Wie lange darf die Stille (das Schweigen) in einem Gespräch dauern, bis sie uns unangenehm wird?
Der niederländische Psychologe Namkje Koudenburg sagt, es brauche nur vier Sekunden, und schon wird es unangenehm. Es ist die Zeit der Stille angebrochen, oder wenigstens die Zeit, in der wir mehr Möglichkeiten haben, in der Stille zu sein, bei uns selbst zu sein. Zum Teil hat uns das Coronavirus dazu gezwungen, indem es unsere sozialen Kontakte verringert und uns genötigt hat, lange Zeit zu Hause zu bleiben. Noch im vergangenen Monat schien das völlig unmöglich und darum schockierend – „die Aussicht auf eine unwirkliche Stille“, wie Giuseppe Marino sagt.
„O-Antiphonen“ oder Große Antiphonen ist die Bezeichnung für sieben Antiphonen, die zum Lobgesang des Evangeliums, dem Magnificat (Meine Seele preist), im Abendgebet der Vesper während des Advents gesungen oder gesprochen werden, und zwar in der Woche vor Weihnachten, vom 17. bis zum 23. Dezember, in der Zeit der unmittelbaren Vorbereitung auf Weihnachten. Sie bringen die Bewegung des Staunens vor dem Geheimnis der Menschwerdung in dem zum Ausdruck, der sie singt.
Die Antiphon vom 20. Dezember „O du wunderbarer Schlüssel Davids“ stellt die Taten Christi dar, seine Vollmacht, öffnen und schließen zu können und die Gefangenen aus der Finsternis zu befreien. Die Antiphon ruft das Kommen des Messias an als den Schlüssel, der öffnet, als den Knecht des Herrn in seiner unumschränkten Macht – zu öffnen oder zu schließen – und in der Rolle des Befreiers derer, die Gefangene der Finsternis sind.
„In meiner Jugend habe ich den "Gott der Hoffnung" kennengelernt. Jetzt, im Alter, kenne ich den "Gott der Geduld". Die Hoffnung bringt uns Erregung, die Geduld dagegen ist mühsam. Doch wenn wir in der Hoffnung an etwas Neues herantreten, so halten wir es allein in der Geduld auch fest. In der ausdauernden Geduld wird die Hoffnung bleibend“. Jürgen Moltmann
Die Griechen gebrauchen die Begriffe hypomonè (Warten) und paskein (Geduld); sie beziehen sich auf die Möglichkeit, dass ein Mensch innehält, weil etwas Wichtiges geschieht, dabei nachdenkt und sieht, wie es geschehen wird, bevor es wirklich geschieht. Das bedeutet ein lebenswichtiges Innehalten, weil etwas geschieht und es wichtig ist abzuwarten, dass es geschieht, bevor man handelt. Und schließlich noch ein weiterer bedeutungsreicher Ausdruck – makrothymìa (Langmut, Länge des Geistes), der es uns ermöglicht, in die Zukunft zu blicken. Geduldig ist, wessen Blick nach vorn gerichtet ist, wer auf die Zukunft schaut. Ciceroschrieb in seinem WerkPartitionesoratoriaeseinem Sohn: „Was den kommenden Widrigkeiten standhält, nennt man Tapferkeit; was ausdauert und bis ans Ende sieht, das nennt man Geduld".
O Sanftmut des Vaters, ergieße dich in die Seele des Sohnes…
In den kleinen Unterschieden verbirgt sich immer eine große Bedeutung. Manchmal ist dieser kleine Unterschied so unmerklich, dass allein der Heilige Geist uns seine Bedeutung enthüllen kann. Halten wir beim Unterschied zwischen Sanftmut und Nachgiebigkeit inne. Nachgiebig gegen sich selbst zu sein führt nach und nach in die Katastrophe. Barmherzig und sanftmütig gegen sich selbst zu sein führt dagegen zur geistlichen Reife. Wer grausam gegen sich selbst ist, ist unweigerlich noch grausamer gegen andere. Bemerkenswerterweise ist auch der, der gegen sich selbst nachgiebig ist, streng gegen andere. Bei der Sanftmut und der Barmherzigkeit ist es genau umgekehrt. Wer sanftmütig gegen sich selbst ist, ist noch sanfter gegen andere.
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden!
Weihnachten ist süß und wunderbar, aber es ruft uns auch nachdrücklich zur Umkehr. Zur Änderung der Gesinnung. Zur Selbstprüfung. Zur Entscheidung. Heute wird oft vom gestohlenen Weihnachtsfest gesprochen. Wer hat Weihnachten gestohlen? Und dieser Diebstahl an Weihnachten geschieht tatsächlich immer wieder. Doch gestohlen wird es nicht vom Rummel und von den Managern, sondern davon, dass wir Augen und Ohren vor dem Drama von Weihnachten verschließen. Die Dramatik von Weihnachten erreicht ihren Höhepunkt in dem Satz des Johannes (wir lesen ihn am Weihnachtstag selbst): Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden!
Die Angst vor dem Schmerz belastet mehr als der Schmerz selbst. Wir wissen jedoch, dass die Angst den Schmerz auch vertreibt. Den einen Schmerz werden wir durch einen anderen, größeren Schmerz los. Epikur vertrieb die Angst, vor allem jene grundlegende, größte Angst, die Angst aller Ängste, die Angst vor dem Tod, durch einen Gedankenschritt, nach dem wir und unser Tod einander niemals begegnen. Solange es uns gibt, sagte Epikur, gibt es den Tod nicht, und wenn er kommt, gibt es uns nicht mehr.
Nichts zieht unsere Aufmerksamkeit so mächtig auf sich wie der Schmerz. Der Schmerz vertieft, verschärft und verändert unser Verhältnis zur Welt. Wenn wir erkranken, ist unsere Welt nicht mehr dieselbe. Der Raum, in dem wir leben, wird enger und ändert seine Bedeutung. Der Schmerz nimmt uns den Raum der Lebensbewegung. Die Menschen, mit denen wir Arbeit und Leben geteilt haben, sind nicht mehr da. Es gibt keinen eingespielten Rhythmus von Arbeit, Erholung, Geselligkeit, Sport und Schlaf. Die Erfahrung des Schmerzes ist eine ganz neue Erfahrung der Welt, ein anderer Blick auf die Welt. Mit dem Auftreten des Schmerzes erscheint die Welt auf andere Weise. Der Schmerz verändert und verstärkt das Erleben der Welt und der Wirklichkeit. Das grundlegende gemeinsame Merkmal sehr verschiedener Leidenserfahrungen ist der Zwang, etwas Unangenehmes, Schmerzhaftes, Zerstörerisches auf sich zu nehmen.
Wir bringen einen Beitrag von Fra Ante Vučković, erschienen in der theologischen Zeitschrift Crkva u svijetu, und Teile eines Interviews in Glas koncila über den Schmerz, seine Bedeutung und seinen Sinn für unser Leben.
Den Ausdruck schöne neue Welt aus Shakespeares Drama Der Sturm nahm Huxley zum Titel seines futuristischen Romans, in dem er eine „vollkommene“ Menschheit darstellte, die weder Barmherzigkeit noch Liebe braucht. Es genügen vollkommene Technik und erfolgreiche Genetik.
Alles ist steril, zweckmäßig und hastig, das Leben ist angenehm, es gibt keine Krankheiten, keine Gefühle, keinen Schmerz, kein Leid und keinen Zwang. Unterhaltung und Konsumdenken blühen, alle Tätigkeiten sind kollektiv, und sexuelle Promiskuität ist erwünscht. Die Sexualität ist von Gefühl und Innigkeit getrennt, gemäß dem Leitsatz jeder gehört allen. Alle sind ständig beisammen, aber die Einzelnen sind gefühllos und vereinzelt, und darum gibt es keine wirkliche Gemeinschaft.
Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht
noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,
nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht,
nicht vor der Seuche, die wütet am Mittag (vor dem Mittagsdämon).
Ps 91, 5-6
Man wisse, dass es Sünde ist, nicht zu tun, nicht zu wissen, nicht zu sehen, was zu tun ist - kurz gesagt, keine Sorge zu tragen. Das ist die wörtliche Bedeutung des Wortes Akedia, die seit Jahrhunderten als Problem erkannt ist und die uns noch immer plagt.
Karl Menninger
Eine Generation, die keine Langeweile ertragen kann, wird eine Generation kleiner Menschen sein, von Menschen, die ungebührlich von den langsamen Vorgängen der Natur getrennt sind, von Menschen, in denen jeder Lebensimpuls langsam verwelkt, als wären sie welke Blumen in einer Vase.
Bertrand Russell
Es gibt einen geistlichen Zustand, der eine Reaktion auf unsere Verwundungen ist, Ursache und Folge unserer Sünden und Schwächen. Wir nennen ihn Akedia. In unsere Häuser und Familienbeziehungen, in unsere Kirchen und Sakristeien kann sich dieser geistliche Wurm einschleichen. Es gibt drei Arten der Akedia.