Meine Mutter ist mir alles - (Balotelli)
Aus dem Buch „Laute Gedanken“ von Vatroslav Vugdelija
Neulich nahm ich eines meiner Bücher vom Regal, und ein Blatt Papier fiel heraus, auf dem mit Bleistift ein Gedicht An die Mutter geschrieben stand. Ich las es und erinnerte mich an den Tag, als mir vor etwa 15 Jahren ein Verwandter am frühen Morgen die traurige Nachricht nach Rom übermittelte:„Vetter, deine Mutter ist gestorben.“ Einige Tage nach der Beerdigung meiner Mutter, als ich nachts mit dem Schiff über das Meer zurückfuhr, schrieb ich der Mutter dieses Gedicht. Es ist viel Zeit vergangen, aber das Gesicht meiner Mutter steht noch lebendig vor mir, ihre Stimme, die Augen der Mutter, ihre Hände, die Worte der Mutter…
Ich denke, es ist nicht nötig, das eigens zu betonen, wir brauchen keine Meinungsumfragen und keine statistischen Daten dafür, dass die Familie, die Liebe in der Familie, die Zugehörigkeit zur Familie und der Frieden in der Familie der größte Reichtum auf der Welt sind. Und in der Familie ist das Wichtigste - die Mutter.
„Der natürliche Zustand einer Mutter ist die Selbstlosigkeit. Wenn du Mutter wirst, bist du nicht mehr der Mittelpunkt deines eigenen Universums. Diesen Platz überlässt du deinem Kind, deinen Kindern. Nur eine Mutter versteht das, was das Kind nicht ausgesprochen hat.“ (Stevie Wonder)
Nach diesen Gedanken fiel mir eine Erzählung ein, die ich vor langer Zeit gelesen habe (ich kenne den Titel nicht mehr, den Namen des Verfassers habe ich vergessen, vielleicht war es Ivan Raos). Die Handlung spielt in Dalmatien, irgendwo in der Zagora, es ist Sommer und die Mittagssonne brennt, und die Mutter hat sich das Fass (ein hölzernes Gefäß) auf den Rücken geladen und ist mit ihrem kleinen Sohn zu einer Quelle aufgebrochen, die eine Stunde Fußweg vom Haus entfernt ist. Als sie an der Quelle ankamen, tranken die Mutter und der kleine Sohn mehrmals Wasser, damit sie unterwegs nicht durstig würden, sondern das volle Fass Wasser den durstigen Hausgenossen bringen könnten. Die Mutter füllte das Fass, lud es sich auf den Rücken, bekreuzigte sich und machte sich mit dem Sohn auf den Heimweg. So gingen die beiden über den Berg durch das Geröll, die Sonne brannte, und der Kleine bekam bald Durst. Er schwieg, denn er wusste, dass man das Wasser aus dem Fass nicht trinken darf. Aber eine Mutter ist eben eine Mutter (nur eine Mutter versteht das, was das Kind nicht ausgesprochen hat) und fragte: „Sohn, hast du Durst?“ „Nein, Mutter“, antwortet der Kleine. Sie setzten den Weg fort, die Sonne, die Hitze, der Karst, und der Kleine bekam noch mehr Durst. Die Mutter bleibt stehen, nimmt das Fass vom Rücken und bittet den Sohn, Wasser zu trinken. Der Sohn weigert sich, denn er hat fest beschlossen, nicht zu trinken und zu beweisen, dass auch er „groß“ ist, und da sagt die Mutter zu ihm (das kann nur eine Mutter)!: „Komm, Sohn, ich bitte dich, trink! Trink ein wenig aus dem Fass, damit die Mutter es leichter zu tragen hat.“
In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gingen unsere Väter „des Brotes wegen“ zur Arbeit nach Deutschland (die Geschichte wiederholt sich!), und die Mütter blieben zu Hause, gebaren und erzogen die Kinder, bestellten die Felder, sorgten für Haus und Stall, schickten die Kinder zur Schule - die Mütter waren alles. Zum Zeichen der Dankbarkeit gegenüber unseren Müttern wurde in meinem Geburtsort (Otok bei Sinj) ein Denkmal „der Mutter von Otok“ errichtet, aber nicht nur als Zeichen der Erinnerung, sondern als Stolz und Ansporn, als Verpflichtung und Aufgabe, „zu sein wie die Mutter“.
Wir könnten noch viel über die Mütter sagen, über ihre Liebe und ihr Opfer, wir könnten auch über das Unverständnis der Kinder sprechen, über unerwiderte Liebe und Undankbarkeit, aber ich beende diese Gedanken mit einer lehrreichen Geschichte: „Die traurige Eintönigkeit der endlosen, leeren Straßen in Südamerika wird von großen Steinhaufen unterbrochen, die man „ceferinos“ nennt. Auf jedem dieser Steinhaufen steht eine Flasche Wasser. Das Wasser lassen die Lastwagenfahrer zurück, die an eine bekannte wahre Geschichte erinnern wollen. Eine Mutter hatte sich zusammen mit ihrem Kind in einer dieser öden Ebenen verirrt. Das Kind, das vor Durst starb, tränkte die Mutter mit ihrem eigenen Blut. Ein Lastwagenfahrer fand die beiden. Das Kind rettete er, doch die Mutter war schon tot.“
Die Botschaft der Geschichte ist sehr stark, darum wiederhole ich nur das oben angeführte Zitat: „Meine Mutter ist mir alles!“ (Balotelli).
‘Maria die Mutter’
Arsen Dedić
Von Erde und Himmel ist sie das Band
bis zum Tor der Träume wie ein Soldat.
Bescheiden ist das Licht ihres Hauses
und für unsere Schiffe ein Leuchtturm.
Mit Wärme füllt sie die Winternester
sie ist die Quelle im Steingeröll.
Heut Nacht sinkt sie auf ein hartes Lager
und ihr Platz wäre auf dem Altar.
So war ihr Schicksal beschaffen,
Maria die Mutter, Maria die Frau.
Sie trifft das Schwert, das mich sucht
in Eis und Feuer ging sie für uns.
Hundert Herzen gab sie einem jeden
und sie selbst hat das Glück umgangen.
Im schweren Krieg und ohne Ende
auf ödem Grund, wo es keine Richtung gibt.
Der einzige Weg: alles gab sie ihm,
ihre Liebe, ihr Glaube.
Sie geht durch die größere Hölle
doch vor dem Himmel bleibt sie rein.
Und sie ist nur eine schlichte Mutter aus dem Volk
deine und meine, ganz die gleiche.
Zu schwach sind für sie alle Versuchungen
ein Leben aus Kummer und Bitternis.
Da Gott sie so sah, wollte auch er
dass sie ihm den Sohn gebäre.
So war ihr Schicksal beschaffen,
Maria die Mutter, Maria die Frau
- Mladen Klanac
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