Meine Liebe will ich nicht verbergen – mein liebes Herz
Mein Mann! Mein Mann! Mein Mann! Trocken sind, du siehst es, meine Augen, Doch meine Liebe will ich nicht verbergen.
Dich bittend, Vergib mir, Nie mehr werde ich dich, bewegten Herzens, Bei deiner Heimkehr aus der Schlacht Umarmen können.
Zum Tod bin ich bereit/ Und fürchte mich nicht, Wenn der Henker das Schwert schwingt, Ich werde stolz dastehen, Nach Herrenart und kroatisch.
Du aber Gräme dich nicht/ Lasst mich eine Frau sein, Lasst mich wehklagen, lasst mich jammern, Lasst mich mein Herz zerreißen.
Mate Marčinko
Die Trauung von Ana Katarina Frankopan und Petar Zrinski fand in Karlovac statt, das Fest am 27. X. 1641. in Ozalj. Mit ihr vereinigten sich die mächtigsten kroatischen Adelsfamilien Zrinski und Frankopan. Sie hatten vier Kinder: Jelena, Judita Petronila, Ivan Antun Baltazar und Aurora Veronika.
Katarina heiratete Petar in ihrem 16. Lebensjahr und lebt seither mit ihrem Mann in Ozalj; gelegentlich besucht sie auch Čakovec, wohin sie mit ihrem Mann nach dem tragischen Tod seines Bruders, des kroatischen Banus Nikola Zrinski, übersiedeln wird. Zeitweise hält sie sich auch auf anderen Gütern der Zrinski und Frankopan auf – in Vrbovec, auf Grobnik, in Kraljevica und in Novi Bribir. All diese Güter waren nicht nur Wirtschaftsbetriebe, sondern auch Mittelpunkte des öffentlichen und kulturellen Lebens, in denen kroatisch gesprochen wurde, kajkawisch, tschakawisch und schtokawisch, in denen geschrieben und über Themen der Welt und der Nation gestritten wurde und in denen Literatur, Kunst und Kultur gepflegt wurden.
Wir bringen die eheliche, familiäre und vaterländische Geschichte von Petar und Katarina Zrinski und seinen Abschiedsbrief an die geliebte Frau vor der Hinrichtung.
„Alle unterhielten sich lebhaft rund um den Tisch, und das war dem Banus lieb. Auch er scherzte an diesem Abend, er war fröhlich unter seinen Kindern. Katarina war zu jedem freundlich, doch mehrmals geschah es, dass sie in Gedanken versank: Wenn sie Petar und die Kinder ansah, hörte sie im ersten Augenblick nicht, was jemand zu ihr sagte. Sie war glücklich bei ihren Kindern, aber gerade dieses große Glück trübte ihre Ruhe, denn sie dachte, es könnte auch anders kommen … Aus demselben Glück entspringt das Unglück. Wer liebt, lebt nicht in Frieden. Solche Gedanken schwirrten der Mutter durch den Kopf.
Und ihr Petar? … Da ist er, gesund und stattlich, gut und lieb, wie er den Kindern und ihr zulächelt … Nur sie erriet seine Gedanken, nur sie bemerkte, wie sich sein frohes Lachen einige Male in Schwermut auflöste … Nun setzten sie sich auf den Diwan und sprachen lange über die Gesandtschaft nach Konstantinopel, über die Heimat und über ihre Kinder. Nach und nach wich jede Beklemmung und Unruhe von ihnen, und eine helle Hoffnung keimte in ihren Herzen auf und erhellte ihre Gesichter. Alle Kraft fanden sie in ihrer Liebe: Sie achteten einander, liebten und verehrten einander, als wären sie am Vorabend ihrer Hochzeit über die Blume des Ysops (die Blume des Glücks) geschritten.“
Ana Katarina Frankopan wurde um 1625 in Bosiljevo geboren — gestorben in Graz, am 16. XI. 1673. Literarisch war sie außerordentlich begabt, und sie wird als der größte weibliche Name der kroatischen Literatur des 17. Jahrhunderts genannt. Ihr eilte der Ruf einer glänzenden Diplomatin voraus, die Deutsch, Ungarisch und Italienisch sprach und neben dem Kroatischen auch auf Latein schrieb. Ana Katarina Frankopan, die Frau Petar Zrinskis, die eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit war, widmete der Familie und der Erziehung ihrer vier Kinder große Sorgfalt. Ungeachtet der mütterlichen Pflichten war Katarina, wie die reiche Korrespondenz bezeugt, eine wahre Herrin – sie sorgte für die wirtschaftliche Entwicklung der Familiengüter, förderte viele Gewerbe und Unternehmungen, bestimmte Rechte und Pflichten der Leibeigenen und der einfachen Leute, nahm Einfluss auf deren Lebensweise und bemühte sich, sie zu beraten und zu unterweisen. An der Erhebung der Zrinski und Frankopan nahm sie tätig teil, mitunter gab sie Anregungen und wies die Richtung, wirkte auf Entscheidungen ein und unternahm selbst diplomatische Schritte. Die Banin achtete auf Ordnung, Sauberkeit und Sittlichkeit im Land.
Petar Zrinski wurde am 6. VII. 1621. in Vrbovec geboren,— gestorben in Wiener Neustadt, am 30. VI. 1671., und er bleibt in Erinnerung als kroatischer Banus, Heerführer und Dichter, Mitglied der Adelsfamilie Zrinski. Kroatischer Banus wird er 1665., nach dem Tod seines Bruders Nikola. Wie glänzend er als Krieger und wie groß er als Held war, sagt am besten die Tatsache, dass der König Petar „Schild der Christenheit und Schrecken der Türken“ nannte. „Als Ritter und hervorragenden Soldaten zeichneten ihn auch viele andere Tugenden aus, und von Jugend an setzte er im Kampf gegen die Feinde hundertmal sein Leben aufs Spiel.“
Kumičić: „In Ozalj trat eine seltsame Stille ein. Petar war ungefähr zwei Monate lang ruhig und wollte das Familienglück auskosten, wobei er oft dachte, dass wohl bald ein Sturm losbrechen werde. Stundenlang ging er in den Wäldern spazieren, müde kehrte er in das Schloss zurück, setzte sich in die Bibliothek und versank in Gedanken, und deren waren viele. Plötzlich überkam ihn eine große Sehnsucht, seine Kinder zu liebkosen, sich an Zora und Ivan satt zu sehen, und dann rief er sie zu sich und war überglücklich, wenn er sie auf den Knien hielt und ihren fröhlichen Scherzen, ihrem heiteren Erzählen zuhörte. Die Kinder waren immer zärtlich zu ihm, schlangen die Arme um seinen Hals und küssten ihn. Katarina freute sich darüber, denn sie wusste, dass er so ausruht und dass sein Geist dadurch noch stärker wird. Zu ihr war Petar außerordentlich zärtlich: Er blickte ihr in die Augen und ins Gesicht, sie war ihm schön und lieb, sie schien ihm jung, immer hatte er sie unermesslich geliebt und verehrt, und nun meinte er, es sei zu wenig. Lange sah er sie an, ganz selig, und drückte ihr die Hand wie einem Mädchen, dem man sagen will, dass man es liebt, und dann lächelte ihm Katarina zu … In ihrem Lächeln sah er ihr ganzes und sein ganzes Glück, all die frohen Tage, die sie in Liebe miteinander verlebt hatten. Er errötete wie sie, und alles, was er nicht aussprechen konnte, sagte er ihr mit einem heiligen Kuss, indem er sie an seine Brust zog.“
Zu den Magnaten und den Angehörigen der Familie, die sich in Čakovec um den Tisch versammelt hatten, sprach er so: „ Ehrenwerte, edle, geachtete Herren, meine Getreuen! Diesen Becher erhebe ich auf euer Wohl, und ich wünsche aus der Tiefe meines Herzens, dass uns im kommenden Jahr das heilige Weihnachtsfest in einem freien Kroatien anbreche. All unsere Gedanken werden nur insoweit unsere sein, als wir sie dem Dienst an der Heimat weihen, der wir, wenn es nötig ist, unseren Leib so leicht opfern werden, als wäre er uns fremd. Wir alle werden kein anderes Feiern kennen als die Erfüllung unserer Pflicht. Wer sein Blut für das Vaterland vergießen will, wie sollte er sich nicht schämen, von ihm sein Grab zu verlangen? Wir werden alles opfern, außer der Ehre. Die Ehre ist kostbarer als das Blut, denn dieses wird für das Vaterland geopfert, die Ehre aber niemals und für nichts. Und dies sei uns im Sinn: Damit ein Volk sein Recht nicht verliert, muss es bisweilen auch das fremde verteidigen. Ich urteile, dass das neue Jahr eines der wichtigsten, eines der entscheidendsten in der Geschichte unseres Königreichs sein wird. Es könnte geschehen, dass uns die Sonne aufgeht, es könnte uns aber auch eine noch größere Finsternis auslöschen, doch ich bin fest überzeugt, dass Gott nicht zulassen wird, dass sein auserwähltes kroatisches Volk zugrunde geht. Ja: ein auserwähltes Volk, denn Gott hat unserem Volk dieses Land gegeben, damit es ein Bollwerk gegen die Angriffe auf seinen heiligen Glauben sei. Dieses Land musste von einem tapferen Volk besiedelt werden, denn nur ein solches Volk konnte die asiatische Flut aufhalten, die selbst Rom überschwemmen wollte! Gott ist der höchste Führer eines jeden Volkes. Er hat das kroatische Volk in dieses schöne Land geführt. Er hat unserem Volk in seiner Allwissenheit eine große und ruhmreiche Aufgabe zugedacht: die Christenheit vor dem furchtbarsten Feind zu verteidigen. Man kann ein Volk nicht vernichten, das durch seine Geschichte beweisen kann, dass es etwas für die Menschheit getan hat! Alles können sie uns nehmen, aber unsere Geschichte können sie uns nicht nehmen. Die kann uns niemand nehmen! Gewaltig strahlt ihr Ruhm, und dieser jahrhundertealte Glanz lässt sich nicht verdunkeln. Unsere Geschichte ist mit Märtyrerblut geschrieben, sie ist mit dem Glauben Jesu verflochten, und wie dieser Glaube ewig ist, so ist auch der Ruhm der kroatischen Helden ewig, die für ihn gefallen sind. Früher oder später wird unser Volk die schweren Ketten zerreißen, früher oder später wird dieses Land, das Gott selbst uns gegeben hat, allein ihm gehören!“
Den Mann und den Bruder rüstete Katarina für den Weg nach Wien, in die Gefangenschaft und in den Märtyrertod. Niemand von den Anwesenden ahnte die Tragik dieses Abschieds. Katarina vergoss ihren Lieben nicht einmal eine Träne nach, sie kehrte in ihr Zimmer zurück und verbrannte die Briefe, von denen sie meinte, es sei nicht ratsam, dass sie in kaiserliche Hände fielen. Petar sagt: „ Mit einem Wort, ich habe getan, was ich konnte, um jene Übel abzuwenden, die sich über meinem Haupt zusammenzogen; und obwohl ich leicht Böses hätte tun können, habe ich es dennoch nicht getan, sondern es immer aufgeschoben, weshalb meine Sünde keinerlei Folgen hatte.“ Er schloss mit den Worten: „Trotz allem sei dennoch der Name des Herrn gepriesen!“
Katarina kniete mit gefalteten Händen vor dem Bild der Seligen Jungfrau. Als Petar in die Schlafkammer trat, erhob sie sich vom Betschemel, reichte ihm die Rechte, sah ihn lieb und traurig an, erbleichte jäh, ließ den Kopf an seine Schulter sinken, hob aber rasch das Gesicht und blickte ihm in die Augen. Trocken waren ihre und seine Augen. Kein Wort konnten sie sprechen. Er sah sie unsagbar traurig an, erbebte, umarmte und küsste sie, drückte dann ihre Rechte an sein Herz, und aus der Tiefe seiner Seele lösten sich diese drei Worte: „Gott behüte dich! - Und dich! – Mit Gott!“ – antwortete ihm Katarina schmerzlich und mit erstickter Stimme.
Nach dem Weggang ihres Mannes und ihres Bruders nach Wien wurde Katarina aus dem geplünderten Haus in Čakovec vertrieben und in einem Kloster in Graz eingeschlossen.
Katarina schreibt an Fürst Lobkowitz und bittet um Hilfe: „Ich weiß in meinem Elend schon nicht mehr, was ich beginnen soll. Ich kann durchaus nicht gesund werden und gehe bei lebendigem Leibe zugrunde. Leider habe ich weder Mittel zum Leben für mich noch irgendeine Stütze in meiner Schwäche. Denn obwohl ich alles verloren habe, verlange ich dennoch, dass ich – was meine elende Person betrifft – für eine ehrbare Frau gehalten werde und dass ich nicht mit meiner unschuldigen Tochter, die in diesem Elend bei mir ist, entehrt werde. Nun geht schon der neunte Monat, dass ich nicht die geringste Nachricht von meinem geliebten Gemahl und von meinem einzigen Sohn habe. Ich und mein zehnjähriges Töchterchen befinden uns hier in Graz in so strengem Gewahrsam, dass man keinen Menschen zu uns lässt außer dem Priester, der die hl. Messe feiert. So kann ich mit niemandem sprechen, um ihm die großen Betrübnisse zu offenbaren, die ich, eine arme und kranke Frau, ertragen muss. Möge mir Eure Majestät erlauben, dass meine einzige Tochter Zora Veronika – als Stab meines betrübten Alters, als Trost einer verlassenen Witwe und als Wächterin meiner Krankheit – nicht von mir getrennt werde. Sie wird in Fleiß und Tugend, in edlen Sitten und in Handarbeiten erzogen werden.“ Dennoch wurde die Tochter Zora von der Mutter getrennt und in einem Kloster in Klagenfurt untergebracht.
Katarina, von Krankheit und Tragödien ausgezehrt, stirbt im 48. Lebensjahr im Dominikanerkloster in Graz.
In den besten Jahren ihres Lebens folgte sie der Überlieferung ihrer Familie und förderte den Druck von Büchern für einen breiteren Leserkreis. Meist waren es Gebetbücher, die beliebteste, nicht selten auch die einzige Lektüre der wenigen schreibkundigen Kroaten und besonders der Kroatinnen ihrer Zeit. Sie war sich der Tatsache bewusst, dass auf Kroatisch zu wenige Bücher gedruckt wurden, sie war damit nicht zufrieden und wollte es ändern. Als Beweggrund ihres schriftstellerischen Wirkens hebt sie das auch im Putni tovaruš hervor: „unter fast allen Sprachen der Welt findet man in dieser Zeit am wenigsten gedruckte Bücher in kroatischer Sprache“. Katarina legt in dieser kleinen Berufung ganz klar ihre grundlegenden philosophischen und politischen Überzeugungen dar und zeigt sich, mit einem heutigen Wort gesagt, als ein Mensch mit geschlechterbewusstem Blick, der sich nicht an Männer und Frauen wendet, sondern an Menschen beiderlei Geschlechts, ohne sie nach Ständen und Verdiensten zu scheiden. Besonders wendet sie sich an Reisende und Pilger und hebt hervor, dass ihr Gebetbuch wenig Platz einnimmt und weder viel Sorge noch viel Kosten verlangt: „es bittet um nichts anderes, als dass der Mensch in ihm wie in einem geistlichen Spiegel sich betrachte und Gott bitte, die Heiligen anrufe und für sich und den Nächsten das Heil der Seele gewinne“.
Mit diesem Gebetbuch wollte sie allen Trost spenden, die unter den Kriegen mit den Türken litten, unter Krankheiten und Seuchen, unter häufigen Hungersnöten, unter der groben Tyrannei und der Unbarmherzigkeit des kaiserlichen Heeres, unter einer Wirklichkeit, die den Alltag der kroatischen, der ungarischen und zum Teil der slowenischen Bevölkerung im Gebiet zwischen Ozalj und Čakovec bestimmte:
„Zu nichts anderem auf dieser Welt
Ist der Mensch von Gottes Hand geschaffen,
Als ihm die edle Seele
Mitten im irdischen Paradies gegeben ward,
Als dass er hier so wandle,
So lebe und so pilgere,
Dass er im Tod gerecht befunden werde
Und dass er im Himmel herrsche.
Denn Gott schuf viele Steige,
Viele Wege und viele Weisen,
Damit die Menschen auf ihnen ziehen
Bis zur himmlischen Heimat.
Kehr um, o Mensch,
Kehr um, du bist schon genug
Bisher geirrt, du Ungläubiger,
Um deines zügellosen Lebens willen
Verlass nun die falschen Wege,
Ach, um deines Heiles willen
Mach dich nun auch selbst auf den Weg
Fort von der ewigen Verdammnis.“
Das Gebetbuch Putni Tovaruš ist eine Frucht der aufrichtigen Liebe Katarinas zu Gott und zum Nächsten. Diese Hingabe an Gott und an die katholische Kirche ist in der Familie Frankopan lebendig, seit die Frankopan die kroatische Geschichtsbühne betreten haben, indem sie Kirchen und Klöster bauten und beschenkten. Ohne andere anzuklagen, bewies sie auch in den schwersten Stunden ihres Lebens eine große mütterliche Sorge um die Kinder und um Petar und übernahm bei jeder Gelegenheit die Verantwortung für all das, wessen man ihn beschuldigte.
Zusammen mit seinem Schwager Fran Krsto Frankopan setzte Petar Zrinski den Kampf für die Rechte Kroatiens fort, den sein Bruder Nikola begonnen hatte; so verband er sich mit den führenden ungarischen Anführern und begann die berühmte Zrinski-Frankopan-Verschwörung, die am 30. April 1671 in Wiener Neustadt endete mit der Hinrichtung von Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan.
Vor der Hinrichtung schrieb er seiner Geliebten einen Brief, der durch seinen Anfang „Moje drago Serce“ in Erinnerung geblieben ist. Der Brief wurde ihr nie ausgehändigt. Der Gemahl sendet ihr sein letztes Lebewohl und bittet um Vergebung. Petar ist ein zerstörter und gedemütigter Mensch, dem alles genommen wurde, was man ihm nehmen konnte. Seine einzige Hoffnung ist der allmächtige Gott, vor dessen Thron sie alle gemeinsam »in ewiger Herrlichkeit« zusammenkommen werden. Ihr und der Tochter Aurora Veronika sendet er Gottes Segen.
Mein liebes Herz
Meiner liebsten Herrin, der Gefährtin meines Hauses,
Nunmehr Witwe,
Der Gräfin Ana Katarina Zrinski
Mein liebes Herz. Sei nicht traurig und errege dich nicht wegen dieses Briefes. Nach Gottes Ratschluss wird man morgen um zehn Uhr mir und deinem Bruder das Haupt abschlagen. Heute haben wir uns herzlich voneinander verabschiedet. Deshalb will auch ich mich heute mit diesem Brief von dir verabschieden, und ich bitte dich um Vergebung, wenn ich dich in irgendetwas betrübt oder wenn ich mich in irgendetwas an dir verfehlt habe. Gott sei Dank, ich bin zum Tod bereit und fürchte ihn nicht. Ich vertraue auf den allmächtigen Gott, der mich auf dieser Welt gedemütigt hat, dass er sich meiner erbarmen wird, und ich werde ihn bitten (ich glaube, schon morgen, wenn ich zu ihm komme), dass wir beide vor seinem heiligen Thron in ewiger Herrlichkeit zusammenkommen. Mehr weiß ich dir nicht zu schreiben. Ich habe alles dem Willen Gottes überlassen. Sei du nicht traurig, denn es musste so sein.
In Neustadt (Österreich) am letzten Tag meines Lebens, am 29. April um sieben Uhr abends, im Jahr 1671. Gott der Herr segne dich mit meiner Tochter Aurora Veronika.
Graf Petar Zrinski
Dražen Budiša besorgte die Ausgabe Moje drago srce. Der Brief Petar Zrinskis an Katarina Zrinski in zeitgenössischen Übersetzungen, in der der Brief in mehrere Sprachen übertragen ist. Für ihn ist es „einer der erschütterndsten Texte, die je in kroatischer Sprache geschrieben wurden. Es ist das letzte Blatt eines Mannes, der seine Frau eine Witwe nennt, der mit seinem Schicksal versöhnt ist, der keinerlei Hoffnung mehr auf Begnadigung hat, der aber ruhig und mannhaft die Hinrichtung erwartet. Es ist ein Dokument, das 'den Hauch der Ewigkeit trägt, und solange es normales menschliches Empfinden gibt, wird es immer gleich rührend und erschütternd sein. Dieser Brief hat für uns noch eine weitere Bedeutung – er ist ein Zeugnis von der Tragödie einer Familie, in deren Schicksal sich das Schicksal eines Volkes bricht.“ Als Petar auf der Richtstätte bemerkte, wie die Menge ihn mit einer Art Schrecken ansah, sagte er zu seinem Beichtvater diese heldenhaften und bedeutsamen Worte: „Diese Armen fürchten sich mehr vor meinem Tod als ich.“
Es ist ein Brief aus der Sicht eines Menschen vor dem Tod, es sind seine letzten Gedanken. In dem Brief entsteht ein Bild der Beziehung zwischen den beiden Eheleuten der Adelsfamilie Zrinski. Es ist die Selbstdarstellung Petars vor allem als Ehemann, Vater, Christ und Vaterlandsfreund. Obwohl der Brief kurz ist, hebt er die grundlegenden Werte der Familie Zrinski hervor: Familie, Heimat und Glaube. Obwohl er in einer Lage ist, in der er selbst ungeheuren moralischen Beistand bräuchte, findet er die Kraft, einen anderen Menschen mit unerschütterlicher christlicher und persönlicher Ethik zu trösten. Er erscheint als tapferer Anführer des Widerstands, der das Unrecht doppelzüngiger Menschen erträgt.
Indem er seine Frau „mein liebes Herz“ nennt, zeigt er seine Zärtlichkeit und Zuneigung zu ihr. Der Brief beginnt mit einer Bitte: Sei nicht traurig wegen dieses meines Briefes und errege dich nicht. Er zeigt Sorge um die Nächsten, er will nicht, dass sie traurig ist über die Nachricht, die sie erfahren wird, und bereitet sie auf diese Weise auf den schmerzlichen Augenblick der Wahrheit vor. Er ist bereit, sein Leben zu beenden, und das Einzige, was er noch tun muss, ist, von den Liebsten, von Frau und Kindern, Abschied zu nehmen, und das kann er nur mit einem Brief. Er entwirft ein Bild von sich als einem Menschen, der den furchtbaren Tod durch das Beil nicht fürchtet. Doch der Abschied ist nicht der einzige Grund des Briefes. Er will Abschied nehmen, aber er will auch Vergebung: Deshalb nehme ich nun mit diesem Blatt auch von dir ein ewiges Valete, dich bittend: Wenn ich dich in irgendetwas betrübt oder wenn ich mich in irgendetwas an dir verfehlt habe (was ich wohl weiß), so vergib mir. In der Klammer verrät er, dass er doch etwas gesündigt, das heißt Katarina verletzt hat, was ihn quält, und er bittet die Frau um Vergebung. Denn das Einzige, was ein guter Christ vor dem Tod tun muss, ist zu beichten, und das tut er mit diesem Brief. Er achtet die Sakramente des Christentums, bittet um Gnade und um Vergebung der Sünden. Weiter wendet er sich dem einzigen Trost zu, der ihm geblieben ist, und das ist Gott, das heißt der Glaube: Gott sei gepriesen, ich bin zum Tod gut bereitet und fürchte mich nicht … ich habe alles dem Willen Gottes überlassen. Petar fürchtet als Christ den Tod nicht, denn ihn erwartet das ewige Leben im himmlischen Paradies, auf das er sich sein ganzes Leben lang vorbereitet. Er glaubt, dass Gott das Schicksal bestimmt, und so hat er alles seinem Willen überlassen. Gerade wegen seines Glaubens erträgt und nimmt er die Lage, in der er sich befindet, leicht an und hält dafür, dass es so sein muss.
Kumičić: „Er dachte an Ozalj, an jene Säle, wo er die Jugend mit seiner Katarina verbracht hatte … Und an jene grünen Rasenflächen, wo er mit seinen Kindern gespielt hatte, als sie klein waren! … Oh, wie selig war er gewesen, wenn er ihre freudigen Rufe bei jeder Heimkehr aus der Schlacht hörte! … Wo ist nun seine Katarina! … Seine Katarina! … Als sie noch ein Mädchen war, stand er mit ihr vor einer kleinen Kirche am Hang der Ivančica. Die Sonne ging unter, sie hielten einander an den Händen und betrachteten schweigend die schöne Gegend, das grüne Tal zwischen den bewaldeten Hügeln. Das junge Mädchen, schlank und von zauberhaftem Wuchs, war so lieb mit ihren schwarzen Augen, mit den roten Lippen, mit jenem schwermütigen und sanften Lächeln … Oh, wie lieb war seine Katarina! … Und auch heute ist die Sonne schon untergegangen … Wo ist nun seine Katarina? … Wo sind nun seine Kinder? … Die Sonne wird ihm nur noch ein einziges Mal aufgehen, nur ein einziges Mal, in der Fremde! …“
Kumičić: „Banus Petar lauschte, um schneller einzuschlafen, dem Rauschen des Windes und des Regens, nachdem er kniend vor dem Bild der Seligen Jungfrau gebetet hatte. Dieses Bild hing in einem schönen Rahmen an der Wand. Er lauschte jenem Rauschen, aber er konnte nicht einschlafen: Er dachte an die Frau, an die Kinder … Der gute Gott allein weiß, ob er sie im Leben noch einmal wiedersehen wird! … Bald stand ihm Katarinas Gesicht vor der Seele, bald das Gesicht eines Kindes, dann eines anderen, und dann schien es ihm, als sähe er alle auf einmal, und er wünschte, jeden ihrer Züge möglichst deutlich zu erkennen, sie näher bei sich zu haben … Beklemmung schnürte ihm das Herz zusammen: Ein schreckliches Bild stieg vor seiner Seele auf – das Bild des zerschnittenen Kroatien.“
In Wien bat man um Gnade, doch sie blieben ein Jahr lang in Wiener Neustadt eingekerkert, obwohl Petar Zrinski dem König in geschliffenem Latein einen Brief geschrieben hatte, in dem er seine Taten rechtfertigte und sich auf das Versprechen des Königs berief, ihm werde nichts geschehen, wenn er sich ergebe. Er zählte die großen Verdienste seines Bruders Nikola und seiner Vorfahren auf und bat auf dieser Grundlage um Begnadigung. All das tat er vergebens – nach einem Jahr und einem Monat Gefangenschaft verurteilte ein österreichischer Richter ihn und seinen Schwager verfassungswidrig zum Tod.
Petar wurde mitgeteilt, dass ihm eine Begegnung und ein Abschied mit dem Schwager Krsto gestattet sei. Frankopan sprach als Erster und sagte ihm, er sei gekommen, ihn vor dem Tod noch einmal zu sehen, er bitte ihn um Vergebung für alles, womit er ihn gekränkt habe, er danke ihm, dass er ihn schon in der Jugend gelehrt habe, den Tod nicht zu fürchten, und er hoffe, dass er ihm das auch jetzt als Lehrer und Schwager durch sein gutes Beispiel zeigen werde. Weiter erklärte er, er würde gern sterben, wenn er damit Zrinskis Leben retten könnte, und fügte hinzu: „Mit Gott, ich hoffe, dass wir uns morgen in der anderen Welt umarmen werden, und zwar mit größerem Trost und Frieden als hier.“
Zrinski dankte Frankopan recht schlicht und sehr ruhig für den Besuch. Er erklärte, er fürchte den Tod nicht, so oft habe er ihm in den frühen Gefechten ins Auge geblickt und kenne ihn längst, aber es tue ihm leid, dass auch er, Frankopan, sterben müsse. Er vergab ihm alles und bat ihn, auch er möge ihm vergeben … Dann umarmten und küssten sie einander und wünschten einander ein letztes „Mit Gott“! „Also nur mutig, morgen um diese Zeit werden wir uns in der anderen Welt umarmen.“
„Ehrwürdiger und guter Vater, betet zu Gott für mein Vaterland. Oh, wenn Ihr wüsstet, wie es zertreten ist! Betet für es! Ich vergebe … erbebte Zrinski, gab dem Beichtvater das Kruzifix, zog den Rock aus, nahm aus der Tasche ein seidenes Tuch, wunderschön mit Gold bestickt, betrachtete es, küsste es und seufzte mit größtem Schmerz: „Oh, meine Katarina! …
Zrinski kniete nieder, blickte zur Sonne, küsste jenes seidene Tuch, gab es dem Diener und bat: „Jure, verbinde mir mit diesem Tuch die Augen. Leb wohl, mein guter Jure. Dieses Tuch hat mir meine Katarina vor drei Jahren zum Peter-und-Pauls-Fest geschenkt. Ihre Hände haben es so schön … Wenn du irgendwo meine Katarina triffst, mein Mädchen – gib ihnen dieses Tuch. Jure, sag ihnen nicht, wie viel ich gelitten habe …“
Petar Zrinski starb als Held, ohne Furcht, den Märtyrertod; gewaltsam wurde ihm das Leben genommen, bevor er – mit den Worten des Dichters Nikola Zrinski – „sein ruhmreiches Werk zu Ende geführt“ hatte. Das kroatische Volk hält ihn für seinen Helden und hat ihn würdig in der Zagreber Kathedrale bestattet, nachdem seine sterblichen Überreste 1919 aus Wiener Neustadt zurückgebracht worden waren.
Mit dem Zusammenbruch der Verschwörung fiel Katarina beim Wiener Hof in Ungnade, sie wurde verhaftet und nach Bruck an der Mur (Bruck an der Mur unweit von Graz) gebracht. Im Juli 1670 wurde sie mit ihrer Tochter Aurora in das Dominikanerinnenkloster in Graz interniert, wo sie 1673 auch starb.
- Mladen Klanac
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