Die eheliche Vereinigung - eine wahre Liturgie der Liebe
Wir veröffentlichen die Geschichte des Ehepaares Ciro Piccolo und Raffaella Esposito Corcione, die gemeinsam ein Handbuch für junge Paare zum Thema des Werbens verfasst haben (Il Manuale del corteggiamento). Sie bezeugen uns die Schönheit und die Tiefe ihrer Beziehung und wie der Gebrauch der natürlichen Methoden eine große Hilfe in der Ehe sein kann. Das ist ein Wissen, das jede Frau und jeder Mann besitzen sollte! Janet Smith sagt: “Die Tatsache, dass sich Paare, die die natürliche Familienplanung anwenden, fast nie scheiden lassen. Das sagt viel aus. Die natürliche Familienplanung ist viel mehr als Enthaltsamkeit. Sie ist eine Methode, die viel Gespräch und gemeinsame Werte verlangt”.
Eine Frau ist nur wenige Tage im Monat fruchtbar. Der Leib der Frau gibt deutliche Zeichen, wann sie fruchtbar ist. Natürliche Familienplanung bezeichnet die Methode, diese Zeichen zu beobachten und aufzuzeichnen. Eine solche Lebensweise bringt viele Vorzüge mit sich, ist aber zugleich anspruchsvoll, weil sie den zeitweisen Verzicht auf den ehelichen Akt einschließt. Das sollte keine unüberwindliche Schwierigkeit sein, denn ein Ehepaar begegnet auch anderen Gründen für den geschlechtlichen Verzicht, etwa nach der Geburt, im Fall von Krankheit oder bei zeitweiliger Trennung der Eheleute. Dazu kommt, häufiger bei den Frauen, die Angst vor einer Schwangerschaft, die unbegründet und ausschließlich seelischer Art ist, weil die Frau insgeheim empfindet, sie sei durch nichts geschützt. Damit die natürliche Familienplanung gelingt, braucht es die Mitwirkung beider Eheleute, ein Klima der Liebe und der Offenheit für das Leben. Die Methode ist in allen Zeiten und Umständen des fruchtbaren Lebens einer Frau anwendbar: bei regelmäßigen und unregelmäßigen Zyklen, beim Stillen, in der Zeit vor den Wechseljahren, bei Stress, nach dem Absetzen der Pille usw.
Nach vierzehn Jahren Ehe glauben wir fest, dass Sexualität und Liebe ein Weg sind, den wir langsam gehen müssen und der Willen, Geduld und Freiheit verlangt. Wir meinen, es ist ein Bau, den wir Tag für Tag errichten, Ziegel um Ziegel.
Wir haben begriffen, dass die natürlichen Methoden die GRAMMATIK der Sexualität sind: Wenn wir die Grammatik einer Sprache lernen, lernen wir, uns mitzuteilen, dem anderen, der nicht in unserer Haut steckt, das auszudrücken, was in uns ist. In diesen Jahren haben wir erfahren, dass wir uns im gegenseitigen Gespräch einander öffnen und, indem wir einander annehmen, einander offenbaren, wer wir wirklich sind.
Wenn das für jede Art von Mitteilung gilt, die immer auf irgendeine Weise ein Teilen dessen ist, was wir haben, was geschieht dann erst, wenn das Thema des Gesprächs die Liebe ist und das Organ, mit dem gesprochen wird, die Sexualität, die den ganzen Menschen in sich zusammenfasst und das offenbart, was in ihm am verborgensten und innerlichsten ist?
Bevor wir einander kennenlernten, konnte ich, sagt Raffaella, dank eines Kurses, den mir eine Gruppe von Missionaren anbot, schon von früher Jugend an die Schönheit dieser Methode kennen und schätzen lernen, und durch sie habe ich auch mich selbst besser kennengelernt.
Schon als junges Mädchen vertiefte ich mit der Zeit mein Wissen über die natürlichen Methoden und begann, diese Lebensweise zu leben mit dem Wunsch, mich auf meinen Mann und auf die Ehe vorzubereiten, wozu ich mich berufen fühlte. Das half mir zu verstehen, was ich dem Mann meines Lebens sagen muss, wer ich bin, damit er mich besser verstehen und annehmen kann.
Ciro dagegen kannte als Jugendlicher und junger Mann diese Wirklichkeit nicht, die ihm geholfen hätte, sich dieser Erkenntnis zu öffnen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Zu Hause sprach man nie über dieses Thema, und sein Wissen über die „Sexualität” bildete sich in Gesprächen mit Gleichaltrigen und aus dem, was er beim Fernsehen oder in der Schule verstehen konnte. Er sagt daher: „Meine Bildung lässt sich, wie die vieler anderer, ungefähr so umschreiben: „Ich hoffe, ich werde mich darin schon irgendwie zurechtfinden”.
Als Verlobte wählten wir gemeinsam den Wert der Keuschheit als Zeit der Vorbereitung auf eine mögliche Ehe. Ciro hat alles nachgeholt, indem er Bücher über die natürlichen Methoden las und von Paaren lernte, die die natürlichen Methoden lehrten.
Als Ehepaar empfanden wir es als heilig und notwendig, die erste Zeit der Ehe im gegenseitigen Kennenlernen zu leben, um einen Ort des Willkommens für jene Leben bereiten zu können, die der Herr uns anvertrauen konnte. Wir waren einander an den unfruchtbaren Tagen zugewandt und enthielten uns an den fruchtbaren Tagen. Nach einiger Zeit begannen wir, auch an den fruchtbaren Tagen beisammen zu sein, um für das Geschenk eines Kindes offen zu sein. Wir haben erfahren, dass wir sowohl an den fruchtbaren als auch an den unfruchtbaren Tagen die Fülle erleben können, weil wir uns einander ganz schenken können, sodass im Höhepunkt der Vereinigung Seele, Psyche und Leib die Fülle erfahren und sich erneuern.
Im Lauf der Jahre – und das gilt bis zum heutigen Tag – haben die natürlichen Methoden unsere Liebe und unsere gegenseitige Zuneigung (Zugehörigkeit) bereichert und dann auch unser ganzes Leben. Es sind viele Schönheiten, die wir im Gebrauch der natürlichen Methoden erlebt haben...
„Indem die natürlichen Methoden die Zyklen und die fruchtbaren Tage der Frau achten, ermöglichen sie es uns, frei zu sein”, sagt Ciro, „es braucht kein äußeres Hilfsmittel in der Begegnung und keine Schranke, die zwischen uns stünde. Wir empfinden, dass wir eine wahre Spontaneität leben, indem wir den Einklang unserer Leiber achten. Nicht so, wie es uns die Fast-Food-Kultur glauben machen möchte, die vergisst, dass der Leib der Frau seine eigene Zeit hat und nicht immer bereit sein kann, und dass es vor allem Zeit und Raum braucht, damit er seine Sinnlichkeit ausdrücken und zur Erfüllung gelangen kann und... verzeiht den Ausdruck, „ohne zum Gegenstand zu werden”. Als ich mich entschied, mein geschlechtliches Verlangen zu beherrschen, entdeckte ich, dass unsere Leiber bestimmten Regeln folgen; und da wir sie erkannt hatten, konnten wir sie nutzen, um dem Verlangen, das in unserer Beziehung sehr lebendig ist, zu ermöglichen, uns ohne Mühe zu führen – sehr oft dahin, die spontanste, passendste und beste Begegnung zu finden, und das zur rechten Zeit.”
Während ich die natürlichen Methoden zusammen mit Ciro erlernte, fühlte ich mich von ihm immer geachtet, auch darin, dass er meine natürlichen Zyklen annahm, darin, dass ich wirklich eine Frau bin mit meinen monatlichen, von Östrogen erfüllten euphorischen Zeiten, aber auch mit Zeiten, in denen ich weinen möchte, in denen es mir schlecht geht, in denen ich nur Zärtlichkeit suche und nicht die leibliche Vereinigung. Denn seien wir ehrlich: Wir Frauen sind nicht immer bereit für den ehelichen Akt, aber wenn wir es den Männern nicht beibringen, wer soll es sie dann lehren?
Wenn wir Frauen uns selbst besser kennenlernen, werden wir uns als Erste achten. Es tut mir leid, es euch sagen zu müssen: Wir Frauen kennen uns selbst oft überhaupt nicht. Diese Verhütungsmittel, die uns von früher Jugend an zur Verfügung gestellt werden, erlauben uns nicht, die Schönheit unseres Leibes kennenzulernen, und lassen uns unbehaglich fühlen. Wir meinen, wir seien immer fruchtbar, dabei sind wir es in Wirklichkeit nur wenige Tage. Wir meinen, es sei ein Übel, dass es Zyklen gibt, aber es kann nicht anders sein, weil uns die Hormone verfolgen.
Die natürlichen Methoden schenken euch eine NEUE LEBENSWEISE; sie schenken sie zuerst mir als Frau, und dann kann auch ich sie meinem Geliebten weitergeben. Es ist eine Lebensweise, die Fülle schenkt, nicht nur in der leiblichen Vereinigung, sondern in der ganzen Ehe. Sie lehrt dich, wie schön es ist, sich zu enthalten in der Zeit, in der du aus irgendeinem Grund nicht bereit für ein Kind bist. Sie lehrt dich, jene Regungen und Gefühle zu benennen, von denen du vorher nicht wusstest, dass es sie gibt. Sie lehrt dich auch, dass es ein „Trennen” ist, etwas zwischen dich und ihn zu stellen, wie die Verhütung; das schafft eine Schranke, die du in jenem Augenblick nicht siehst, die aber mit der Zeit ihr Gewicht zeigen wird, denn mit jeder Wiederholung des „geschützten“ Liebesaktes wird die Schranke größer. Die natürlichen Methoden stellen kein Hindernis auf. Ich habe begriffen – und ich möchte es allen Frauen sagen –, wie bedeutsam es ist, wenn ein Mann seinen Samen schenkt. Das ist sein ganzes Wesen, das ist seine ganze Männlichkeit, und das ist der Grund, warum er nach der Vereinigung ein wenig „schlummern“ muss... er hat alles gegeben. Und für die Frau? Wie notwendig ist es, dass die Frau ihn aufnimmt, denn das ist Leben; auch in der unfruchtbaren Zeit bedeutet es Erneuerung.
Ciro dagegen sagt: “Indem wir lernten, die Zeiten der Liebe, die die natürlichen Methoden bedenken, zu lieben und zu achten, haben wir entdeckt, dass uns das von der Gefahr entfernt, den ehelichen Akt nur als einen Akt eigensüchtigen Genusses zu suchen.
Das gibt dir die Möglichkeit, die Liebe, die der andere zu dir hat, noch besser zu verstehen, in der Hingabe seiner selbst und in der Enthaltsamkeit, die als Vorbereitung auf die Liebe verstanden wird. Die Methoden helfen euch auch, eure Kräfte einzuteilen: Ihr liebt euch um 360 °, und in den Augenblicken des Wartens liebst du nicht nur in der Zärtlichkeit (wie Verlobte), sondern damit auch den Menschen, den Gott vor dich hinstellt (als Kinder Gottes).
Als wir verlobt waren, hat es uns sehr genützt, die Beziehung im Warten auf die leibliche Vereinigung zu leben; dieses Warten war nicht umsonst, denn in der Ehe gibt es immer Zeiten der Enthaltsamkeit, seien sie gewollt oder von den Umständen auferlegt.
Die Übung darin ermöglicht es dir, der Zeit des Wartens mit möglichst wenig Enttäuschung zu begegnen, während dir die Enthaltsamkeit in der Zeit des Zyklus, die die natürliche Methode vorsieht, hilft, die Zeit des „Werbens“ zurückzugewinnen, die niemals abgeschlossen sein sollte.
- Mladen Klanac
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