Mein neuer Freund
Vor Kurzem habe ich das Buch Unter den Flügeln der Engel gelesen (Verlag Stella Maris). Es handelt von einer Ordensschwester aus Brasilien, die sich seit ihrem vierten Lebensjahr der Gegenwart ihres Schutzengels bewusst war. Damals wusste sie nicht einmal, was ein Schutzengel ist; sie nannte ihn „meinen neuen Freund“. Erst später hörte sie in der Schule bei den Ordensschwestern, dass wir alle einen Schutzengel haben. In ihrer Einfachheit dachte sie, jeder verkehre mit seinem Engel so wie sie. Sie hat mich an Heilige erinnert, die ebenfalls diese Gnade hatten, wie zum Beispiel Pater Pio oder Gemma Galgani (wir haben ihre Lebensbeschreibung im Verlag Sion), die meinte, auch andere sprächen mit ihrem Schutzengel wie sie, man schweige aber darüber wie über etwas Intimes. Diese Seelen waren sehr demütig und einfach und haben viel für das Heil anderer gelitten. Sie waren Opferseelen und erhielten darum jenen besonderen Trost wie auch unser Herr in Getsemani, damit sie nicht verzagten: „Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn“ (Lk 22,43).
Eingebungen meines Schutzengels
Der Inhalt dieses Buches hat mich persönlich berührt, weil er mich an die guten Eingebungen erinnert hat, die ich von Kindheit an hatte. Diesen Eingebungen war ich leider nicht so gehorsam wie diese Schwester, und so sind sie mit der Zeit verstummt; heute weiß ich, dass das der Schutzengel ist.
Als Kind hatte ich oft einen starken inneren Antrieb, den Armen etwas von dem Geld zu geben, das ich sorgsam gespart hatte (heute, als Beichtvater, weiß ich, dass viele Kinder denselben inneren Antrieb haben), mit dem starken Bewusstsein, dass ich das im Verborgenen tun soll, damit die Menschen mich nicht loben (obwohl ich damals nicht wusste, dass das im Evangelium steht).
Ich erinnere mich auch, dass ich einmal am Weg eine Zeitschrift mit Nacktbildern fand. Ich steckte sie ein, um sie zu Hause durchzublättern, mit jenem süßen Gefühl, etwas „Verbotenes“ in die Hände bekommen zu haben (bemerkenswert, wie Kinder wissen, wann ein „Baum verboten“ ist). Plötzlich spürte ich einen starken inneren Antrieb, sie in den Müll zu werfen, was ich auch tat. Ich erinnere mich auch an den inneren Kampf und dann an den Frieden, in den ich eintrat, als ich dem Antrieb gehorchte. Es gibt noch viele solcher Eingebungen, an die ich mich beim Lesen dieses Buches erinnert habe. Dieses Buch hat in mir die Reue geweckt, dass ich so oft nicht auf jene Eingebungen gehört habe, die ins Leben führen, sondern auf jene anderen, die anfangs süß sind, aber am Ende in die Sinnlosigkeit, in die Unzufriedenheit und in die Einsamkeit führen. Es kam auch die Dankbarkeit gegenüber meinem Schutzengel und natürlich gegenüber Gott, dass er mich trotz all meiner Sünden und Inkonsequenzen nicht aufgegeben hat. Ich wundere mich, dass der Engel nicht vor mir geflohen ist; noch heute zeigt er mir hin und wieder, dass er da ist...
Beim eigenen Schutzengel den Weckdienst bestellen
- Es ist bekannt, dass man bei seinem Schutzengel den Weckdienst bestellen kann. Besonders dann, wenn wir in der Nacht zum Gebet aufstehen wollen. Viele Male habe ich ein solches Engelswecken erlebt, und viele haben mir gesagt, dass sie diese Erfahrung oft gemacht haben. Ihr habt es noch nicht versucht? Versucht es. Manchmal kommt dieses Wecken unbestellt und nicht gerade sanft, aber es kann Leben retten...
- Im ersten Jahr meines Priestertums war ich Kaplan in Velika Gorica bei dem inzwischen verstorbenen heiligmäßigen Priester Frkin. Einmal blieb ich allein in der Pfarrei und ging in mein Zimmer, um mich auszuruhen (es liegt getrennt vom Pfarrhaus). Ich schlummerte ein. Plötzlich, als hätte mich jemand in die Rippen gestoßen (vgl. Apg 12,7), ein heftiges Erwachen und ein starker innerer Antrieb: „Du musst hinuntergehen“. Ich ging hinunter ins Pfarrbüro und dachte: „Was nun?“ Da läutete an der Tür eine Person, die sich in einer schweren Lage befand und sich das Leben nehmen wollte; der Priester war ihre letzte Hoffnung, obwohl sie bis dahin nicht in die Kirche gegangen war. Wäre ich nicht hinuntergegangen, hätte sie niemanden angetroffen.
- Vor Kurzem bin ich am Steuer eingeschlafen. Ich wachte genau vor einem Baum auf und schaffte es, auf die Straße zurückzukehren. Fünf Minuten nach dem Vorfall, um Mitternacht, rief mich eine Schwester im Glauben an (die Mutter eines Priesters). Sie sagte mir, sie habe gespürt, dass ich in Gefahr war, und habe sofort begonnen, meinen Engel zu bitten, mich zu retten?!
- Ich kenne einen Priester aus dem Bistum Požega, der, wenn er Schwierigkeiten mit jemandem hat, zu dessen Schutzengel betet – und die Dinge lösen sich. So hat einmal der Sohn einer Pfarrangehörigen Geld gestohlen, das für die Armen bestimmt war; er betete zum Schutzengel des jungen Mannes, dass er das Geld zurückgebe. Und er gab es zurück. Derselbe Priester hat eine Nahtoderfahrung durchgemacht; er sagt, er habe damals „das andere Ufer“ gesehen.
- Meine Mutter, die oft zum Schutzengel betet, hat unglaubliche Erlebnisse gehabt, von denen ich nur eines erwähnen will... Sie hatte den falschen Hausschlüssel in der Hand, den ihr mein Vater versehentlich gegeben hatte. Überzeugt, es sei der richtige Schlüssel, versuchte sie nervös, die Tür zu öffnen, weil sie es eilig hatte. Doch es ging einfach nicht... Da rief sie flehend: „Schutzengel, öffne mir!“ Und sie schloss die Tür auf und trat ein. Später haben wir den „Trick“ versucht, die Tür mit diesem falschen Schlüssel aufzuschließen. Doch wir haben es nie wiederholen können.
„Von Neuem beginnen...“
Als ich einmal Marino Restrepo im Auto fuhr (ein Konvertit und Autor des bekannten Buches Aus der Finsternis ins Licht), stellte ich ihm tausend Fragen, weil ich gehört und mich selbst überzeugt hatte, dass er die Gabe der Erkenntnis besitzt und „wie aus der Pistole geschossen“ auch auf sehr schwere Lebensfragen antwortet. Ich fragte ihn unter anderem über die Schutzengel. Er sagte mir: Wenn ein Mensch in der Gnade ist, geht der Schutzengel vor ihm her und bahnt den Weg, damit sich in seinem Leben der Wille Gottes erfüllen kann. Wenn ein Mensch in der Todsünde lebt, sind dem Engel die Hände gebunden, und er ist nur als Zeuge anwesend, während vor ihm der Böse hergeht und „die Dinge richtet“, damit sich im Leben dieses Menschen der Wille Gottes nicht erfüllt; der Böse führt ihn und durch ihn auch andere ins Verderben.
Bemerkenswert. Aus Erfahrung weiß ich, dass es so ist. So oft haben sich die Dinge ungeplant vollkommen gefügt, dass ich mich daran gewöhnt habe und die unglaublichen Zufälle gar nicht mehr bemerke. Ich habe die Erfahrung des Lebens in der Gnade, leider aber auch in der Sünde. Ich weiß: So wie es göttliche Charismen (Gaben) gibt, so gibt es auch teuflische „Charismen“, die dem Menschen den Zugang zur Sünde erleichtern und ihn mit denen verbinden, die ihn ins Verderben führen werden. „Wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen... die bösen Geister“ (Eph 6,12).
So ist in mir der Wunsch aufgekommen, neu zu beginnen. Von Neuem jenes kleine, einfache, demütige Kind zu sein, das auf Gott hört. Was für ein Narr war ich, als ich geglaubt habe, der Ungehorsam gegen Gott sei sympathisch und der Gehorsam „strebermäßig“... Das ganze Chaos dieser Welt kommt aus unserem Ungehorsam gegen Gott. Und Gott spricht klar und deutlich, und er flüstert uns auch durch den Schutzengel zu. Alles Böse in dieser Welt und in unserem Leben gibt es, weil der Mensch auf den Bösen hört, auf den Versucher. Wir sind blind. Wir sehen die ernsten Folgen des Ungehorsams nicht, die überall um uns und in uns sind.
Ich grüße euch so, wie der heilige Ludwig Maria von Montfort seine Briefe zu beenden pflegte: Ein Gruß euch und euren Schutzengeln!
Was sagt der Katechismus der Katholischen Kirche über die Schutzengel?
Nr. 330: »Als rein geistige Geschöpfe haben die Engel Verstand und Willen: Sie sind personhafte und unsterbliche Geschöpfe. An Vollkommenheit übertreffen sie alle sichtbaren Geschöpfe.«
Nr. 336: »Vom Beginn des Lebens an bis zum Tod ist das menschliche Leben von ihrem Schutz und ihrer Fürsprache umgeben. Ein jeder Gläubige hat einen Engel als Beschützer und Hirten zur Seite, um ihn zum Leben zu führen.«
- Mladen Klanac
- Zugriffe: 50






