Signale dessen, was man menschlich Liebe und Glück nennt
„Es gibt nichts, was an der Oberfläche des menschlichen Lebens mehr Raum einnimmt als die Liebe, und es gibt nichts, was unbekannter und geheimnisvoller wäre als die Liebe. Der Unterschied zwischen dem, was an der Oberfläche ist, und dem, was das Geheimnis der Liebe ist – das ist die Quelle des Dramas. “
Karol Wojtyła hat als Weihbischof von Krakau, unter dem Pseudonym Andrzej Jawień, ein Drama in drei Akten geschrieben: Vor dem Juwelierladen (Przed sklepem jubilera), über das Leben dreier Paare. Eigentlich „über die Liebe als bleibende Herausforderung“, denn „die Liebe bestimmt die Zukunft“ – die eines jeden der drei Paare und die eines jeden von uns. Es ist voller Sinnbilder und kann jedem von uns eindringlich etwas sagen, ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht.
In dem Drama treten neben den Hauptpersonen noch weitere Gestalten auf, unter denen der Bräutigam, der Juwelier und Adam die wichtigsten sind; Adam sagt: „Es gibt nichts, was an der Oberfläche des menschlichen Lebens mehr Raum einnimmt als die Liebe, und es gibt nichts, was unbekannter und geheimnisvoller wäre als die Liebe. Der Unterschied zwischen dem, was an der Oberfläche ist, und dem, was das Geheimnis der Liebe ist – das ist die Quelle des Dramas. “
Im ersten Akt sprechen Teresa und Andreas über ihre Verlobung und ihre Ehe mithilfe der Sinnbildlichkeit der Ringe; der Akt trägt den Titel „Signale“. Die Signale erinnern sie an die Dringlichkeit, sich einander zuzuwenden, es ist eine Eingebung, die nur jene hören, die wirklich auf die Anstöße von innen hören. „Ich dachte an die Signale, die einfach nicht zueinanderfinden. Ich dachte an Andreas und an mich. Und ich spürte die Schwere des Lebens“.
Es ist schwer, bis zuletzt zu erklären, warum die „Signale“ jemanden zu einem bestimmten Menschen oder in eine bestimmte Lage weisen, ebenso wie jene Stimme, die Andreas in seinem Gewissen hört, die ihn fast wie ein Gebot zu Teresa hinlenkt. Andreas spricht bezeichnende Worte, die den Anfang der Liebe beschreiben: „Ich war beinahe gezwungen, mich für sie zu interessieren. Offenbar hatte Teresa etwas, das mit meiner Persönlichkeit zusammenstimmte.“
Andreas gesteht, dass es eine Zeit gab, in der sich seine Sinne am Reiz vieler verschiedener Frauen nährten, doch jedes Mal, wenn er einer zu folgen versuchte, erkannte er, dass es sich um „wüste Inseln“ handelte, und die Schönheit, die nur die Sinne wahrnahmen, erwies sich als gefährliche Gabe, „die viele mit dem Bösen bezahlt haben, das sie anderen zugefügt haben“.
Sollte eines von beiden vergessen oder zweifeln, so sind die Ringe da, um sie daran zu erinnern. Der Ehering lässt sich jedoch nicht gegen Geld in den Juwelierladen zurückgeben, denn er hat seinen Wert nur zusammen mit dem anderen Ring. Der Juwelier ist bereit, die Ringe nur im Augenblick des Todes eines der Ehegatten zurückzunehmen.
In diesem Juwelier ist das Bild des ewigen Juweliers. Der Juwelier sieht unsere Gedanken und Taten durch sein Schaufenster, das zugleich das Fenster unseres Gewissens ist. Er schleift und bereitet die geistlichen Ringe für die Verlobten, die die Ehe schließen wollen. Die Waage des Juweliers erinnert auch an die Worte des hl. Augustinus, der bei einer Gelegenheit Gott als denjenigen beschrieb, der im Inneren des Menschen wägt, ohne dass der Mensch es überhaupt bemerkt. Das Bild der Waage zeichnet so das Wirken Gottes nach, der als Einziger den Menschen und sein „Gewicht“ zu wägen weiß. Die gewöhnliche Waage des Juweliers gewinnt die Bedeutung eines Gegenstandes, mit dem der Juwelier die Ehen geistlich zu prüfen vermag.
„Was für eine besondere Kunst. / Gegenstände herzustellen, die es vermögen (die es wert sind), / Gedanken über das Schicksal des Menschen zu wecken./Die Ringe, die im Schaufenster liegen, / sprechen zu uns mit einer seltsamen Festigkeit./ Vorerst sind es nur Gegenstände aus edlem Metall / doch sie werden es nur sein bis zu dem Augenblick, / da ich den einen Teresa an den Finger stecke / und sie den anderen an meinen./ Sie (die Ringe) werden es sein, die unser Schicksal zeichnen. / Sie werden uns an die Vergangenheit erinnern / als handle es sich um eine Lektion, die man behalten muss. / Sie werden uns jeden Tag die Zukunft weit auftun / und sie an die Vergangenheit binden. /
Wojtyła zögert nicht, im rechten Augenblick seinen Juwelier den Juwelier zu nennen. Das geschah, als sich die Blicke des Juweliers und des Bräutigams begegneten und der Bräutigam dann nachdenklich am ruhigen Blick des „Juweliers“ hängen blieb und nur bemerkte, wie durchdringend er ist. Sein Blick dringt durch die Menschen hindurch bis in die Tiefe ihres Wesens, sodass ihre Vergangenheit von Neuem auftaucht und die Zukunft erscheint.
„Das Gewicht dieser goldenen Ringe / [...] ist nicht das Gewicht des Metalls. / Es ist das eigentliche Gewicht des Menschen / eines jeden von euch für sich und von euch beiden zusammen. Von nun an werden die Ringe keinen eigenen Wert mehr haben, sondern nur ein gemeinsames Gewicht. Das ist der Augenblick, in dem die beiden eins werden, zwei Menschen ein Leib.
Es gibt zwei Eheringe, denn sie werden, wie die Verlobten sagen, „gemeinsam, in jedem Augenblick, / dazu dienen, uns unsichtbar zu vereinen / wie die äußersten Glieder einer Kette.“
Im zweiten Akt spricht der Bräutigam von der verwundeten Ehe zwischen Anna und Stefan, zunächst in der Langeweile des Alltags und dann in Streit und Zerwürfnis. Stefan ist oberflächlich, während Anna unaufhörlich nach einer unerreichbaren Liebe strebt. „Die Liebe ist kein Abenteuer“ – sagt Adam, als mache er Anna einen Vorwurf – „sie nimmt den Geschmack des ganzen Menschen an. Sie hat ihr eigenes Gewicht.“
Die Abwesenheit Stefans in ihr und ihre eigene in Stefan lässt sie sich von sich selbst entfernt fühlen. Das Entsetzen des Zweifels an der Liebe ergreift Annas ganzes Dasein und droht, es an der Wurzel zu zerstören und in ihr jede Hoffnung auf einen Sinn auszulöschen. Das Leben bricht unter dem „Gewicht des Augenblicks“ zusammen, und „die Liebe bleibt nur eine Summe von Pflichten, unerreichbar ...“.
„Es kann nicht alles so enden! Hört, es kann nicht! Der Mensch ist Kontinuität, Ganzheit und Kontinuität – darum kann von allem nicht nur ein „Nichts“ bleiben! “
Doch in der Krise erscheint ein Augenblick der Gnade, einer Krise, die dem Umherirren auf vielen Wegen gleicht und der Begegnung mit vielen Menschen ohne wirkliche Begegnung. Es erscheint Adam. Anna fragt ihn: „Warum hast du mich geweckt?“ Adam antwortet: „Weil auf diesem Weg der Bräutigam vorüberkommen wird.“ Im Vorübergehen – „berührt er die Liebe, die in ihnen ist.“
Er hilft ihnen zu sehen, dass „die Liebe die Synthese zweier Wesen ist“. Daraus erwächst die wunderbare Erfahrung, dass sie sich „in der Reichweite Seines Blickes befinden, auf dem Pfad ihres Lebens.“ Unser ganzes Leben lag vor Ihm. Sein Blick gab uns Signale, doch in jenem Augenblick konnten wir sie nicht in ihrer ganzen Fülle „auffangen“.“
In Anna erwacht die Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe, die sie suchte und weder in sich selbst noch in einem anderen Mann fand. Adam führt sie zu dieser Liebe hin. Stefan schließt: „wie schade, wie schade, so viele Jahre haben wir uns nicht wie zwei junge Menschen gefühlt! Anna, Anna, wie viele Dinge haben wir deshalb versäumt!“
Der dritte Akt „Die Kinder“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen Christoph und Monika, der Tochter Annas aus der vorigen Geschichte. Auch die Fehlgriffe der Eltern lasten auf ihnen. Doch es erscheint die Hoffnung, dass es möglich ist, sich aus materiellen und sittlichen Stürzen zu erheben. Christoph schließt: „Vielleicht prüft uns Gott selbst“.
Der Mangel an Liebe wird beschrieben als Abwesenheit/Nicht-Gegenwart der Eltern in Monika selbst. Das verursacht in ihr eine seelische Zerbrechlichkeit, beständig dreht sie sich in einem Teufelskreis um sich selbst. Christoph zieht sie aus der Umarmung der Eltern heraus: „wenn der Augenblick kommt/nehme ich dich von ihnen fort/ du wirst reif sein für das Leiden/ das Leiden einer neuen Liebe/ das Leiden einer neuen Geburt.
„ Und alle werden voller Freude sein, sie werden die Grenzen dessen kosten, was man menschlich Glück nennt.“
- Mladen Klanac
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