60 Jahre sind seit der Enzyklika von Johannes XXIII. »Pacem in Terris - Friede auf Erden« vergangen. Die Enzyklika ist nach wie vor hochaktuell, denn in einer Welt, in der zahlreiche Kriege geführt werden, wie dieser in der Ukraine, in der es Terrorismus gibt, das Auftreten von Viren, Probleme der Nahrung und des Wassers, das Wettrüsten und erneut die Drohung eines Atomkriegs sowie verschiedene andere negative gesellschaftliche Erscheinungen, ist gerade der Friede auf allen Ebenen bedroht - der allgemeine Friede auf Erden. Man erwartete, dass nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989, des Symbols der Teilung von West und Ost, eine neue Zeit des Friedens anbricht, gekennzeichnet von allgemeiner Sicherheit und ohne die Gefahr eines Atomkriegs. Doch gerade in diesen Tagen zeigt sich etwas ganz Gegenteiliges. Die Bedrohung wächst bis ins Unabsehbare, da die Atomwaffen und die reale Gefahr ihres Einsatzes erneut zu unserem Alltag geworden sind. Carl Gustav Jung hat das vor langer Zeit treffend beschrieben: »Man häuft nur das entsprechende Material (die Waffen) an, und unfehlbar wird das Teuflische im Menschen erstarken und mit ihm in den Krieg ziehen.«
„Es ist beinahe unmöglich zu denken, dass im Atomzeitalter der Krieg als Werkzeug der Gerechtigkeit gebraucht werden kann“, schrieb Johannes XXIII. und verwendete dabei den lateinischen Ausdruck „alienum est a ratione“ - über den Krieg als Lösung von Konflikten nachzudenken, sei „unvernünftig“. Er tritt ein für den Dialog zwischen Menschen, die sich ideologisch oder auf andere Weise unterscheiden, und für die Zusammenarbeit in gegenseitig nützlichen Unternehmungen »zwischen allen Menschen guten Willens«.
Lerne, Mitleid zu empfinden und, wenn schon keine Rechtfertigung, so doch eine Erklärung für das Handeln derer zu finden, die dich verletzt haben.
Und versetze dich immer an die Stelle dieser Menschen.
Der Hass zerfrisst dich nur.
Verlange von Gott nicht Gerechtigkeit, sondern erbitte Barmherzigkeit.
Anthony Bloom von Sourozh wurde 1914 in Lausanne geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Russland und in Persien, wo sein Vater dem russischen kaiserlichen diplomatischen Dienst angehörte. Während der russischen Revolution musste seine Familie Persien verlassen und ließ sich 1923 in Paris nieder, wo er an der Pariser Universität Physik, Chemie und Biologie studierte und in Medizin promovierte. Im Jahr 1939, vor seinem Aufbruch an die Front als Chirurg der französischen Armee, legte er heimlich die Mönchsgelübde ab. 1943 empfing er die Tonsur und erhielt den Namen Anthony. Während der deutschen Besetzung Frankreichs arbeitete er als Arzt und beteiligte sich an der französischen Widerstandsbewegung.
Wenn wir von Versöhnung sprechen, denken wir an eine neue Beziehung, an eine ganz neue Beziehung zwischen den verfeindeten Seiten oder zwischen einem Menschen, der zutiefst verletzt wurde, und dem, der ihn verletzt hat. Von Seiten dessen, der verletzt hat, bedeutet das, dass er seine Verantwortung anerkannt hat; von Seiten des Verletzten verlangt es Weite des Herzens, die Bereitschaft, das demütige Schuldbekenntnis eines Menschen anzunehmen, und ein offenes Gespräch, das nicht die Wiederherstellung des Früheren sucht, sondern das Entstehen einer neuen Beziehung. Der Herr sagt: „Seht, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5).
Wir sind berufen, Frieden zu bauen, indem wir eine Berufung wählen, die groß genug ist, um die ganze Menschheit zu umfassen: das Reich Gottes zu bauen, wozu das Friedenstiften gehört – Friede zwischen Mensch und Mensch, Friede in kleinen Gruppen, Friede in immer größeren Ganzheiten, vor allem aber Friede mit dem, was Gott geschaffen hat und worin wir leben. Dann werden wir ein gemeinsames Ziel haben, und in der Gemeinschaft dieses Zieles werden wir die Welt so machen, wie Gott sie gewollt hat, und dann werden wir uns auch miteinander versöhnen.