Ich habe alle Menschen geliebt und für alle gearbeitet. Mein Leben ist das Staunen über alles Göttliche, das unaufhörlich vor unsere Augen tritt.
Bonaventura Duda nannte sich selbst gern einen Menschen der Sehnsucht. Er war ein Mensch der Sehnsucht sein ganzes Leben lang. Und – je weiter seine Tage voranschritten – umso stärker. Dabei mühte er sich unermüdlich, der Sehnsucht entgegenzugehen, sich um ihre Verwirklichung zu mühen.
Doch ebenso war er auch ein Mensch des Entzückens. Wenn sich eine seiner Sehnsüchte erfüllte, wenn er sich von der Schönheit, der Güte und der Wahrheit überzeugte, die in eines Menschen Leben gereift waren, dann freute er sich gewaltig. Seine Freude war geradezu ansteckend. In seiner Nähe trug sie auch viele um ihn her.
Stjepan Lice, aus dem Buch Ich lebte zur Zeit des Fra Bonaventura Duda
Bonaventura Duda hat eigentlich sein ganzes Leben ohne Vater und Mutter gelebt. Deshalb liebte er auch das Weihnachtsfest so sehr und erlebte die Heilige Familie als die seine: „Wollt ihr Weihnachten gut feiern? Findet einen Weg, jemandem Weggefährte und Mitleidender zu sein und, wenn möglich, auch der, der ihn erfreut. Vielleicht wird das gerade durch ein hilfloses Schweigen geschehen. Wenn ihr aber könnt, findet einen Weg, dass es – ohne jemanden zu stören – durch die Tat geschehe“.
Antica Duda wurde von einem uns unbekannten Mann schwanger und gebar am 14. Januar 1924 in Rijeka einen Sohn, der in der Taufe Roko genannt wurde. Es gibt ein Bild eines Mannes in der Uniform eines Marineoffiziers, auf dessen Rückseite Duda kurz vor seinem Tod mit zitternder Hand geschrieben hat: „höchstwahrscheinlich mein Vater“. Zum Grund seines Wesens gehört der Schmerz, den Vater nicht gekannt zu haben, von dem er „zufällig“ gezeugt wurde und dessen Fotografie – die eines stattlichen Mannes in Offiziersuniform – er eifersüchtig und im Verborgenen aufbewahrte und oft in seinen Händen hielt: „Meinen Vater habe ich nur ein einziges Mal gesehen, von hinten. Die Tante hat ihn mir in Rijeka gezeigt, bei den Kapuzinern, als er an uns vorbeiging“.
Schon mit drei Monaten lebt er bei der Schwester seiner Mutter, Marija, auf Krk, und seine Mutter sah er seit seinem siebten Lebensjahr nicht mehr, denn sie lag, an Schwindsucht erkrankt, zwei Jahre vor ihrem Tod im Krankenhaus, und er hatte kein Geld für die Reise, um sie zu besuchen. Sie starb, ohne dass er sie noch gesehen hätte. Später bezeugte er, dass er sich nicht einmal an ihr Gesicht erinnere, sondern nur an die wunderschöne Stimme, mit der sie ihm sang: „Meine Mama diente in den Krankenhäusern in Rijeka, in Sušak, in Zagreb, in Petrinja … bis sie im Januar des Jahres 1934 starb, und zwar bei denselben Ordensschwestern, bei denen auch ich Zuflucht gefunden hatte, im Sanatorium in Klenovnik. Sie hat einen schönen Eindruck bei mir hinterlassen, durch ihren eifrigen Einsatz mit den Mädchen von Krasa im Kirchengesang und dann durch die lebendige Teilnahme an der Sonntagsliturgie. Den Todestag meiner Mutter habe ich für den großen Tag meiner Primiz gewählt, gefeiert bei der Muttergottes von Trsat, im Jahr des Herrn 1950. Bei zahlreichen Gelegenheiten ging ich auf den Friedhof, wo sie begraben ist, aber nicht an ihr Grab. Im Leben äußerst arm, hatte sie kein eigenes Grab, und so betete ich vor dem zentralen Kreuz. Möge sie sich in Gottes Ewigkeit freuen.“
An die Zeit der frühesten Kindheit binden ihn tiefe Erinnerungen an Tante Marija: „Tante Marija, die Schwester meiner Mutter, war – durch die Gabe der unendlichen Vorsehung – meine wunderbare „Ersatzmutter“. Sie hatte die tiefsten Empfindungen für mich; vom dritten Lebensmonat an und die ganze Kindheit hindurch war sie mir alles“. Er erinnert sich, dass er als Fünfjähriger auf einem Esel mit Tante Marija und der Tante mütterlicherseits nach Gorica zur Muttergottes von Gorica gepilgert ist: „Obwohl ich arm mit der armen Tante Marija lebte, fühlte ich mich glücklich, überglücklich. Diese einfache, sehr fromme Christin wurde zu meiner wahren erziehenden Mutter. Sie war ein ganz und gar froher Mensch. In ihr erlebte ich schon damals die Schönheit dessen, was der christliche Glaube in die Gewissen und in die Leben der Menschen hineinträgt. Diese Güte und dieser Einklang. Oh, das ist göttlich…Wenn ich jetzt an meine Kindheit denke – und so war es auch weiterhin in meinem Leben –, habe ich das Gefühl, dass ich damals Gottes Luft eingeatmet habe, Gottes Gnade, und dass ich in einer glücklichen Übereinstimmung zwischen Armut und Getrenntsein von meiner Mutter durch Tante Marija ganz von selbst meine natürlichen Fähigkeiten entwickelte und meine erste Glaubensverkündigung empfing. Die unendliche Liebe, der Geist der Frömmigkeit und das gute Beispiel der Tante Marija strömten in meine Seele über. Meine Großmutter kannte alle Sonntagsevangelien auswendig. Schon als solcher, als ein Kleiner von fünf, sechs Jahren, konnte ich die ganze Passion Jesu nach Matthäus auswendig „singen“, was ich unbefangen und arglos auch außerhalb der Kirche tat. Ich hörte mit aller Aufmerksamkeit zu, wie die Dorfsänger am Palmsonntag die Passion Jesu sangen. Aus der Heimat brachte ich eine im Schatten der Kirche erzogene Seele mit, aber – da ich der Jüngste in der Klasse war – und Sušak eine Hafenstadt ist – auch die ganze Fähigkeit des Wachses, aus dem sich jede Figur formen lässt. Dort also, schon in der frühen Kindheit, hat mir Gottes Hand die Gabe der Nähe gereicht. Diese Gabe habe ich nie mehr aus meiner Seele fahren lassen“.
Einen besonderen Platz auf seinem Knabenweg nahm der Wunsch nach der Schule ein: „Mit fünfeinhalb Jahren schrieb er sich selbst in die Grundschule im Dorf Kras ein (1929–1933). Ganz von mir aus, von niemandem überredet, machte ich mich mit fünfeinhalb Jahren auf zum Schulgebäude…, die Lehrerin Nevenka spürte, dass es sich nicht um einen unvernünftigen Wunsch eines unreifen Jungen handelte. Im Gegenteil, sie sah, dass sie ein kluges und ungewöhnliches Kind vor sich hatte. Bald fand sie einen Weg, mich einzuschreiben. So begann ich schon mit fünfeinhalb Jahren meinen Gang durch die Schule. Heute weiß ich, dass Alter und Persönlichkeit nicht notwendigerweise bei allen Menschen gleich verlaufen. Ich hatte ein inneres Gefühl eines „erwachsenen“ Verhältnisses zum Wissen. Von klein auf war ich cuppidus scientiae (wissbegierig). Aber trotzdem blieb ich ein Junge, der seine Altersgenossen liebt. Gern spielte ich mit ihnen, sprang, sang“. Von der ersten Klasse an und die ganze Schulzeit hindurch waren seine Noten hervorragend, er war ein außerordentlich begabter Schüler.
Als die Tante ihn nicht länger in die Schule schicken konnte, gibt sie ihn zu einer anderen Tante; doch im besetzten Rijeka entdeckt man Duda, der im italienischen Teil lebte, als kleinen kroatischen Zuwanderer und weist ihn aus. Er kommt in Sušak unter, lebt auf Dachböden bei Hafenarbeitern, isst zu Mittag in der Armenspeisung mit den übrigen Armen; er war ein Kind, das für sich selbst sorgt. In einem bestimmten Augenblick ändert sich sein Leben dennoch. In der Kirche bittet er eine Ordensschwester um die Erlaubnis zu ministrieren, aber sie weist ihn ab, bis zu jener Gelegenheit, als wegen der Kälte kein einziger Ministrant kam; da gibt Schwester Danila Rokos Beharrlichkeit nach und erlaubt ihm zu ministrieren. Diese Ordensschwester wird ihm da wie eine Mutter, und er bleibt zwei Jahre in Sušak: „Schwester Danila, die mich ebenfalls tief im Herzen empfand, trug in meine Seele die Erfahrung der Ordensbereitschaft für die Annahme der Berufung Gottes hinein, mehr durch das Beispiel des freudigen Dienstes vor dem Altar des Herrn als durch irgendein Zureden“.
Dennoch musste er sich in frühem Alter von beiden Ersatzmüttern trennen: „Eine wunderbare innere Nähe strömte in mir zu diesen lieben Menschen hin. Für die eine wie für die andere war der Schmerz des Abschieds in ihren Herzen groß. Meine Offenheit für Gottes Vaterschaft aber war noch größer. Sie sahen das, und so haben sich diese meine beiden „Ersatzmütter“, beide von Gott ergriffen, nach aufrichtigen Gesprächen darin geeinigt: „Er soll gehen, in Gottes Namen!“. Ich spürte eine tiefe Berufung Gottes. Von dorther kam mir die geistliche Kraft. Der Mut beim Abschied kam mir von innen. Ich fühlte mich frei“.
Im Alter von 11 Jahren ruft ihn der Guardian, in das Kloster nach Varaždin überzusiedeln, und sagt ihm, er müsse nicht Priester werden, man werde ihm aber Schulbildung und ein Dach über dem Kopf ermöglichen. Roko stimmt freudig zu; er erinnert sich, wie die Frauen Kleidung für ihn sammelten, damit er etwas mitzunehmen hätte, setzt sich in den Zug und kommt nach Varaždin. Wegen seiner Armut und seiner Verlassenheit war in ihm immer eine bescheidene Seele lebendig, jener echte franziskanische Geist.
Der hl. Franziskus und Assisi haben in seinem Leben einen besonderen Platz: „ Mein heiliger Franziskus? Er ist mir der nächste Vermittler Jesu Christi, freilich neben Maria, der Mutter Jesu. In Assisi fühlte ich mich irgendwie zu Hause. Mir ist, gleich jetzt werde ich Franziskus begegnen. Und da ist ein Junge. Unter dem Arm trägt er eine Wassermelone, eine leibhaftige, echte. Ich trete zu ihm, wir kommen ins Gespräch. Wie nennt ihr das, ich meine die Wassermelone? Wozu braucht er sie? Das wird ihr Abendessen sein. Wie viele sind sie? Acht. Was gibt es sonst noch zum Abendessen? Das ist alles. Damals litt ich selbst Mangel, ein armer Student. Und ich war auch nicht freigebig, ich hatte eine etwas geschlossene Hand. Dennoch finde ich fünfzig oder hundert Lire, das wäre für die Straßenbahn gewesen. Ich reiche sie ihm für Brot. Fröhlich ist er davongelaufen. Noch lange danach zehrte ich von dem Blick, mit dem er mich beschenkte. Er kehrte nach einem Jahr zurück und bezeugt weiter: Ich stieg an der Station Santa Maria degli Angeli aus (…) Doch schneller, als ich erwartet hatte, brach die Dunkelheit herein. In den Weilern gab es noch keinen Strom. Ich verlor die Richtung. Hier und dort hörte ich Stimmengemurmel in den Häusern. Vor einem bleibe ich stehen und rufe, ob mir jemand den Weg zeigen könne (…) Plötzlich stürzt ein Junge aus dem Haus und fällt mir um den Hals: „È lei, padre! Sind Sie es, Pater!“ Wer hätte ihn erwartet: es war jener Junge, dem ich vor einem Jahr begegnet war. Er stellte mich seinen Eltern vor und führte mich fröhlich, wie einen alten Freund, zu San Damiano“.
Fra Bonaventura Duda: „Ich habe mich nie verliebt. Aber ich erinnere mich an Mädchen, die mir gefallen haben. Sich zu verlieben kann gefährlich sein, tragisch, es kann aber auch nützlich sein...“.
„Ich habe alle Menschen geliebt und für alle gearbeitet. Mein Leben ist das Staunen über alles Göttliche, das unaufhörlich vor unsere Augen tritt. Ich könnte sagen, dass mein ganzes Leben ist: o quam bona ventura („wie herrlich ist das, was da kommt“). Vor allem empfinde ich, dass ich vielen Menschen etwas schulde. Fromm würde ich es so sagen: auf den Weg meines Lebens hat Gott viele Menschen gesandt, die mir das Leben schöner gemacht haben, die mich zum Guten, wenigstens zum Besseren geprägt haben... Ich könnte – wie aus einem Mosaik – viele Steinchen, kleine Augen herausnehmen, von denen ich erkenne, dass sie die ihren sind, der Einfluss gerade dieses und jenes, ja sogar dieser und jener Persönlichkeit. ...Und ich habe mich für vieles begeistert; und am Ende ist es mir zugefallen, mich der Bibel zu widmen, näherhin dem Neuen Testament, noch besonderer dem hl. Paulus. Schwester Danila wird in meiner Erinnerung als die Mutter meiner franziskanischen und priesterlichen Berufung bleiben. Dazu gehören auch andere Menschen, zuerst meine Tante Marija und dann von Trsat P. Leonardo Novaković, der damals Guardian war und davor siebzehn Jahre lang Novizenmeister. Und wenn ich sagen wollte, wer das größte Verdienst hat, würde ich wahrhaftig alle drei nennen, aber auch noch viele andere Menschen. Freilich, vor allen und nach allen die Gnade Gottes, die sich auch ihrer bedient hat...Durch meine Seele ziehen gern die Verse: „Es gibt geheime Orte in uns - Die in Zukunft leben werden... Man muss sie gut verbergen - den Sauerteig dessen, was sein wird. Nach Tin bin auch ich ein Mensch der Zukunft! “ (Gesammelte Werke, XV, 224)
Er erinnert sich, wie er sich während der Bibelübersetzung mit Jure Kaštelan befreundete, dem Literaturprofessor und Dichter, und wie er eines Tages durch die Schlucht des Flusses Cetina zu dessen Geburtshaus ging: „Er war entzückt, dass ich, ein Franziskaner und Priester, zu seiner alten Mutter kommen konnte, einer geborenen Mandić, in entfernter Verwandtschaft mit dem damals seligen Leopold Mandić. Ich bemerkte, wie all die großen Bühnen der Welt – die Universität in Zagreb, das Ansehen im Kreis der Literatur, das Lektorat an der Sorbonne in Paris und dergleichen – einen Menschen nicht so anrühren können wie die Begegnung mit der Mutter, einem einfachen Menschen“.
„Ich hatte nie vor, Bibelwissenschaft zu studieren. Übrigens beginnt diese Spezialisierung erst am Ende vieler Studien. Zu meiner Zeit sprach man davon wie von etwas Unerreichbarem. Man muss Sprachen können... Sie schickten mich an die franziskanische Universität nach Rom, damit ich in Theologie promoviere. Ich verteidigte eine Dissertation über Ivan Stojković aus Dubrovnik (+1443) und seine Lehre über die Kirche auf dem Konzil von Basel. Einige glückliche Umstände bewogen meine Freunde, ältere, mich zu überreden, ich solle nun ein weiteres Studium am Päpstlichen Bibelinstitut beginnen. Und, wie ein verstorbener Professor von mir gesagt hätte: „Es ging!“ Um das Jahr 1965 hörte man bei uns von allen Seiten Stimmen – immer erinnere ich mich an jene wunderbaren „Stimmen“ im Leben der Jeanne d'Arc! –, die von der Notwendigkeit der Bibel sprachen. Auch ich selbst empfand die Notwendigkeit einer neuen Übersetzung, aber nicht im Geringsten, dass ich daran mitwirken würde. Und da fand ich mich plötzlich mitten in der Arbeit. Man musste es einfach anpacken. Damals sagte Tomislav Ladan in einem wichtigen Gespräch: „Es gibt Augenblicke und Umstände, in denen man nicht fragt, ob wir fähig sind, sondern ob wir müssen. Und dann muss man sich anstrengen, es ordentlich zu machen.“ So war es damals irgendwie auch mit unserem Bibelteam. Und jetzt? So vieles würde ich noch gern. Doch ich erinnere mich aus den ersten Studienjahren: in jener kleinen kroatischen Enzyklopädie las ich eine indische Weisheit: „Pflüge kein zu weites Feld, damit dir die Kraft nicht ausgeht!“
„Fra Bonaventura Duda ist gewiss auch der bekannteste Franziskaner in Kroatien, ein Mensch außergewöhnlicher Gaben und außergewöhnlichen Fleißes – Franziskaner von ganzem Herzen, verliebt in den hl. Franziskus und in das Franziskanertum, ein begeisternder Verkünder des Evangeliums. Und vielleicht immer noch auch der beste Sohn des hl. Franziskus. Neben ihm fühlt sich niemand klein, zurückgesetzt, übergangen. Das ist verständlich, denn er ist immer der Mindere Bruder und gibt uns allen das Recht, größer und wichtiger zu sein als er. Durch Bruder Bonaventura und durch ihn sind auch wir Franziskaner der kroatischen Franziskanerprovinz der hll. Cyrill und Method ein wenig besser geworden und sind mehr Söhne des hl. Franziskus, als wir es ohne ihn wären. Ich darf auch sagen, dass die kroatischen Franziskaner des letzten halben Jahrhunderts mehr oder weniger das erkennbare Siegel seines Franziskanertums tragen. Was meine Brüder und ich täglich erleben, ist, dass Bonaventura vor allem ein echter Sohn des hl. Franziskus ist und uns Jüngeren daher ein Lehrer eines wirklichkeitsnahen, bleibenden und treuen Franziskanertums. Sein hohes Alter hat ihn nicht von den Menschen entfernt, denn er will ihnen nicht Lehrer sein und will ihnen am allerwenigsten die eigenen Ansichten aufzwingen. Er ist ein Mensch, der Gott und Gottes Werke in den Menschen bewundert, und darum ist er ein lieber Mensch, der in viele Herzen eingetreten ist; und das ist ein Zeichen dafür, dass der, der Gott nahe sein will, auch dem Menschen nahe ist. Der Lebenswahlspruch unseres Fra Bonaventura – der auch auf dem Primizbildchen steht – lautet: „Jesus, unendliche Güte!“. Mit diesen Worten bekennt Fra Bonaventura, dass Jesus Christus seinen Lebensweg gezeichnet hat, und Jesus Christus schreibt er jeden seiner Lebensschritte und jedes seiner Lebenswerke zu, besonders jene Werke, die wir zusammen mit ihm als Wagnisse zum Wohl unserer heimischen Kirche ansehen. Das sind die Entstehung von Glas Koncila, die Herausgabe der Bibel und die Verbreitung des Gedankenguts des Zweiten Vatikanischen Konzils. Diese und viele andere Werke betrachtet Fra Bonaventura nicht als die seinen, und er meint nicht, sie seien die Frucht seiner Begabung und seiner Arbeit, sondern er schreibt sie Gott zu, aus dessen Händen er das Leben, alle seine Gaben und alle Herausforderungen zu schöpferischen Werken empfangen hat. Darum: „Jesus, unendliche Güte“, danke Dir, dass Du unserer franziskanischen Bruderschaft einen solchen Menschen und einen solchen Bruder wie Fra Bonaventura geschenkt hast“. (Fra Željko Železnjak, Provinzialminister)
„Warum betone ich so sehr, dass ich zuallererst Franziskaner bin? Nun, öfter sage ich: wisst ihr, das ist das Einzige, was ich mit mir selbst bezahlt habe. Das Franziskanersein betrachte ich als die Gestalt meines Christseins. Freilich, ich bin auch als Christ Professor, wenigstens möchte ich es sein. Aber das kam später hinzu. Übrigens, wenn ihr es wissen wollt: auf das Franziskanersein bin ich gerade durch die reine Güte Gottes gestoßen. Eines Tages gefiel mir das als meine persönliche Form der Existenz. Und das war sehr früh, im elften Lebensjahr. Und noch heute setze ich mich gern auf Trsat unter die Kastanie – leider steht dort jetzt eine hässliche Garage –, wo zwei alte Franziskaner (Leonard Novaković und Anaklet Zadravec) sich über mich beraten haben. Es schien ihnen, dass aus mir etwas werden könnte... Und je mehr ich wuchs, desto mehr erfuhr ich, dass man sich das erkämpfen und, wie ich sagte, mit sich selbst bezahlen muss. Eigentlich habe ich mich selbst gekauft. Ich hoffe, dass ich so durchhalte, dass die anderen mich aushalten und auch tragen werden... „Nicht ich, sondern die Gnade Gottes in mir“, würde der hl. Paulus sagen“.
„Unsere Berufung ist es also nicht, das Evangelium nur in unserem eigenen Leben lebendig werden zu lassen, sondern das Evangelium auch in der Welt lebendig werden zu lassen. Das ist die Berufung des Franziskanertums. Da also das Evangelium um des Lebens willen geschrieben wurde, gibt es wahrhaftig keinen größeren Dienst an Gott und an der Menschheit als den Dienst am Evangelium, als das Leben für das Evangelium. Aber so wie es Menschen gibt, die ihr halbes Leben nach der Lehre des Evangeliums eingerichtet haben und die andere Hälfte des Lebens nach den Grundsätzen der Welt einrichten (sie versuchen, ein doppeltes Leben zu leben!), so gibt es Menschen, die nur die Hälfte ihres Lebens für das Evangelium hingeben. Das Übrige behalten sie für sich, um es den Freunden dieser Welt zu schenken. Und ewig fühlen sie, dass sie nur die Hälfte ihres Lebens haben - aber nicht jene, die sie für sich behalten haben, sondern jene, die sie dem Evangelium gegeben haben. Wer also sein ganzes Leben haben will, der gebe es ganz für das Evangelium hin! Der Sauerteig des heiligen Evangeliums möge also den ganzen Teig durchsäuern, unser ganzes Leben: dass unser ganzes Leben nach dem Evangelium sei und dass es sich ganz für das Evangelium verzehre! Das ist der letzte Gedanke des heiligen Franziskus. Das ist der volle Sinn des Franziskanertums. Ein Leben nach dem Evangelium und für das Evangelium!“.
„Immer habe ich die danielischen Seelen geliebt, die der Engel Gabriel so genannt hat, wie einst den Daniel: „... denn du bist ein Mann der Sehnsüchte“ ... Vir desideriorum – Mann der Sehnsüchte, dieser Ausdruck hat mir immer gefallen“. Ein glückliches Leben bedeutet viele Träume, die sich einer nach dem anderen verwirklichen: „Träumt also, meine jungen Freunde. Träumt, wie alle großen Menschen des Alten Testaments geträumt haben! Träumt wie das Kind Jesus in den Armen Marias! Und der Herr möge euch alle eure schönen Träume im Lauf des Lebens verwirklichen lassen. Das wollte ich in mir haben und bei anderen wecken. Danach hat mich meine Tante 1947 gefragt. Dieselbe Frage. Wir warteten in Omišalj auf das Schiff. Die Tante hat mich von klein auf erzogen. Ich sage: „Ja, ich bin glücklich“. Und sie: „Nie hast du viel verlangt, und nie hast du irgendetwas gefordert. Ich habe nie die Hand gegen dich erhoben, weil ich nicht deine leibliche Mutter war. Übrigens hatte ich es auch nicht nötig“. Ich war nie unglücklich. Ich hatte schwere Stunden, aber unglücklich war ich nicht“. Fra Emanuel Hoško fügt hinzu: „Duda war und blieb ein „Mensch der Sehnsüchte“. Viele Sehnsüchte hat er verwirklicht, eigene und fremde. Viele haben ihn kennengelernt, und unzählig sind jene, die seinen Werken begegnet sind. Oh, wenn doch diese verschiedenen Begegnungen alle zum selben Schluss führten: ein „Mensch der Sehnsüchte“ ist notwendigerweise ein Mensch, der von den Nöten der Zeit beeindruckt ist und auf sie antwortet, indem er die Sehnsüchte in Werke verwandelt“.
„Nie hat er versucht, ein Mensch des Kompromisses zu sein, und wir alle haben immer an seine gute Absicht und an seine höchste Fachkenntnis geglaubt. Es war nicht möglich, ihn geringzuschätzen und zu übergehen; es war ganz klar, was er denkt – und wohin er gehört –, und dennoch war es unmöglich, ihn als Gegner zu erleben. Auch wenn er schwieg, leuchtete aus ihm die Güte des Evangeliums hervor – ohne die geringste aufgesetzte Gefälligkeit. Auch wenn er spricht und wenn er schreibt – und wenn er singt und wenn er musiziert. Niemals in ihm eine Anstrengung, dem Gesprächspartner zu gefallen, niemals ein Unbehagen wegen der eigenen oder der anderen abweichenden Meinung. Aber das waren keine Kompromisse, die Konflikte vermeiden, sondern eine ausgestreckte Hand der Verständigung. Und regelmäßig bemühten wir uns, seinen Standpunkt zu begreifen und rasch zuzugeben, dass er recht hat – auch wenn wir ihn nicht in seiner Gänze annehmen konnten. Dabei war wichtig, dass sein noch so kritischer und erheblich abweichender Standpunkt keine persönliche Position war, die uns zu Gegnern oder Anhängern macht, sondern ein Einblick in die wirkliche Lage, die auch sehr schmerzlich sein kann, aber nie als feindlich erlebt wurde. Und niemals hast du dich dabei besiegt gefühlt, sondern erleuchtet. Nah und aufrichtig, ohne Kompromisse, einfach ohne Vereinfachung. Und in vielen Fragen in unserem Umfeld war er immer unumgänglich“. Don Živko Kustić
Einen besonderen Platz nahm in seinem Leben die Liebe zur Heimat ein: „In jenen schweren Kriegszeiten, als „an unseren Grenzen/ und im Herzen selbst unserer schönen Heimat/ am Werk (ist), am Unwerk (ist)/eine große, missgestaltete Lüge“, offenbart Duda seine gewaltige Vaterlandsliebe in inspirierten Versen, indem er Wahrheit und Liebe verkündet und die Stimme gegen Hass, Lüge und Zerstörung erhebt. In einer bibliophilen Ausgabe, vor dem Hintergrund der Flammenden Wand von Željko Lapuh, spricht Fra Bonaventura von der Liebe zur verwundeten Heimat mit den Worten: „Wann wird die Arche Noach wieder/irgendwo auf den Bergen Ararat ruhen/oder in den Ebenen – hier, bei uns?“ (Meine Seele wartet, 1991). Tief berühren wird ihn Das Vukovarer Vaterunser von Želimir Ciglar, das in dem Buch Vaterunser aus Kroatien von Đurđica Ivanišević erscheint, welches mit Dudas Nachwort schließt, in dem er schreibt: Und in jenem Kehrvers, den ich schon als Junge, als kleiner glagolitischer Sänger von Krk, bei der Messe sang: „Erlöse uns von dem Widersacher!“ – und von der Unfreundlichkeit und vom Feind –, höre ich, je älter ich werde, umso mehr einen Ruf zur Freundschaft. Dass wir Freunde seien und der Freunde würdig werden. Die Zeit ist böse und voller Anfechtung. In ihrem Sonntagsgebet des Vertriebenen ahnt Đurđica Ivanišević schmerzlich die Bosheit der Zeit (...) Wir werden den Feind überwinden, wenn die böse Zeit uns stärker zusammenrückt, wenn wir immer mehr, wenigstens untereinander, Menschen und Freunde werden, verträgliche und erträgliche Menschen. Und in nichts wird uns der Feind an den Grenzen schaden können, wenn wir wenigstens innerhalb unserer Grenzen Freunde sind“.
Zu erwähnen ist auch das Gebetbuch des Soldaten, dem Umfang und dem Aussehen nach nicht groß, aber damals eine außerordentlich wichtige praktische pastorale Antwort auf die große Belastung und Lebensgefahr, in der der kroatische Soldat damals lebte, sowie die interessante Tatsache, dass die meisten von ihnen einen Rosenkranz trugen, ohne selbst fast ein einziges Gebet zu kennen. Auf die Frage eines Journalisten, warum er bei der Vorbereitung dieses Gebetbuchs geschrieben habe: „Und ich bete nicht fluchend / ach, was wäre das für ein Gebet! / Ich bete um das Heil für sie und für uns“, antwortet er: „ Und damals sagte mir ein Kollege von Ihnen von Radio Sljeme, ein Freund von der Front habe ihm ein Exemplar dieses Gebetbuchs geschickt und darauf geschrieben: „Gott liebt mich“. Wenn ein Soldat im Schützengraben zu der Erkenntnis kommt, dass Gott ihn liebt, dann würde ich für dieses Aufflackern der Erleuchtung alles geben!“
Überhaupt sprach er gern mit jenen, die ein schweres Lebenskreuz tragen: „Das Kreuz ist vor allem sehr oft der Mensch sich selbst. Als hätte Gott uns nur zur Hälfte erschaffen. Jedem von uns hat er etwas bearbeitetes Erdreich in uns selbst geschenkt, das Übrige aber hat er unserem Fleiß überlassen, damit wir es erobern und uns selbst bearbeiten. Das Kreuz sind uns weiterhin die anderen Menschen. Vergessen wir nicht: auch wir sind sehr oft, ohne es zu wissen, anderen ein Kreuz. Deshalb findet sich unter den Stationen des Kreuzwegs auch die vierte Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Einem anderen sein Kreuz mittragen, oder wenigstens sich bemühen, dass wir niemandem ein Kreuz sind, ist ein Zeichen großer Menschlichkeit“.
Ich rufe deine heiligen Augen an, gekreuzigter Jesus! Mögen sie mich bis auf den Grund meiner Tiefen anschauen. Dein Blick reicht tiefer als das Auge meines Gewissens. So weit dein Blick reicht, bitte ich dich: vergib mir; ich bitte dich: heile mich;
erbarme dich meiner und behüte mich mit deinem heiligen Auge, damit ich immer „vor deinen Augen wandle - dich liebend, dir dienend, mich an dir und in dir freuend. Bonaventura Duda
„Ich habe alles Mögliche getan. Mich selbst sehe ich so: das Beste, was ich zu tun versucht habe, ist weder meine Arbeit als Professor noch meine Arbeit als Schriftsteller noch meine Predigten, sondern meine Arbeit „an der Pforte“ (in den Sprechzimmern beim Haupteingang des Klosters auf dem Kaptol), im Austeilen des Wortes über das Wort in Gesprächen mit vielen, von Armen und Ungebildeten bis zu Akademiemitgliedern und Angesehenen in verschiedenen Berufen. Ich war ein „Doktor für alles Mögliche“, aber ich habe nicht oberflächlich gearbeitet. Meine Aufgabe ist es, dem Menschen einen Rat zu geben. Oft bin ich im Wartezimmer oder an der Pforte und warte auf Unbekannte, die um Rat kommen. Es kommen verschiedene Menschen, kleine, gewöhnliche, große, gelehrte, kranke, gesunde... Ich höre ihnen zu, und wenn ich einen guten Rat geben kann, gebe ich ihn; und wenn ich selbst nicht weiß, was ich sagen soll, dann sage ich: „Geduld ist euer Heil“. Seit 1950 habe ich mit Begeisterung auf dem Land gepredigt, seit 1982 auf dem Kaptol. Ich predige den jungen Menschen die Botschaft Jesu. Ich bin kein Quälgeist, ich predige nicht zu lange, höchstens eine Viertelstunde. Das reicht. Das kann ich. Ich spreche logisch, kurz und klar. Nur ein einziges Mal habe ich lange gesprochen: in Međugorje predigte ich dreiviertel Stunden vor 50.000 Menschen“.
Wir schließen mit einem Gedicht von Bonaventura Ćuk, der Dudas ganzen franziskanischen Weg geprägt hat. Sein Gedicht Komme auch ich in den Himmel, das nicht fragend, sondern bittend und einschmeichelnd ist, wird Duda später finden und sich gewissermaßen als Lebenswahlspruch zu eigen machen. Über dieses Gedicht, das vom Ende spricht, und darüber, wie er seinen Ordensnamen bekam, bezeugt er im Buch Ich vertraute Gott meinen Stab an: „Und tief beruhigt mich das Gedicht, vielleicht das einzige, meines einstigen Lehrers, eines großen Philosophen und Theologen, der jung gestorben ist – wie Jesus, im 33. Lebensjahr. Es war ein Franziskaner, Bonaventura Ćuk. Nach ihm hat man mir den Namen gegeben. Wie unglaublich und seltsam das klingt, und doch wunderbar. Du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, ich aber habe in der Zeit begonnen. Aber seit ich begonnen habe, willst du mir Anteil an deiner Ewigkeit geben. Ich sagte: du hast mir die Hälfte deiner Ewigkeit zugeteilt. Doch die Ewigkeit hat weder Anfang noch Ende, also auch keine Hälfte; alles ist in einem einzigen Augenblick, und jeder ihrer Augenblicke ist Ewigkeit. Dennoch sage ich auf menschliche Weise: die Hälfte. Seit ich bin, willst du, dass ich mit dir lebe, in dir. Gib mir, in der Gnade zu sterben!“ heißt auf Lateinisch: „Gere curam mei finis! Sorge du für mein irdisches Ende!“.
Hören wir, wie Bonaventura Duda das sagt
Komme auch ich in den Himmel?
Komme auch ich, o Herr, in den Himmel?
Ich wünsche es, doch ich fürchte mich sehr.
Denn dort wird Herrlichkeit sein und Glanz,
und ich stehe ganz unten!
Hast du auch nur irgendein Winkelchen,
so ist auch das schon viel für mich.
Ich drücke mich dort hinein, dürr wie ein Zweiglein,
schmal ist meine Schulter.
Niemandem werde ich im Licht stehen,
ganz ohne Lärm wäre das.
Herr, vergiss du mich nicht,
wenn dir das lieb ist.
Ist dir die Gegenwart
eines solchen Zerlumpten nicht lieb,
so lass mich wenigstens an der Tür des Hauses
auf einen Bekannten von dir warten.
Um ihn zu bitten, dass er für mich bete.
Und wenn auch das nicht sein darf,
werde ich trotzdem unten warten,
schon der Ordnung halber!
Und wenn die eingetreten sind, denen es gegeben ist,
und es keinen Platz mehr geben wird:
Der Himmel ist klein, doch das macht nichts…
Dein Herz ist größer…
- Mladen Klanac
- Zugriffe: 53






