Hab Vertrauen zu mir, wie ich es zu dir habe
Es wundert uns ein wenig, dass das christliche Zadar keine einheimischen Heiligen hat, dass die Heiligen, die wir in unserer Stadt verehren, wie die hl. Anastasia, der hl. Chrysogonus und der greise Simeon, von auswärts hergebracht wurden. Als Seliger von der Kirche anerkannt ist einzig Jakob von Zadar, und auch er wurde in Italien berühmt und starb dort, in Bitetto bei Bari. Wir müssen also zugeben, dass wir in gewisser Weise arm sind, was die kirchlich verkündeten Heiligen betrifft. Doch wenn wir in der Ewigkeit sein werden, werden wir sehen, dass in der langen christlichen Geschichte Zadars eine Fülle heiliger Menschen gelebt hat, die uns Vorbilder und Fürsprecher sein können. Eine von ihnen ist Anđelika Salghetti-Drioli, geb. Isola, eine heilige Frau und Mutter, und ihr Ehemann Frane.
Ihr Bildnis ist im Chor, hinter dem Hauptaltar der Kirche des hl. Franziskus in Zadar, gemalt – ein monumentales Werk ihres Mannes Frane Salghetti-Drioli, akademischer Maler und Besitzer einer Likörfabrik, der Vorläuferin der heutigen „Maraska“. Die Salghettis kamen im 18. Jh. nach Zadar, und Anđelika wurde in Novi bei Genua geboren.
Sie starb im Kindbett am 20. September 1853 und wurde in Preko auf der Insel Ugljan bestattet. Seine künftige Frau lernte Frane über ihren Vater Andrija Isola kennen, der sich ebenfalls mit der Malerei beschäftigte. Wir wollen hier nicht auf Einzelheiten ihres Lebens eingehen, sondern nur kurz ihr Bild zeichnen, das zutiefst vom christlichen Geist durchdrungen ist. Dazu werden uns die Briefe dienen, die sie in der Zeit ihrer Verlobung mit ihrem künftigen Mann wechselte. Diese Briefe sind zum Glück erhalten und im Druck erschienen. Hier einige Auszüge daraus.
Anđelika als Braut
Als Zeichen der Aufmerksamkeit schickte ihr der junge Frane ein Buch zum Geschenk, obwohl sie einander noch nicht einmal gesehen hatten, was sie bestens zu deuten wusste. „Aber als ich dich zum ersten Mal sah, deine Gesten, deine Person, den Ernst, der dir vom Gesicht abzulesen war, da hast du einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, und ich habe mein Urteil geändert“ - wird sie später in einem Brief schreiben. Es war Liebe auf den ersten Blick, die bis zum Ende ihres Lebens nicht erlöschen sollte. Wie jedes Mädchen war sie neugierig zu hören, welchen Eindruck sie auf ihren jungen Mann gemacht hatte, als er sie zum ersten Mal sah. „Sag mir, bist du zufrieden, hast du es bereut, nach Genua gekommen zu sein, hast du mich weniger wertvoll gefunden, als du gedacht hattest? ... Wenn du an mir irgendeine Regung entdeckt hast, die dir nicht gefällt, sag es mir frei heraus... Als der Tag unseres Abschieds näher rückte, habe ich gespürt, wie sehr ich dich liebe.“ Zwischen den jungen Verlobten entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel, in dem sie ihr Inneres offenbarten und ihre Liebe vertieften.
Anđelika hatte sechs Brüder, von denen einer erst acht Monate alt war, und sie war die älteste und das einzige Mädchen. Sie wurde am 30. Oktober 1817 in Novi bei Genua geboren. Ihr Vater diente in Napoleons Armee, und einer ihrer Brüder, Ulisse, wurde später Admiral der sardischen Marine. In einem Brief aus dem Jahr 1841 erwähnt sie ihrem Frane gegenüber die Ratschläge, die ihre Mutter ihr vor dem Tod gegeben hatte. Sie hatten sich ihr tief ins Herz eingegraben, und so trägt sie sie ihrem Verlobten vor. Aus ihnen wird deutlich, dass die Familie zutiefst religiös war. Die Mutter legt ihr den Vetter Adriano ans Herz und bittet sie, Geduld mit dem Vater zu haben, wenn er nicht gerade rücksichtsvoll zu ihr ist. „Meine liebe Anđelika, ich bin so traurig, dass ich dich jung zurücklasse, aber fügen wir uns den Plänen Gottes...Vergiss niemals deine Pflichten gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten und gegenüber dir selbst. Lass nicht zu, dass die falschen und nichtigen Worte, mit denen die Menschen dich überschütten, die religiösen Empfindungen aus deinem Herzen tilgen; dann wirst du im Unglück, in der Schwachheit und in der Stunde des Todes großen Trost finden. Lehne dich niemals gegen den Himmel auf. Wisse: auch wenn uns Sterblichen die höchsten Pläne Gottes unbegreiflich sind, so gründen sie doch stets in der Gerechtigkeit und im Erbarmen. Meine liebe Anđelika, ich muss auch von dem sprechen, wovon du lange Zeit nichts zu wissen brauchtest. Wenn du eines Tages in der Lage sein solltest, einen Bräutigam zu wählen, sei recht gewissenhaft. Eine besonnene und gut erzogene Frau muss die Fallen meiden, die einem jungen Mädchen wegen seiner Unerfahrenheit gestellt werden, und verachte die Sprache der Schmeichelei.“
Als ihre Mutter bald darauf starb und sie sich auf die Heirat vorbereitete, unternahm ihr Vater einen für uns unbegreiflichen Schritt: er schickte sie für einige Zeit in ein Kloster in Genua, freilich nicht, damit sie Ordensfrau werde, sondern damit sie gut über ihre Zukunft nachdenke und die häuslichen Arbeiten einer Frau erlerne, was zu jener Zeit keine Seltenheit war. Über ihren Aufenthalt im Kloster schreibt sie dem Verlobten: „Könntest du für einen Augenblick in dieses heilige Nest eindringen, um mit eigenen Augen zu sehen, was ich niemals glauben könnte, wenn es mir jemand erzählte. Hier genießt man den wahren Frieden der Seele und des Leibes. Mir scheint, ich sei in jene große Familie der Patriarchen aus der Heiligen Schrift übersiedelt, in der man das Böse nicht kannte, sondern nur das Gute. Alle Schwestern freuen sich in jener engelhaften Freude, alle lieben einander wie liebe Schwestern. Sie üben alle Tugenden, und ich versichere dir, dass die Zeit, die ich in diesem Nest des Friedens verbracht habe, unserer Zukunft von Nutzen sein wird. Mit verschiedenen Arbeiten und mit dem Gebet beschäftigt, wundere ich mich nur, wie rasch mir die Stunden und Tage vergehen.“
Im Briefwechsel der jungen Verlobten offenbart sich ein reifer Ernst und eine Aufrichtigkeit, wie wir sie bei der heutigen Jugend nicht antreffen. „Mein lieber Keko (Checco) - so nannte sie ihn zärtlich - hab Vertrauen zu mir, wie ich es zu dir habe. Nur für dich lebt deine Anđelika“. Eine Tante schrieb über sie an ihren Vater: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass Gott sie mit einem guten Mann glücklich machen wird, denn ich kenne kein Mädchen, das es mehr verdient hätte...“.
„Es tut mir leid, wird sie bescheiden ihrem Frane schreiben, dass meine Tante eine so hohe Meinung von mir hat. Von Herzen wünschte ich, auch nur die geringste ihrer Tugenden zu besitzen, um dich umso glücklicher zu machen... Du zweifelst an mir und fragst, ob ich dich wirklich liebe? Deine Liebe und die Tatsache, dass du meinetwegen leidest, ist 1000 Mal mehr wert, als ich für dich tun kann... Wenn du Sorgen hast, lade sie auf meine Schultern. Ich bin bedeutend stärker als du und daran gewöhnt, mehr zu leiden. Von klein auf bin ich an Schmerz und an Not gewöhnt.“
Als Frane ihr von verschiedenen Schwierigkeiten schrieb, antwortet sie ihm mit den Worten: „Bedenke, dass Gott das alles zu unserem größeren Glück zugelassen hat. Ich hoffe, dass du in den schwersten Lebensschwierigkeiten in mir allen Halt und Trost finden wirst, den ein Sterblicher schenken kann... Vertrau auf Gott... Übergib alles Gott, und du wirst großen Trost finden. In dem Maß, in dem Gott uns Kreuze schickt, gibt er dem, der auf ihn vertraut, auch die Kraft, sie würdig zu tragen...Selig, die erniedrigt werden, denn sie werden in Gottes Augen erhöht werden.“
Der angesehene Tommaseo, ein Freund der Salghettis, hat aus erster Hand und aus den Briefen der jungen Verlobten das große und fromme Herz Anđelikas entdeckt. Er schreibt: „Die Muttergottes nennt sie die gemeinsame und liebenswürdige Mutter, die uns unermesslich liebt“. Und sie selbst schreibt ihrem Liebsten: „Ich versichere dir, dass ich zu Ihr volles Vertrauen habe, und wäre das nicht so, wäre ich unglücklich... Sie beschützt uns sichtbar, das sage ich dir der Wahrheit gemäß, und dafür habe ich die Bestätigung“.
Die junge Anđelika fürchtete die Schwierigkeiten des Lebens nicht und nahm alles aus Gottes Händen an. „In dieser Welt fehlt es uns nicht an Mühen, aber ich bin auf alle Nöte gefasst“. Als sie ein wenig erkrankte, schreibt sie: „Es tut mir gut, ein wenig krank zu sein. Das ist mir eine Gelegenheit, über die Vergangenheit und die Gegenwart nachzudenken, und außerdem stärke ich mich dadurch geistlich“... „Der Seemann erweist sich erst im Sturm. Alle können segeln, wenn das Meer ruhig ist und der Wind von achtern weht; in den Stürmen dagegen, und wenn man das Steuer Dem überlässt, der alles lenkt, und nach Seinem Willen fährt, kommen jene in den Hafen – und solcher gibt es wenige“.
Der junge Maler Frane hat seine Verlobte wahrhaft liebgewonnen und schreibt ihr: „Meine liebe Anđelika, jeden Tag überzeuge ich mich mehr davon, dass du wahrhaftig zu lieben verstehst... Ich sehe, dass Gott allzu gut zu mir gewesen ist, indem er mir jene gab, die ich mir immer gewünscht habe... Ich habe Gott gebeten, er möge dich mir schenken, und er hat mich erhört... Ich vertraue auf Gott, von dem ich unverdient so große Wohltat empfangen und nicht wenig Schmerz verdient habe, und ich hoffe, dass unsere Vereinigung bald gesegnet sein wird.“
Doch am Horizont ihrer Liebe zogen einige Wolken auf. Franes Mutter war über diese Verbindung ihres Sohnes nicht glücklich, denn sie hatte einen anderen Plan für ihn: zuerst sollte er Geschäftsmann werden, und nun wünschte sie sich, er möge Priester werden, damit sie an seiner Seite ein gesichertes Alter hätte. Anđelika erfuhr davon und schrieb deshalb am 19. September 1841 zwei Briefe, einen an Franes Mutter und einen an ihren Verlobten. „Liebe Mama, seit acht Jahren begleiten mich allerlei Nöte, zuerst der Verlust meiner guten und lieben Mutter, und darum braucht mein Herz Zuwendung, und ich habe mich danach gesehnt, sie bei Ihnen zu finden. Seien Sie gewiss, meine liebe Mama, dass ich Sie liebe und achte und dass ich mein Leben für Ihr Glück hingeben würde, wie auch für das Glück meines lieben Keko, Ihres geliebten Sohnes. Hier ist der Beweis dafür... Hören Sie, meine liebe Mutter, was ich Ihnen sagen werde: 'Wenn Sie meinen, ich sei ein Hindernis für das Glück Ihres Sohnes, so werde ich mich zu opfern wissen; mehr noch: damit Sie ruhig sind, werde ich das Ordenskleid anlegen, damit Sie für Ihre Zukunft gesichert sind, und wenn ich das alles überlebe, werde ich den Rest meines Lebens dem Gebet für Ihr Glück und für das Glück Ihres lieben Sohnes weihen, den ich liebe und immer lieben werde, in der festen Hoffnung, dass ich mich mit ihm wie eine Schwester mit dem Bruder in jener Heimat wiederfinden werde, wo uns keinerlei Interessen mehr trennen können“.
Und ihrem Frane schreibt sie: „Wenn ich ein Hindernis für dein Glück bin, so ist hier die Gelegenheit, dir meine Empfindungen zu offenbaren. Wenn dein Glück das Opfer meiner selbst verlangt, dazu bin ich völlig bereit... Der Himmel gebe dir eine bessere Gefährtin. Und was mich betrifft: wenn Gott mich noch leben lässt, so wäre es mein Wunsch, als Buße für meine Sünden das Ordenskleid anzulegen, damit deine Mama beruhigt ist. Das ist noch wenig im Vergleich zu dem, was du für mich getan hast, und wenn ich noch etwas mehr tun kann, sag es mir... Ich rate dir, dich nicht zu beunruhigen, denn damit schadest du dir selbst. Jesus hat sein Kreuz auf seinen Schultern getragen und ist dreimal gefallen. Der Cyrenäer half ihm, es zu tragen. Auch wir müssen unser Kreuz tragen, und das ist ein Zeichen, dass Gott uns liebt, und tragen helfen wird es uns nicht der Cyrenäer, sondern Jesus Christus selbst.“
Anđelika und Frane - christliche Eheleute
Anđelikas Vater Andrija zögerte ihre Hochzeit wegen der Armut hinaus, in der sie lebten. Schließlich wurde der 7. November 1841 in Genua als Termin festgesetzt.
Der junge und wohlhabende Frane Salghetti-Drioli, der die Armut der Familie Isola kannte, wollte seiner Verlobten ein festliches Brautkleid schenken, wogegen sie sich sträubte: „Ich bin dir unendlich dankbar für das Geschenk, das du mir machen wolltest, aber ich hoffe, dass ich dir ebenso lieb sein werde, wenn ich einfach gekleidet bin... Die einzige Freude, die ich mir wünsche, bist du, der du so vieles ertragen hast und meinetwegen erträgst. Das Einzige, worum ich dich bitte und was ich von dir verlange, wenn du mich liebst, ist, dass du für mich keinerlei Ausgaben machst... Der Vater wird mir das Notwendige geben, und ich werde zufrieden sein.“
Und wie bescheiden und arm sie war, dafür möge auch diese Einzelheit als Bild dienen. In der Nähe ihres Hauses lebte eine alte Frau, allein und krank. Um sie kümmerte sich Anđelika, so gut sie konnte, denn ihre Mutter hatte sie ihr ans Herz gelegt. Sie wusch sie, wechselte ihre Wäsche und brachte ihr das Essen. Und gerade kurz bevor sie Genua verließ, lag die alte Frau im Sterben, und nun wollte sie sie auf die Sterbesakramente vorbereiten. Die alte Frau hatte kein anständiges Hemd mehr, in dem sie den Priester hätte empfangen können, und so gab ihr Anđelika ihr eigenes – von den nur zwei, die sie noch besaß; kaum zu glauben.
Schließlich schließt das junge Paar in der Kapelle des hl. Philipp bei den Philippiner-Patres die christliche Ehe und besiegelt so seine Liebe. „Obwohl es in dieser Herbstzeit gewöhnlich trüb und wolkig ist, schien an den Küsten und Hügeln Genuas die Sonne wie im Mai...und selbst die Natur freute sich mit ihnen“ (Tommaseo). Genauso fühlten sich auch die jungen Brautleute.
Schließlich reisen Frane und Anđelika, voll innerer Zufriedenheit, aus Genua über Triest ab und gelangen mit dem Schiff nach Zadar. Frane war ein angesehener Zadarer und pflegte weiterhin den Umgang mit den geachteten Menschen der Stadt und der Provinz. Er musste auch gegen seinen Willen die Sorge für die Fabrik und für seine Familie übernehmen, die allmählich zu wachsen begann. Mit seinen Geschäften beschäftigt, konnte er sich immer weniger der Malerei widmen.
Anđelikas fürsorglicher Vater wird sich bald mit einem Brief an sie wenden, aus dem hervorgeht, dass auch er ein wahrer Christ war; er schreibt ihr: „Bleibe immer beharrlich in jenen Grundsätzen, die Gott in dein Herz gelegt hat wie in ein Erdreich, das für neue Geschlechter fruchtbar sein soll. Lass dich von keiner Schwierigkeit des Lebens erschüttern. Gott, der Mann und dein Haus mögen dir vor Augen stehen, und sei gewiss, dass du in der Ewigkeit gesegnet sein wirst“. Anđelika war eine stille und unaufdringliche Frau und ging selten und ungern, wenn ihr Mann sie darum bat, zu Festen oder in die vornehme Gesellschaft, der die Familie ja angehörte. „ Nie ließ sie sich von der Mode verführen noch vom Wunsch, zum Tanz, zu Empfängen oder ins Theater zu gehen“ (Tommaseo)
Ihr Vater erfährt, dass bei den Salghettis allmählich Nachwuchs erwartet wird. Endlich wurde ein Mädchen geboren, das sie auf den Namen Luigina (Luiđina) taufen ließen. Doch das Kind war schwächlich, und so bangte man um sein Leben. Der alte Andrija schreibt und tröstet seine Tochter Anđelika: „Seid immer beharrlich darin, euch dem Willen Gottes zu unterwerfen, auch wenn er euch Mädchen schickt... Vielleicht will er euch vor mancher bitteren Unannehmlichkeit bewahren... Ihr braucht nicht traurig zu sein, wenn Gott euch der zarten Luiđina berauben will...Liebe Anđelika, wenn Gott eine Frucht deiner Mutterschaft zu sich nehmen will, so wird er ihr anvertrauen, (als Engel) über den Rest deiner Familie zu wachen. Du weißt, welche Züge der göttlichen Vorsehung meine Familie geleitet haben, um sie in so vielen Schwierigkeiten zu retten. Schulde ich das nicht den Seelen, die mir im Himmel gehören?..Wenn also irgendeine Not kommen sollte, wie traurig sie auch sei, sei eine starke und keine schwache Frau. “
Luiđina starb nach einigen Monaten. Das ist auf dem Bild jenes kleinste Mädchen, das mit den beiden anderen Schwesterchen seiner Mama entgegenkommt, die ein Engel in den Himmel führt. Frane meldet seinem Schwiegervater die traurige Nachricht, und dieser tröstet seine Tochter Anđelika: „Ich bin sehr traurig, denn ich weiß, wie schwer das einem Vater und einer Mutter fällt. Doch wenn man die flüchtigen Freuden und Mühen dieser Erde mit den Gütern Gottes und dem heiligen Glauben vergleicht und mit dem, was uns das ewige Leben sichert, ach, meine Anđelika, dann juble vor Freude und danke Gott von Herzen, dass du gewürdigt wurdest, dieses Opfer anzunehmen... Wer weiß, ob dieser selige Engel, wenn er im Himmel erscheint, nicht für dich, für uns unzählige Gnaden erwirken wird. Darum bitte und rate ich dir, ja ich trage es dir auf, dass du dich mit mir im Herzen über einen so großen Schatz freust, den du nun im Himmel besitzt.“ Der Vater sieht aus Franes Brief, dass auch er „als guter christlicher Denker den Willen Gottes bezüglich der seligen Luiđina annimmt“. Anđelika hat dieses wie auch die folgenden ähnlichen Opfer tapfer und christlich angenommen; sie lehnte sich nicht gegen Gott auf.
„Gott liebte sie über alles, an Ihn glaubte sie fest und auf Ihn vertraute sie sehr. So viel Bedeutung maß sie dem Gebet bei, dass sie ihren Mann bat, ihr eine Hauskapelle einzurichten, wo sie fern von allen ihre Gebete ausgießen und sich in Fülle Gott hingeben könnte, um für sich und die Familie die nötigen Gnaden zu erbitten“ (N. Tommaseo). Dort fand sie jene wahre Kraft, die sie brauchte, um für das Leben offen zu sein und zahlreiche Kinder gebären und großziehen zu können. Das bestätigt auch die Tatsache, dass sie in den zwölf Jahren ihrer Ehe neun Kinder geboren hat. Und dass sie schon so viele Tränen vergießen musste, zeigt die Tatsache, dass sie nach Luiđina noch zwei bereits herangewachsene Mädchen verlor. Mit dem vierten Kind, das bei der Geburt starb, wird auch sie selbst in den Himmel gehen. Sie hinterließ fünf lebende Kinder, zwei Jungen und drei Mädchen. Anđelika lebte nicht in den Wolken; sie hatte die Zerbrechlichkeit des Lebens erfahren und wusste, dass das menschliche Leben eine Reise zur Ewigkeit ist. Sie hatte das Leid in schweren Geburten erfahren, sie hatte dem Tod in die Augen geschaut und lebte sich deshalb schon in seine Wirklichkeit ein.
Auf dem Weg nach Kalvaria
Wirklichkeitsfremd hielt sie für ihre Kinder den Vater für wichtiger als sich selbst und „wünschte sich glühend, vor ihrem Mann zu sterben“. „Hör, mein Keko, wenn es wahr ist, dass ich dir lieb bin, dann sage niemals, dass ich dich überleben soll, denn das kann nicht sein. Jeden Tag erbitte ich so inständig von Gott diese Gnade, und ich zweifle nicht, dass er sie mir gewähren wird: dass er dir viele Jahre schenke und dass ich vor dir sterben darf“. Sie dachte an die materielle Sicherheit der Familie und nicht an das Bedürfnis der Kinder, dass die Liebe der Mutter sie wärme und ihre Güte sie erziehe. Und obwohl sie sechs Jahre jünger war als ihr Mann, hat Gott sie tatsächlich erhört.
Einige Töchter waren bereits so erwachsen, dass sie im Fall ihres Todes die Rolle der Mutter und der Hausherrin hätten übernehmen können. Bald wird das, wenn auch unerwartet, geschehen. Sie trug das neunte Kind unter dem Herzen, und die Zeit der Geburt kam. Wir wissen nicht, ob es in ihrem Haus oder im Krankenhaus war; jedenfalls kam es bei der Geburt zu Komplikationen, sodass sie bei der Geburt des letzten Kindes, eines Mädchens, ihr eigenes und dessen Leben verlor. Anđelika ging mit ihrem Töchterchen ihrem Herrn entgegen, den sie so sehr geliebt hatte. Sie war schlicht reif geworden für die Ewigkeit. Hier hat sich das Wort Gottes aus dem Buch der Weisheit erfüllt: „Der Gerechte findet Ruhe, auch wenn er früh stirbt. Denn nicht die Länge der Zeit macht das Alter ehrwürdig, es wird nicht nach der Zahl der Jahre bemessen, sondern nach der Einsicht und der Tugend des Lebens... Weil er Gott gefiel, den Gott liebgewann... hat er ihn zu sich genommen... Früh vollendet, hat er doch lange Jahre erfüllt; und weil seine Seele Gott lieb war, hat er sie rasch entrückt.“ (Weish 4, 7-14)
Wir können uns vorstellen, in welcher Trauer sich ihr Mann wiederfand, der weder für die Hausarbeit noch für die Erziehung der Kinder eine Neigung hatte. In einem Dokument wird er seine Schmerzensgefühle ausdrücken: „Mit dir, deren Umgangs ich nicht würdig war, habe ich den sichtbaren Engel meines Lebens verloren. Ohne dich ist alles, was mich umgibt, stumm für mein Herz, das an den Einklang gewöhnt war, den Gott mit reiner Schönheit in deine Person hineingebaut und in deinem Herzen als unaussprechliche Sanftmut und als Gabe, christlich zu leiden und zu lieben, eingehaucht hat. Für mich und für unsere Kinder warst du das lebendige Bild der größten Güte. Ganz deinen Lieben zugewandt, warst du mir Trost in der Traurigkeit, Beruhigung in meiner Ungestümheit, immer eine weise Ratgeberin. Dein Glück fandest du in der Sorge, die du mir, den Kindern und den Armen erwiesen hast, froh in der Stille deines Hauses, in der Würde des Geistes und nicht in den eitlen Vergnügungen der Welt.“
Der Tod dieser heiligen Frau des bekannten Künstlers hat viele ihrer Freunde und angesehene Persönlichkeiten überrascht, und so trafen von überall her Beileidsbekundungen ein, schriftlich, mündlich und in Versen. Da die Salghettis in Preko auf Ugljan ein Landhaus mit Grundbesitz hatten, wo die Familie besonders im Sommer Tage der Ruhe und Entspannung verbrachte, entschied Herr Frane, dass Anđelika auch auf dem dortigen Friedhof, unweit ihres Hauses, bestattet werde. An der Riva von Zadar fand eine großartige Verabschiedung der Verstorbenen zum Schiff statt, und eine Menge von Gottes Volk begleitete sie zu ihrer irdischen Ruhestätte. Das Begräbnis leitete unter einer großen Menschenmenge ihr Hausfreund, Professor an der Theologischen Lehranstalt in Zadar, Mons. Marko Kalogjera (1018 – 1888), später Bischof von Split (1866-1888). Auf ihrem Grab steht eine Inschrift auf Italienisch, die wir übersetzen:
HIER RUHEN DIE ÜBERRESTE DER SCHÖNEN UND SCHAMHAFTEN
A N Đ E L I K A I S O L A
GEBOREN IN NOVI (bei Genua) 1817.
VERMÄHLT MIT FRANE SALGHETTI – DRIOLI
DER SIE DANACH 12 JAHRE LANG BESASS UND
BEGLÜCKT DURCH KINDER * GESTÜTZT AUF IHRE
RATSCHLÄGE * ERBAUT DURCH IHRE TUGENDEN
UND SELIG IN DER LIEBE.
UNERWARTET VERLIESS SIE DIESE ERDE AM 22. SEPTEMBER 1853.
BEWEINT VON ALLEN * WAHRHAFT ENGELGLEICHE SEELE
FÜHRE VON OBEN WEITER DEINEN UNGLÜCKLICHEN GATTEN
DER SICH ERST DANN TRÖSTEN WIRD, WENN SICH DEIN LEIB AUS DIESEM SARG MIT DEINER SEELE IM HIMMEL VEREINT
Das monumentale Gemälde
Wie sehr Frane Salghetti-Drioli seine Anđelika schätzte, sagt nicht nur das schöne Grabmal; ihm kam bald auch der Gedanke, sie, der akademische Maler, mit seinem Pinsel zu verewigen. Auf der Suche nach dem Ort, der sich dafür am besten eignete, blieb er im Chor der Kirche des heiligen Franziskus in Zadar stehen. Dort gab es eine leere Fläche in einem gotischen Rahmen, auf der Frane zuerst im Herzen und in der Vorstellung und dann in der Wirklichkeit eine große Komposition schuf, auf der er den Tod und die Aufnahme seiner Frau in den Himmel darstellte. Während sie mit dem Töchterchen auf der Bahre liegt, beweint der Maler mit fünf Kindern seine Frau und Mutter. Die verklärte Anđelika mit dem Töchterchen im Arm hebt ein Engel zum Himmel empor, wo sie mit ausgebreiteten Armen die Muttergottes erwartet, die sie so sehr verehrt hat. Ihnen entgegen kommen ihre drei Engel, die zuvor verstorbenen Töchterchen, damit alle gemeinsam in die himmlische Herrlichkeit eingehen.
Man kann sich fragen, ob dieses Bild, das ein gar nicht so seltenes menschliches Schicksal darstellt, seinen Platz im sakralen Raum der Kirche hat. Diese Frage wurde auch gestellt, als das Bild geplant wurde. Die kirchlichen wie auch die zivilen Behörden gaben, nachdem sie den Entwurf des Bildes gesehen und erfahren hatten, um was für eine Frau es sich handelte, schriftlich ihre Genehmigung zur Ausführung. Die Verwirklichung des Bildes vom Entwurf bis zur endgültigen Ausführung dauerte ziemlich lange, von 1854 bis 1861, denn der Maler wollte sein Bestes geben, um seine heilige Frau und Mutter zahlreicher Kinder zu ehren.
Unter dem Bild steht eine Inschrift auf Latein, die in der Übersetzung lautet:
„Der Anđelika Isola, der allersüßesten Gattin, wollte mit diesem Denkmal seiner Kunst und seines Unglücks der Nachwelt ein Andenken hinterlassen ihr Ehemann FRANE SALGHETTI- DRIOLI, der in Trauer und Tränen plötzlich mit den Kindern zurückblieb am 20. September 1853. Sie lebte 35 Jahre. Sie war Trost und Freude des väterlichen und des ehelichen Hauses, ein Vorbild an Frömmigkeit, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit; sie verdient es, dass alle ihr in der Liebe nachfolgen.“
Anđelika ist wahrhaftig eine wunderschöne Blume im Heiligengarten von Zadar.
Eine ausführlichere Lebensbeschreibung dieser heiligen Frau finden Sie im Buch 'Zadarski sveci' (Die Heiligen von Zadar, Verlag „Benedikta“) des Verfassers dieser Darstellung, Fra Stanko Josip Škunca
- Mladen Klanac
- Zugriffe: 52






