten Ordnung errichtet und gefestigt werden.« Der Standpunkt Papst Johannes XXIII. ist, dass der Friede auf Erden nur dann hergestellt werden kann, wenn es eine rechte Ordnung zwischen den Einzelnen, zwischen den Staaten und in ihnen sowie zwischen allen Menschen gibt. Diese Beziehungen müssen auf der Tatsache gründen, dass »jeder Mensch eine Person ist« und dass er als Person »Rechte und Pflichten hat, die unmittelbar und zugleich aus der menschlichen Natur hervorgehen. Wie wir über das Gemeinwohl der einzelnen Länder nicht urteilen können, so auch nicht über das Gemeinwohl aller Völker, wenn wir die menschliche Person nicht berücksichtigen.« Das Gemeinwohl, sagt Johannes XXIII., ist »das objektive Erkennen, Bewahren und Fördern aller Rechte der menschlichen Person«. Dabei darf jedoch die überaus wichtige Tatsache nicht vergessen werden, »dass sich das Gemeinwohl auf den ganzen Menschen bezieht, das heißt auf die Bedürfnisse seines Leibes und seines Geistes«.
In »Pacem in terris« führt Johannes XXIII. systematisch eine Reihe von Menschenrechten an und beschreibt sie. Zuallererst ist das das Recht auf Leben und damit verbunden das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard. Weiter sind die Rechte hinsichtlich der sittlichen und kulturellen Werte wichtig: »Der Mensch verlangt nach dem Naturrecht, dass man ihn achte, dass sein guter Ruf geschätzt werde, dass er frei die Wahrheit erforschen und, unter Achtung der sittlichen Ordnung und des allgemeinen Nutzens, seine Meinung äußern und verbreiten sowie jedwede Kunst pflegen dürfe; schließlich, dass er über die öffentlichen Ereignisse der Wahrheit gemäß unterrichtet werde.« Johannes XXIII. führt auch ein Recht im Bereich der Religion an: »Zu den Rechten des Menschen ist auch zu zählen, dass er Gott gemäß dem rechten Anspruch seines Gewissens verehren und seinen Glauben privat und öffentlich bekennen darf.« Besonders betont wird das Recht im Zusammenhang mit der Familie, »die auf der Ehe gründet« und die, was das Wichtigste ist, »als die erste und natürliche Keimzelle der menschlichen Gesellschaft zu betrachten ist«. Besonders werden in der Enzyklika die Rechte auf Arbeit und die daraus hervorgehenden Rechte betont: »Wir wollen nicht verschweigen, dass dem Arbeiter ein Lohn zusteht, der nach den Forderungen der Gerechtigkeit bemessen ist und der (…) eine der Würde des Menschen entsprechende Lebensweise ermöglichen muss.« Leider können in den entwickelten Industriestaaten heute Millionen Menschen, die gern arbeiten würden, keine Arbeit finden.
Besondere Aufmerksamkeit widmet Johannes XXIII. den Beziehungen zwischen den Völkern (Staaten), die »mit der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der tatkräftigen Solidarität und der Freiheit in Einklang stehen müssen«, beziehungsweise: »dasselbe Naturgesetz nämlich, das die Lebensweise der einzelnen Bürger lenkt, soll auch die gegenseitigen zwischenstaatlichen Beziehungen lenken«. Leider, so stellt Johannes XXIII. fest, gibt es das Bestreben, den Frieden in der Welt durch die Herstellung und Anhäufung von Waffen zu bewahren. Darum richtet er den Appell, dass das Wettrüsten aufhören müsse, »denn der wahre und feste Friede unter den Völkern besteht nicht im Gleichgewicht der Waffen, sondern im gegenseitigen Vertrauen«. Das verlangt, dass »an die Stelle des obersten Grundsatzes, auf dem der Friede heute beruht, ein ganz anderer gesetzt werde, der bestimmt, dass die Festigkeit des wahren Friedens unter den Völkern nicht in gleicher Waffenstärke liegt, sondern einzig im gegenseitigen Vertrauen«.
Der abschließende Gedanke der Enzyklika »Pacem in terris« lautet: »Die Ordnung aber, die in der menschlichen Gesellschaft gilt, ist ganz sittlicher Natur: Sie gründet nämlich auf der Wahrheit; sie ist gemäß den Forderungen der Gerechtigkeit zu verwirklichen; sie verlangt, dass die gegenseitige Liebe sie belebe und vollende, und schließlich ist sie, ohne die Freiheit zu verletzen, auf eine von Tag zu Tag menschlichere Gleichheit hin zu ordnen.« Doch »der Friede ist ein leeres Wort«, sagt Johannes XXIII., »wenn er nicht auf jener Ordnung beruht, die in ihren Grundzügen in dieser Enzyklika dargestellt ist«. Und dazu lassen sich nur die Worte Jesu hinzufügen: »Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden« (Mt 5, 9).
Später stellte sich heraus, dass dies eine Art Testament von ihm war. Immer häufiger waren Gerüchte zu hören, der Papst sei schwer krank (Magenkrebs) und werde nicht mehr lange leben. Auf dieses Gerede reagierte der Papst auf die nur ihm eigene Weise: „Mein Köfferchen ist gepackt. Ich bin bereit.“ Das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils erlebte er nicht mehr. Er starb am 3. Juni 1963. Er wurde in der Krypta der Peterskirche beigesetzt. Papst Johannes Paul II. sprach ihn im Jahr 2000 selig, und Papst Franziskus sprach ihn am 27. April 2014 zusammen mit Papst Johannes Paul II. heilig.
- Mladen Klanac
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