Dein Trost ist und muss Gott sein
Eines der Wörter, die wir oft über die Medien hören und das uns langsam in die Ohren und ins Herz dringt, ist: Bedrohung. Ein interessantes Wort. Wir hören es aus militärischen Kreisen, wenn von nationaler Sicherheit und von der Stärkung der Verteidigungskräfte die Rede ist. Im Sommer hören wir von der Bedrohung durch Brände, wir haben von der Bedrohung durch Erdbeben gehört. Viele sind davon bedroht, ihre Arbeit zu verlieren, oder befinden sich bereits in der Bedrohung der Arbeitslosigkeit. Wir spüren die Bedrohung durch ein kleines Virus, das in einem Augenblick die halbe Menschheit lahmgelegt und auch unser Leben beeinflusst hat… Viele erfahren die Bedrohungen der Gewalt, der Ungerechtigkeit, der Einsamkeit …
Die Bedrohung ist unausweichlich, aber der Trost ist stärker. Das Gute ist immer stärker als das Böse. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Wo lassen wir uns „trösten“?
Mehr denn je ist uns klar, dass der Mensch unter Bedrohung lebt und ihr nicht entfliehen kann. Immer bedroht uns etwas. Auch die Gesellschaft mit ihren Institutionen müht sich, uns vor Bedrohungen aller Art zu schützen. Von der Bedrohung des Mangels bis zur Bedrohung durch die Mücken, die uns an diesen Sommertagen quälen. Das Leben des Menschen ist bedroht. Und das ist die Wirklichkeit, die anzunehmen wir gerufen sind. Auf dieser Erde gibt es keine absolute Sicherheit.
Allen Bedrohungen aber liegt die Bedrohung über allen Bedrohungen zugrunde, eine Art Ungeheuer, unsichtbar und doch gegenwärtig. Das Christentum kennt die oben genannten „gewöhnlichen“ Bedrohungen, aber es weist prophetisch mit dem Finger auf die Bedrohung durch die sieben Tod- oder Hauptsünden, wie der Katechismus der Katholischen Kirche sie nennt. Diese Bedrohung ist gefährlich, allgegenwärtig, zerstörerisch und oft unmerklich. Sie kommt von innen. Aus dem Herzen. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen“. (vgl. Mt 15, 19) Der Ursprung dieser Bedrohung liegt in der Erbsünde, der ursprünglichen, angeborenen Sünde unserer Stammeltern, und sie ist in unserer verwundeten Natur verwurzelt. Sie ist geistlicher Art und wird greifbar in einem konkreten Verhalten, das dem Guten widerspricht, das unserer Natur widerspricht, die für die himmlische Wirklichkeit geschaffen ist, für das Gute, Schöne und Wahre. Dieses grundlegende „bedrohliche“ Ungeheuer, dieses Monster, hat sieben Köpfe: Hochmut, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit. Da sind sie ja. Sie sind unter uns. Sie sind in uns. Sie zerstören menschliche Beziehungen. Sie vernichten junge Leben. Sie zerstören Ehen. Sie hindern uns daran, frei zu sein im Sich-Verschenken an die anderen. Sie verursachen Spaltungen, Gewalt, Entfremdung, Angst. Sie zwingen uns, ausschließlich an uns selbst und an unsere kleine Welt zu denken.
Der hl. Thomas Morus führt uns in seinem Buch „Dialog des Trostes in Widerwärtigkeiten“ behutsam von der Bedrohung zum Trost: „Hier will ich etwas sagen, was ich vom hl. Bernhard gelernt habe: wer sich in der Not den irdischen Nichtigkeiten zuwendet und bei ihnen Hilfe und Trost sucht, gleicht einem Menschen, der in der Gefahr zu ertrinken nach allem greift, was ihm in die Hände kommt, und sich fest daran klammert, und sei es auch nur ein gewöhnlicher Stock. Das hilft ihm freilich nicht, denn im Sinken zieht er den Stock mit sich, und so gehen beide unter.“ Die Bedrohung treibt uns zu falschen „Tröstungen“, die verborgene Bedrohungen sind.
Gibt es ein „Heilmittel“ gegen dieses Unheil? Ist es möglich, sich aus dem Rachen dieser Bedrohungen zu befreien? Welche Institution sorgt dafür, uns vor diesen Bedrohungen zu schützen? Die frohe Botschaft ist: Es gibt eine andere Wirklichkeit - und das ist der Trost! Ein wunderbares Wort. Wenn wir getröstet sind, befinden wir uns in einem Zustand des Friedens, von dem wir wünschten, er möge uns nie verlassen. Die Hauptquelle des Trostes und der „Zerstörer der Bedrohung“ ist der Heilige Geist. Der Paraklet. Der Tröster. Im griechischen Original heißt er auch der Ermutiger. Der Stärkende. Eine Art Trainer für das Gute. Auch er hat seine Gaben, die die Bedrohungen zerstören und Tugenden hervorbringen – eingewurzelte gute Gewohnheiten. Der Heilige Geist schenkt seine sieben Gaben: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Das ist das Rezept gegen alle Bedrohungen. Der weise Mensch handelt besonnen, übertreibt in nichts, hört im Gebet auf Gottes Rat, besitzt innere Stärke angesichts der Nöte und Leiden des Lebens, besitzt Gottes Erkenntnis der himmlischen Dinge und versteht, warum die irdischen Bedrohungen geschehen. Er ist fromm, das heißt, er lebt vor Gott und besitzt die Gottesfurcht, das heißt, er sorgt dafür, die Gabe der Liebe Gottes und alle diese Früchte des Trostes nicht zu verlieren.
Thomas Morus führt in seinem Buch ein erdachtes Gespräch zwischen dem Onkel Anton und dem Neffen Vincent an, in dem der Onkel dem Neffen rät: “Denn dein Trost ist und muss Gott sein, nicht ich. Er ist der zuverlässige Tröster, der (wie er zu seinen Jüngern sagte) seine Diener nicht als untröstliche Waisen zurücklässt, nicht einmal dann, als der Tod ihn von seinen Jüngern trennte. Vielmehr hat er ihnen, wie er versprochen hatte, den Tröster gesandt, den Heiligen Geist, der vom Vater und von ihm ausgeht, und er hat ihnen noch versprochen, bei ihnen zu sein bis zum Ende der Welt. Wenn ihr also ein Teil seiner Herde bleibt und seiner Verheißung glaubt, wie, so frage ich mich, könntet ihr in welcher schweren Not auch immer ohne Trost bleiben, wo doch Christus und sein Heiliger Geist und mit ihm der Vater, der von ihnen untrennbar ist, wenn ihr ganz an sie glaubt und auf sie vertraut, niemals weiter als eine Fingerlänge im Raum und eine Minute in der Zeit von dir entfernt sind.“
Die Bedrohung ist unausweichlich, aber der Trost ist stärker. Das Gute ist immer stärker als das Böse. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Wo lassen wir uns „trösten“? In der Kirche. In der christlichen Gemeinschaft. Klingt das zu allgemein? Versuchen wir, konkreter zu sein: in der Familie, der Hauskirche. In der vollkommenen Gemeinschaft Gottes. Mutter, Vater, Kinder. Trost. Das klingt „unbedroht“. Tröstlich. Ein getröstetes Herz ist ein geheiltes Herz. Aus ihm entspringen Vergebung, Gemeinschaft, Selbsthingabe. Das neue Herz ist gerettet. Die christliche Gemeinschaft mit Christus in der Mitte und die Familie als ihr Herzstück wehren die Bedrohung ab. Sie trösten die Gesellschaft und jeden von uns. „Bei der Menge der Sorgen in meinem Herzen erquickten deine Tröstungen meine Seele“ (Ps 94,19)
- Mladen Klanac
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