Ich gehe fort und bleibe doch, ihr bleibt und geht doch mit mir
Am 20. Oktober begehen wir zwei Jahrestage des Jesuiten Pater Ante Gabrić - seinen Aufbruch in seine zweite Heimat Indien im Jahr 1938 und seinen Heimgang in das Haus des himmlischen Vaters genau vor 33 Jahren.
Der Diener Gottes Pater Ante Gabrić war Fürsorger und Lehrer zahlreicher kleiner und großer Inder. Noch sehr lebendig sind meine Erinnerungen an die Zeit, als ich als Kind seinen Vorträgen in der Kirche des hl. Elias zuhörte. So anschaulich und überzeugend trug er seine Erfahrungen und Gedanken vor, dass wir Kleinen damals alle bejahend antworteten, wir wollten mit ihm nach Indien, in dieses Land der Sehnsucht. Mich als Lehrerin regt diese seine Lebensaufgabe zum Nachdenken an, ob er auch heute ein Erzieher sein könnte. Sind seine Erziehungsmethoden und Haltungen auch heute annehmbar, da er seit mehr als 30 Jahren nicht mehr unter uns ist? Ich glaube, dass sie es sind, und falls Sie zweifeln, will ich versuchen, auch Sie davon zu überzeugen.
Wer war Pater Ante Gabrić?
Pater Ante Gabrić war Jesuit und Missionar, ein großer und heiliger Mensch. Er wurde am 28. Februar 1915 in Metković geboren. Die Eltern Petar Gabrić und Katarina (geborene Antićević) erzogen im Glauben und in der Liebe ihren Ante, seine vier Brüder und seine vier Schwestern.
Früh wurde er Ministrant. Zu jener Zeit war in Metković Fra Leonardo Bajić Pfarrer, und der Mesner Jakov Petrov bereitete Pater Ante auf den Ministrantendienst vor. Während er ministrierte, sah er Fra Leonardo an und „beneidete“ ihn um das Glück, Jesus in den Händen zu halten und ihn den anderen zu geben. Schon damals fasste er den festen Entschluss: „Auch ich werde Fra Leonardo sein.“
Er träumte davon, wie der Pfarrer in seiner Pfarrei Franziskaner zu werden, aber es geschah etwas, das seinen Entschluss für immer veränderte und seinen Lebensweg prägte. Einmal verpassten Jesuiten das Schiff und beschlossen deshalb, in Metković zu übernachten, und zwar gerade im Haus von Pater Ante Gabrić. An jenem Abend hörte der elfjährige Ante spannende Geschichten über das Wirken der Missionare in unbekannten und fernen Ländern. Die Geschichten begeisterten ihn, und in ihm erwachte der Wunsch, Jesuit zu werden. Statt in Sinj setzte er seine Ausbildung in Travnik, Zagreb und Italien fort. Noch als Student schickte er ein Gesuch, ihm die Ausreise in die Mission nach Indien zu bewilligen. Sein Gesuch wurde am 21. Juli 1938 bewilligt, und man sagt, er habe vor Freude, als er diese Nachricht hörte, in der Luft einen Purzelbaum geschlagen.
Am 20. Oktober 1938 ging er in Genua an Bord des Schiffes Victoria und fuhr nach Indien. Die Theologie schloss er in Kurseong ab, wo er am 21. November 1943 auch zum Priester geweiht wurde. Die folgenden zwei Jahre verbringt er in Moropai und Ranchi, um schließlich nach Bošonti zu gelangen, wo er die nächsten 16 Jahre verbringt. Über das indische Volk sagt Pater Ante: „Nach dem kroatischen Volk ist es mir das liebste Volk der Welt.“
Unter den schweren Lebensbedingungen eines der ärmsten Teile Indiens gelang es unserem berühmten Missionar, viele gute Werke zu vollbringen. In den schwersten Augenblicken erbat und erhielt er Hilfe von Kroaten aus der Heimat und aus der Diaspora sowie von verschiedenen internationalen Hilfsorganisationen. Interessant ist, dass in den Kapellen, die er in den umliegenden Dörfern baute, sonntags und an Feiertagen die heilige Messe gefeiert wurde, während sie an den übrigen Tagen als Außenschulen dienten. Am meisten sorgte er sich um die Kranken und trug auf seinen Wegen immer eine Tasche mit Medikamenten bei sich. Am glücklichsten war er, wenn er den Menschen die Frohe Botschaft verkündete und sie mit Jesus bekannt machte.
Sein Wirken unterschied sich nicht sehr von jenem in Bošonti. Das Gebiet von Moropai wurde im Herbst 1970 von einer großen Überschwemmung getroffen. Pater Ante sorgte dafür, dass die Hilfe alle verarmten Familien erreichte. Doch im folgenden Jahr strömten nach Moropai mehr als neun Millionen Flüchtlinge von der anderen Seite des Ganges, die die fanatische pakistanische Armee vertrieben hatte. Für sie organisiert er Food-for-work projects, durch die Einwohner und Flüchtlinge mit ihrer Arbeit, mit der Ausbesserung von Dämmen und Wegen, die Grundnahrungsmittel zum Leben verdienen.
Der letzte Ort, an dem Pater Ante lebte, war Maria Polli (von 1975 bis 1988). Dort wirkte er als Pfarrer. Interessant ist, dass Pater Ante den Namen des Dorfes von Kumrokhali in Maria Polli (übersetzt: Marias Dorf) änderte. Als Pfarrhaus diente ihm eine alte Hütte und als Kathedrale ein Zelt. Kurz nach der Gründung der neuen Pfarrei schreibt er für Mali koncil - MAK, die monatliche religiöse Zeitschrift für Kinder, dass er bereits ein Waisenhaus, eine Ambulanz für Leprakranke und ein Kloster baut, in dem die Missionarinnen der Nächstenliebe (der Mutter Teresa) wohnen werden. Die Schwestern kümmerten sich um die Kinder und um die Leprakranken und untersuchten täglich etwa 2 000 Kranke. Große Bedeutung misst er dem Schulwesen und der Bildung bei. Die Schulen von Pater Ante Gabrić waren die angesehensten in Bengalen. Menschen mit ihrem Zeugnis standen alle Türen offen, und sie konnten sofort eine Anstellung finden. Er rief auch eine „Genossenschaft“ ins Leben. Das war eine Kasse der Solidarität, in die jedes Mitglied monatlich eine Rupie einzahlte und aus der es später Hilfe erhalten konnte, wenn es in Not geriet. Für die Obdachlosen, die durch Überschwemmung oder Wirbelsturm verarmt waren, organisiert er den Bau von Hütten und sogar ganzer Dörfer. Die Pfarrei entwickelte sich wunderbar, und die geistlichen Berufungen blühten auf.
Gemeinsam mit Mutter Teresa arbeitet er mit der Schuhfabrik Bata zusammen und eröffnet den ersten Betrieb in Maria Polli und danach auch in Đišu Polli. Das Dorf Đišu Polli (übersetzt: Jesu Dorf) liegt 30 km östlich von Maria Polli. Pater Ante war bereits alt geworden, doch das hinderte ihn nicht, sein Wirken fortzusetzen. Er liebte die Kinder sehr, und für sie hat er am meisten getan. Er baute ihnen Heime, heilte sie, kleidete sie, gab ihnen Schuhe, eröffnete Schulen, Werkstätten und kleine Seminare und erteilte ihnen Religionsunterricht. Man sagt, er habe über 22 600 Kinder ernährt, und in seiner Tasche oder in seinem Beutel hatte er immer eine Süßigkeit für sie. Als echter Neretvaner lehrte er sie, Reusen zu flechten und Fische zu fangen. Nie wurde er es müde, zu arbeiten und die Botschaft Gottes zu verbreiten; mehr noch, er meinte, er habe zu wenig Zeit, um alles zu vollbringen, was er sich vorgenommen hatte.
Wenig bekannt ist, dass Mutter Teresa gerade auf Anregung kroatischer Jesuiten als Missionarin nach Indien ging und dass ihr dort Pater Ante Gabrić ein großer Freund war. Seit sie sich in Kalkutta gefunden hatten, dauerten ihre Begegnungen, ihr Briefwechsel und ihre Zusammenarbeit bis zum Lebensende Pater Antes. Sie heilten die Kranken, trösteten die Sterbenden, bauten und errichteten geistlich wie materiell und verbreiteten die Frohe Botschaft im ärmsten Teil der Welt. Beide waren bekannt für ihre bewundernswerte Sorge um die Menschen in Bengalen, ohne Ansehen der Religion. Über ihre Arbeit weiß man am meisten aus der Rubrik „Mitarbeiter der Mutter Teresa und des P. Ante Gabrić“, die etwa zehn Jahre lang im Mali koncil erschien. Durch ihre Opferbereitschaft und ihre Sorge für die Kranken und Armen haben sich sowohl Pater Ante als auch Mutter Teresa die Achtung von Menschen aller Religionen und Nationalitäten verdient.
Pater Ante kränkelte lange, aber er war ein außerordentlich eifriger Seelsorger und hörte nicht auf den Rat der Ärzte. Seinen angegriffenen Organismus erschöpfte besonders eine Vergiftung durch verdorbenes Fleisch, denn er hatte keinen Kühlschrank, in dem er es hätte aufbewahren können. Nach genau fünfzig Jahren Mission, nach genau fünfzig Jahren unermüdlicher Arbeit eines heiligen Menschen, der von der Neretva bis nach Bengalen den Bedürftigsten seine Hilfe reichte, rief ihn Jesus am 20. Oktober 1988 zu sich. Von seinen letzten Augenblicken zeugt Hochwürden Sylvester, dem er in einem der letzten Gespräche mit einem Lächeln im Gesicht sagte: „Jesus ruft. Die Zeit ist gekommen.“ Auf eigenen Wunsch wurde er unter einer Palme in Maria Polli beigesetzt, nahe der Kirche, die er gebaut hatte, und nahe der Grotte der Muttergottes. Zur Beisetzung kleidete man ihn in einen weißen Talar. Genäht hatten ihn seine Armen, die er ausgebildet hatte, denn in seinem Schrank hatte er nichts. Mit ihm wurden auf seinen Wunsch eine Scholle Erde von der Neretva und ein Fläschchen mit Wasser der Adria ins Grab gelegt. Sein Grab besuchen heute viele Pilger und beten zu Pater Ante, und es ist bekannt, dass auf seine Fürsprache viele Gebetserhörungen und Heilungen geschehen sind.
An seinem 100. Geburtstag, am 28. Februar 2015, wurde in den Räumen des Erzbischöflichen Ordinariats auf dem Zagreber Kaptol mit einer Sitzung, die der Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanić eröffnete, offiziell der diözesane Prozess zur Seligsprechung des Dieners Gottes P. Ante Gabrić SJ eröffnet.
Die Liebe zur Heimat
Pater Ante pflegte zu sagen, er habe zwei Heimatländer: Kroatien und Indien. Auf die Rückseite eines Fotos, auf dem er durch den Schlamm geht, schreibt er: „Durch den schönen und fetten bengalischen Schlamm... Schlimmer als in Koševo!“ Euer Ante. Jede Gelegenheit nutzte er, um diese seine Liebe zur Heimatregion hervorzuheben, bis zum letzten Augenblick, als er den Wunsch äußerte, mit einer Scholle Erde von der Neretva und einem Fläschchen Adriawasser in seiner zweiten Heimat begraben zu werden. Kann diese Liebe den heutigen Lehrern und jungen Menschen ein Beispiel dafür sein, wie man sein Land mit all seinen Eigenheiten liebt, statt immer etwas Negatives zu suchen? Ist denn das Fremde schöner als das, was wir haben? Das Fremde ist eine Unbekannte, hinter der sich allerlei verbergen kann. Es ist leicht zu tadeln und zu verurteilen, aber versuchen wir zu lieben, was uns gegeben ist und was das Unsere ist. Wir können immer, wie Pater Ante, etwas tun, das den Raum und die Menschen um uns herum besser macht.
Die Liebe zu den Eltern
Pater Ante ging mit 11 Jahren von seinen Eltern fort. Er konnte ihre Zuwendung nicht auskosten, und darum sehnte er sich sein Leben lang nach ihnen, besonders nach der Mutter, die er nach seiner Ausreise nach Indien nicht mehr am Leben antraf. In Solin wandte er sich 1976 in seiner Ansprache unmittelbar an die Mütter mit den Worten: „Mütter, seid uns Mütter, rettet unser Volk und unsere Heimat mit eurer mütterlichen Liebe.“ Haben die jungen Menschen von heute eine solche Liebe und Achtung gegenüber ihren Eltern, oder nehmen sie sie als selbstverständlich hin? Sind sich die heutigen Eltern der Kraft und der Bedeutung bewusst, die sie haben, oder haben sie das in den Hintergrund „geschoben“, bedrängt von Verpflichtungen, die ihnen auferlegt wurden oder die sie selbst gewählt haben? Ich meine, wir alle müssen uns die Bedeutung jedes Gesprächs, jeder Umarmung und jedes Kusses mit einem lieben Menschen bewusst machen, als wäre es das letzte Mal, denn wie Pater Ante nach ihrem Tod über seine Mutter sagte: „...ihre Liebe hat mich gehalten, und sie hält mich noch und wird mich bis zum Ende halten...“
Die Medienkompetenz von Pater Ante
Pater Ante war bekannt für die zahlreichen Briefe, die er schrieb (8000 Briefe!). In ihnen teilte er seine Gedanken mit der Familie und mit Freunden, aber auch seine Dankbarkeit gegenüber zahlreichen Wohltätern. Und stellen wir uns nur vor, es hätte zu seiner Zeit das Internet und die sozialen Netzwerke gegeben! Zu wie vielen Wohltätern wäre er noch gelangt, und wie viel Hilfe für die Inder hätte er dann erst erhalten? Kindern und Jugendlichen sollten wir die Medienkompetenz auf diese Weise nahebringen, indem wir ihnen erklären, welche Möglichkeiten sie ihnen bietet, deren sie sich nicht bewusst sind, weil sie mit ihnen geboren wurden. Ich schlage vor, dass Pater Ante eines Tages, wenn er heilig sein wird, zum Patron der Medienkompetenz werde, denn er war gewiss ihr Wegbereiter.
Das missionarische Wirken
Das ganze Leben Antes stand im Einklang mit diesem seinem Satz: „Man muss brennen und verbrennen … und wir qualmen nur! Und wozu sollte ich qualmen, ich bitte Sie schön?! Ich möchte nichts anderes, als Opfer sein. Brenne, Bruder, und verbrenne ganz! … Das Leben den anderen zu geben, das eben ist die Liebe. Das Leben nur für sich zu haben, dieses Leben bedeutet nichts… Alles ist süßer, wenn es geteilt wird, wenn es gegeben wird. Die Gaben und das Leben! Am süßesten ist es, wenn du alles geben kannst.“ Er hat gewiss nicht gequalmt, er brannte und schenkte sich auf jede Weise bis zur letzten Minute seines Lebens. Er war ein einziges großes Geben, sei es bei den Süßigkeiten, die er immer in der Tasche hatte für den Fall, dass ihm ein Kind begegnete, oder beim geistlichen Geben wie bei jenem letzten, das er vor seinem Tod für die alleinerziehenden Mütter hatte. Wir haben nicht alle die Möglichkeit, auf seine Weise zu brennen, aber jeder von uns kann in seinen kleinen Rollen im Leben, den familiären wie den beruflichen, immer sein Bestes geben. Pater Ante sagte und wiederholte gern, das Leben sei einfach, nur wir Menschen machen es kompliziert, denn offenbar ist es sehr kompliziert, einfach zu sein.
„Ich gehe fort und bleibe doch, ihr bleibt und geht doch mit mir.“
Das letzte Bild, als ich Pater Ante sah, ist mir noch immer außerordentlich „lebendig“ in Erinnerung. Er stand am Fuß der Treppe unterhalb seines Elternhauses und blickte über die Gegend seiner Kindheit. Ich weiß nicht, woran er dachte, aber er wirkte wehmütig, als wüsste er, dass dies sein letzter Besuch ist. Und jetzt, obwohl seither 33 Jahre vergangen sind, habe ich das Gefühl, dass er bei uns geblieben ist. Obwohl er fortgegangen ist, führt er uns alle, die wir nach ihm geblieben sind, mit seinem wunderbaren Beispiel weiterhin mit sich.
GEBET
um die Seligsprechung
des Dieners Gottes P. Ante Gabrić
Himmlischer Vater,
im Diener Gottes Ante Gabrić, dem Missionar,
hast du uns ein heldenhaftes Beispiel geschenkt,
wie sich durch Barmherzigkeit und Liebe dein Reich ausbreitet.
Wir bitten dich um die Gnade,
dass er im Glauben der Kirche so bald wie möglich seliggesprochen werde
und so allen noch näher komme, die sich in ihren Nöten an ihn wenden.
Im Vertrauen darauf, dass er dir durch sein Leben und seinen apostolischen Eifer wohlgefällig geworden ist,
gewähre uns auf seine Fürsprache die Gnade, um die wir dich jetzt bitten…..
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen
Quelle: Naš otac Ante Gabrić, 2015., Grundschule Stjepan Radić, Metković
Fotos: Zvonimir Atletić und aus Familienalben
- Mladen Klanac
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