Wir waren offen für Gottes Plan
Kleine Familie, großes Zeugnis
“Wir schulden der hl. Stošija unser Zeugnis. Das ist auch eine Ermutigung für all jene Frauen, die keine irdischen Kinder bekommen können”, sagte Željka und betonte, dass sie, als sie erfuhr, dass sie schwanger geworden war, alles dem Herrn überlassen habe im Vertrauen auf seinen heiligen Willen.
„Ich kann aufrichtig bezeugen, dass ich in der Tiefe meines Herzens immer geglaubt habe, dass der Herr uns Nachkommen schenken wird“ – fügt der Ehemann Mate hinzu.
“Es ist ein besonderes Gefühl, ihren Namen zu tragen, denn sie prägt uns durch unser ganzes Leben“, schließt Stošija.
Die Erzdiözese Zadar feiert am 15. Januar ihre himmlische Schutzpatronin und die Titelheilige der Zadarer Kathedrale, die hl. Stošija. Diese Patronin der Schwangeren, der Gebärenden und der kinderlosen Frauen ist eine christliche Märtyrerin, die im Jahr 304 in Srijemska Mitrovica am Weihnachtstag verbrannt wurde. In der Sendung „Aktualno“ des Kroatischen Katholischen Rundfunks hat die Zadranerin Željka Tomaš ihr Zeugnis geteilt, die eben auf die Fürsprache dieser großen Heiligen hin Mutter ihrer Tochter Stošija geworden ist.
Die Fotografin Željka Tomaš aus Zadar ist ein Abbild der wirksamen Hilfe der heiligen Stošija, die auf besondere Weise über den Schwangeren, den Gebärenden und den kinderlosen Frauen wacht. Gerade Željka war, mit der Unmöglichkeit zu gebären konfrontiert, eine von ihnen. Željka ist heute Mutter der achtzehnjährigen Tochter Stošija, die den Namen eben nach ihrer himmlischen Schutzpatronin trägt. Željka nahm nämlich deren Fürsprache in Anspruch, und zwar in der römischen Kirche der hl. Stošija, also der hl. Anastasia.
Die hl. Stošija ist von Geburt eine Römerin, durch die Verehrung eine Zadranerin, und interessant ist, dass auch Željkas Tochter Stošija unter römischem Himmel empfangen wurde. Als ihre Tochter Stošija vier Jahre alt wurde, verließ Željka mit ihrem Mann Mate Rom und kehrte in ihre Geburtsstadt Zadar zurück. Die Familie Tomaš lebt derzeit auf der Zadarer Halbinsel, ganz in der Nähe der Zadarer Kathedrale, und von ihrer Wohnung aus geht der Blick auf den Glockenturm der hl. Stošija, der sie mit seinem Läuten begleitet und an den himmlischen Schutz der hl. Stošija erinnert.
“Diese Kathedrale ist meine Mutterkirche, die mir jeden Tag Kraft gibt und mich, wo immer ich auch war, an meine Mutter erinnert, durch die mir der Herr das Leben geschenkt hat und die ich leider nicht kennengelernt habe. Ich kann nicht anders, als die Kraft meiner Zieh-Mutter zu spüren, der Schwester meiner Mutter, die mir den Glauben weitergegeben hat und mit der ich unter diesem Glockenturm gelebt habe. Es ist der Ort, an den ich zurückgekehrt bin, wo ich zur Schule gegangen bin und wo ich weiter mit meiner Familie lebe”, sagte Željka und erinnerte sich an die Kriegsjahre, an das Studium und an den Weggang nach Rom, wo sie ihren Mann Mate kennenlernte.
Die Träume von der Ehe, von einer großen Familie und vom Leben auf dem Land waren, wie Željka bezeugt, der Weg ihrer Läuterung und ihres Kommens in die Kirche der hl. Stošija (Anastasia) in Rom.
“Nachdem wir geheiratet hatten, wollte sich acht Jahre lang einfach kein Kind einstellen. Sie können sich vorstellen, durch welche Leiden und welches Hinterfragen wir in Ehe und Familie gegangen sind. Am Ende haben wir uns irgendwie ergeben, denn wir hatten diese Gemeinschaft. Im Lauf der Jahre kam oft die ehrwürdige Mutter Anastazija aus Zadar zu uns, meine geistliche Mutter. Eines Jahres nahm sie mich mit in die Kirche der hl. Stošija (Anastasia) in Rom, wo ich zuvor nie gewesen war. Sie ging immer dorthin und betete, und es beteten auch die Brüder Benediktiner und viele unserer Freunde in dieser Meinung”, erinnert sich Željka.
Damals begann sie, wie sie sagt, den Weg ihrer Bekehrung und ihrer erneuten Hingabe an Gott. Die Kirche der hl. Anastasia in Rom ist dafür bekannt, dass dort das Allerheiligste Altarsakrament 24 Stunden am Tag ausgesetzt ist.
“Mein Mann und ich gingen dorthin zusammen mit einer Freundin, die heute Stošijas Patin ist. Wir hofften und legten alles in die Hände des Herrn”, sagte Željka.
Im Jahr 2003, als sie sich für die Weihnachtsfeiertage auf die Heimreise vorbereiteten, erfuhr Željka, dass unter ihrem Herzen noch ein anderes Herz schlägt. In dieser Zeit kam ein Christbaum aus Kroatien in den Vatikan, und dort begegnete sie Pater Ivan Matić, der sie und ihren Leib segnete.
“Die Gemeinschaft aller Heiligen, die hl. Stošija, die all das angeführt hat, und die Gebete der Menschen voll des Geistes haben ein Wunder gewirkt, denn durch meinen kranken, untauglichen, unfähigen Körper wäre dieses Kind für die Erde niemals geboren worden”.
Die Tochter Stošija wurde an ihrem Hochzeitstag geboren. Željka bezeugt, dass sie gerade durch ihre Tochter zahlreiche Gnaden und die Erfahrung der Liebe Gottes empfangen hat. Als sie ihre Tochter Stošija in die Arme nahm, dachte Željka: “Werde ich am Leben bleiben… Oder werde auch ich nach der Geburt sterben wie meine Mutter”. Diese Angst hat sie immer begleitet.
“Stošija sah ich an, als wäre sie ich selbst. In ihr sah ich mich als Kind. Da sind viele Dinge, die sich miteinander verflechten. Du kannst sagen: ‘Gott heilt sofort’. Aber es ist vielschichtig, es sind Kämpfe, es braucht Gespräche”.
Željkas Mutter starb jung, mit 32 Jahren. Sie starb an den Folgen einer Blutvergiftung, einen Monat nachdem sie Željka geboren hatte. Damals sagten alle: ‘Sie hätte es nicht tun sollen’. Željka hat eine Schwester und einen Bruder, sie ist das dritte Kind, ein sehr ersehntes, deshalb heißt sie auch Željka (die Ersehnte). Sechs Jahre nach der Geburt Stošijas bekamen Željka und Mate noch ein Kind im Himmel. Željka sagt nicht: “Ich hatte drei Fehlgeburten”, sondern “Wir haben drei Kinder im Himmel”.
Und als die Schwangerschaft mit Stošija schon fortgeschritten war, machten die Ärzte Željka wenig Hoffnung. Sie sagten ihr: “Es ist riskant, seien Sie lieber geduldig, ich würde noch nichts sagen”.
“Als ich die zweite Ausschabung hatte, wollte ich sie lange nicht machen lassen. Man sagt ja auch: ‘Warten Sie ab’. Denn oft stellt sich wirklich heraus, dass das Herz des Kindes noch schlägt. Ich hatte auch darin Geduld. Manch eine würde die Leibesfrucht ‘beseitigen’, auch das sind schwere Augenblicke. Du hast auch für dich selbst Angst”, schloss Željka Tomaš.
Die Schwangerschaft war für Željka schwer, und wie sie sagt, war es eine Zeit des Kampfes ihrer Seele. Als das Kind geboren war, empfand sie große Liebe, aber auch Angst. In all dem hatte sie einen großen Halt an ihrem Mann Mate.
“Er ist wahrhaft gottesfürchtig und hat wirklich nach einem Kind geschrien. Bemerkenswert ist, dass unsere Tochter am Vorabend von Weihnachten empfangen wurde und dass das Fest der hl. Stošija an Weihnachten selbst gefeiert wird, liturgisch aber auf den 15. Januar verlegt wurde”.
“Ich danke für alles an jedem Tag, ich danke dafür, dass ich leben und das Wort Gottes verkosten darf, dass ich einfach in Demut und im Gebet leben darf”.
Die Tochter Stošija ist eine achtzehnjährige Schülerin des Humanistischen Gymnasiums Johannes Paul II. und musikalisch begabt. Sie betont, dass sie den Namen der hl. Stošija mit Stolz trägt: „Sie ist eine Märtyrerin, die um Gottes willen vieles erlitten hat, und ich trage ihren Namen mit Stolz. Das ist ein seltener Name, nicht jeder trägt ihn. Je älter ich werde, desto lieber wird mir mein Name. In der Schule bin ich immer die Einzige, die so heißt”.
Stošija betont, dass sie sich bewusst ist, wie lange ihre Eltern auf sie gewartet haben, und sagt, sie sei dankbar für all die Liebe, die ihr im Leben geschenkt wurde. Den jungen Menschen gab sie mit auf den Weg, nicht auf die Welt zu schauen, sondern sich auf das Innere zu besinnen: “Die Kirche gibt mir das Leben. Man muss sich für nichts schämen. Es ist schwer, in der heutigen Welt zu leben, aber ich weiß, dass Gott derjenige ist, der das Leben gibt“.
Der Lebenskampf Željkas geht weiter.
“Vor vier Jahren wurde mir der Mutterleib entfernt, die Gebärmutter, meine hystera, der ‘Wahnsinn’, wie die Mediziner sagen würden (Lachen). Man sagt, der Mutterschoß sei der Ort der Barmherzigkeit Gottes. Ich sage: ‘Da wollte mir ‘der mit dem Schwänzchen’ (der Teufel, Anm. d. Red.) auch noch die Barmherzigkeit nehmen. Aber ich gebe nicht auf’. (Übrigens sind vom hebräischen Substantiv rehem (Gebärmutter; Pl. rehamim) die Übersetzungen des göttlichen Attributs der Barmherzigkeit und des Erbarmens abgeleitet. Wir finden sie sowohl in der Tora als auch im Koran (das arabische Wort harahman, Barmherzigkeit, bedeutet ebenfalls: Gebärmutter). Die Attribute barmherzig und erbarmend bezeichnen die Doppelgestalt der Barmherzigkeit Gottes: Sie ist zur Welt wie der Mutterschoß zum menschlichen Wesen und enthält zugleich in sich alle möglichen Eigenschaften und Bedeutungen des Mutterschoßes: Zärtlichkeit, Schutz, Bedingungslosigkeit.)
Dass sie ihre Fortpflanzungsorgane nicht mehr hat, war für Željka schwer anzunehmen: “Alle sagen dir: ‘Jetzt ist alles in Ordnung, du kannst ein freies Leben führen’. Von der hormonellen Seite ganz zu schweigen. Aber diese seelische Ebene, dieser immerwährende Wunsch einer Frau, zumal es mir noch in meinen fruchtbaren Jahren geschehen ist”.
Željka bestreitet nicht, dass eine Frau die Entfernung der Organe, die dem Gebären dienen, als Verlust eines Teils ihrer Identität und ihrer Weiblichkeit empfindet. “Eine chemische Störung richtet allerlei an. Auch die Geburt habe ich schwer ertragen, den schönsten Augenblick meines Lebens. Ein Kind ist ein Geschenk, mir aber öffnete sich jene Wunde des Mutterverlustes, die Wochenbettdepression. Aber ich nehme das alles als etwas Normales an, und es hat alles seinen Sinn. Doch damals konntest du dich noch freuen. Jetzt, nach dem Verlust der Gebärmutter und der Eierstöcke, hast du nichts mehr, worüber”. Sie spricht das Wort nicht zu Ende: ‘Du hast nichts mehr, worüber – du dich freuen könntest”, denn Željkas letzter Gedanke ist “Aber… Gott…” Gott schenkt ihr, sich dennoch zu freuen, in welchen Umständen auch immer.
“Es ist schwer für Frauen, die das erleben, aber es gibt den Trost Gottes und der Heiligen. Ich habe ein bis zwei Jahre gebraucht, um zu überwinden, was mir geschehen ist. Mich hatte eine Depression gepackt, ich sage, eine chemische. Man sagt: ‘Was kümmert es dich, du hast doch ein Kind’. Ja schon, aber… Oder: ‘Was kümmert es dich jetzt, du wärst ohnehin in die Wechseljahre gekommen’. Manch eine trägt es vielleicht leichter. Aber es gerät dir alles durcheinander, die körperlichen Bedürfnisse und alles andere. Es ist nicht gerade leicht, das durchzustehen. Auch in der Ehe danach und in anderen Bereichen. Sicher war es auch für meinen Mann nicht leicht, auch wenn er es nicht sagt und ich seine ganze Unterstützung habe. Ich glaube, dass Gott und die Sakramente, wie die Beichte, wirklich wirken und etwas bewirken. Und auch die Sakramente unserer Tochter”.
Der 23.8.2003 ist das Geburtsdatum unserer Tochter Stošija. Ich versuche, meine Gefühle zu sammeln und meine Erfahrung im Zusammenhang mit diesem freudigen Ereignis zu bezeugen, das mein Leben und das Leben meiner Frau Željka verändert hat.
Die Geschichte beginnt, als ich Željka Ende Juli 1995 in Rom, Italien, kennenlerne, wo wir beide nach den Schrecken des Heimatkrieges lebten und arbeiteten. Heute sagt unsere Tochter mit einem Leuchten in den Augen: „Hey Mama, Papa, ihr hattet also eine Liebesgeschichte in der Ewigen Stadt, und das auf den ersten Blick!“ Nach zwei Jahren aufrichtiger Verbundenheit mit dem Herrn empfangen wir am 23.8.1997 das Sakrament der Ehe. Im Zeitraum von sechs Jahren wurde Željka zweimal schwanger, doch das Herz des Kindes begann nicht zu schlagen. Die Ärzte stellten fest, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, die bei der Mutter Antikörper bildet, welche die Leibesfrucht schon bei der Empfängnis töten. Meine Frau begann sofort mit einer entsprechenden medikamentösen Therapie. Im Sommer 2002 besuchten wir gemeinsam ein Kinderheim in der Nähe von Zagreb und knüpften erste Kontakte für einen weiteren Besuch um das Weihnachtsfest, im Hinblick auf eine mögliche Adoption. Wir waren offen für Gottes Plan. Wenige Tage vor der Feiertagsreise nach Kroatien vermutet Željka eine neue Schwangerschaft, was sich am Heiligen Abend selbst bestätigt. Natürlich wurde die Reise verschoben; wir waren in der Ungewissheit über den weiteren Verlauf, voller Zweifel und Ängste, aber auch voller Hoffnung, dass der Herr sich unser erbarmen und uns Nachkommen schenken und uns einer neuen Seele als Eltern schenken würde. Als Stošijas Herz bei der ersten Untersuchung zu schlagen begann, hatte ich das Gefühl, mein Herz sei größer als der Petersdom. Und als Stošija geboren wurde, bezeichnenderweise an unserem Hochzeitstag, sprach eben dieses Herz: „Danke dir, Jesus, dass du Liebe für mich Sünder hattest und mein Gebet und meine Hoffnung erhört hast.“
Und zum Schluss möchte ich dieses Gottesgeschenk der Glaubensstärke an alle jene weitergeben, die heute das Leid der Unfruchtbarkeit leben. Ich danke allen, die für Stošijas Leben gebetet und mir einen neuen Weg gezeigt haben. Wichtig war es, dem Herrn zu sagen: „Ja!“
- Mladen Klanac
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