Jeder Ort in uns muss gereinigt werden
Für uns alle stellt sich die Frage, wie wir uns gegenüber dem Coronavirus verhalten sollen, gegenüber den Problemen der Isolation und den anderen Schwierigkeiten, die aus einer solchen Lage erwachsen. Und, was noch wichtiger ist: wie wir mit unseren Nächsten, besonders mit den Kindern, mit den Kollegen und schließlich in der Öffentlichkeit über dieses Problem sprechen werden, das zahlreiche Einschränkungen mit sich bringt und viele Schwierigkeiten und Ängste um die nähere und die fernere Zukunft verursacht.
Das Erste und Wichtigste ist: niemals Angst haben. Die Angst verdirbt uns die Stimmung, und das macht uns anfälliger dafür, krank zu werden. Damit der Leib die Infektion besiegt, muss der Geist stark sein.
Albert Camus hat den berühmten Roman „Die Pest“ geschrieben. Weniger bekannt ist, dass er auch zwei kleinere Werke verfasst hat, eine Unterweisung und eine Rede über die Pestseuche, für das medizinische Personal und für alle, die mit dem Problem der Pest zu tun haben.
Für uns ist der „psychologische Teil“ der Rede über die Krankheit sehr bedeutsam; er kann allen eine Hilfe sein, wie sie sich gegenüber dem Coronavirus verhalten sollen, gegenüber den Problemen der Isolation und den anderen Schwierigkeiten, die aus einer solchen Lage erwachsen. Und, was noch wichtiger ist: wie wir sprechen werden mit unseren Nächsten, besonders mit den Kindern, mit den Kollegen und vor allem in der Öffentlichkeit über dieses Problem, das zahlreiche Einschränkungen mit sich bringt und viele Schwierigkeiten und Ängste um die nähere und die fernere Zukunft verursacht.
„Es gibt keinen Einzelnen, sagt ein alter Autor, der es sich erlauben könnte, irgendetwas Verunreinigtes zu berühren in einem Gebiet, in dem die Pest herrscht“.
Es gibt keinen einzigen Ort in uns, den wir nicht reinigen müssten, und läge er auch im verborgensten Winkel des Herzens, damit wir uns die kleinen Möglichkeiten offenhalten, die uns bleiben. Das gilt besonders für die Ärzte (das medizinische Personal), die der Ansteckung am nächsten sind und deshalb auch am meisten im Verdacht stehen, sie zu verbreiten. Darum ist es nötig, dass alle, die nahe sind, allen anderen ein Beispiel geben.
Das Erste und Wichtigste ist: niemals Angst haben. Die Angst verdirbt uns die Stimmung, und das macht uns anfälliger dafür, krank zu werden. Damit der Leib die Infektion besiegt, muss der Geist stark sein. Es gibt keine andere Angst als die vor dem endgültigen Ende, denn der Schmerz an sich ist vergänglich. Ihr also, die ihr gegen die Pest (die Seuche) kämpft, müsst euch gegen den Gedanken an den Tod wappnen und euch zuerst mit ihm aussöhnen, um der Wirklichkeit der Pest ins Auge sehen zu können. Wenn ihr in dieser Sache Sieger seid, werdet ihr immer Sieger sein und lächelnd inmitten dieses Schreckens der Pest stehen. Ihr könnt daraus schließen, dass ihr Philosophen sein müsst.
Ihr müsst in allem nüchtern sein, nicht zimperlich und naiv, was eine Übertreibung wäre. Sorgt für eine gute Stimmung, damit die Traurigkeit nicht überhandnimmt und den Leib für die Krankheit bereitet. Nichts ist zu diesem Zweck besser, als in vernünftigem Maß ein wenig Wein zu trinken, um die Sorge beim Gedanken an die Pest zu lindern.
Achtet vor allem auf das Maß (die Mäßigung), das der erste Feind der Pest und das natürliche Gesetz des Menschen ist. Nemesis ist nicht, wie man euch in der Schule gesagt hat, die Göttin der Rache, sondern die des Maßes (der Mäßigung). Die Pest kommt aus dem Übermaß. Sie ist selbst Übermaß und versteht sich nicht zu zügeln. Denkt daran, wenn ihr sie klug bekämpfen wollt! Glaubt Thukydides nicht, wenn er von der Pest in Athen spricht und sagt, die Ärzte hülfen nicht, weil sie zum ersten Mal eine Krankheit behandeln, die sie nicht kennen.
Ihr müsst Herren über euch selbst werden. Zum Beispiel wissen, wie ein Gesetz durchzuführen ist, das ihr gewählt habt, wie Isolation und Quarantäne.
Habt nicht das Verlangen, die Regel zu brechen, und vergesst das Gemeinwohl nicht.
Macht keine Ausnahmen von den Regeln, solange sie in Kraft sind, auch wenn euer Herz euch zu anderem drängt. Von euch wird verlangt, ein wenig zu vergessen, was ihr seid (wie ihr zu leben gewohnt seid), und dabei nie zu vergessen, was von euch verlangt wird. Das ist die Regel der stillen Würde.
Wenn ihr euch mit diesen Mitteln und diesen Tugenden gewappnet habt, bleibt euch nichts anderes, als die Erschöpfung zu meiden und die Vorstellungskraft frisch zu halten. Gewöhnt euch niemals, niemals daran, Menschen wie die Fliegen sterben zu sehen, wie es heute auf unseren Straßen geschieht. Und wie es immer geschehen ist, seit Athen, wo die Pest ihren Namen erhielt. Kommt niemals mit jenen Leichen in Berührung, von denen selbst die Raubvögel abrücken, um der Ansteckung zu entgehen. Und ihr werdet euch weiter jener schrecklichen Verwirrung widersetzen, in der jene, die die Sorge um andere verweigern, in der Einsamkeit sterben, während jene, die sich hingeben, in der Menge zugrunde gehen; wo die Freude ihren natürlichen Wert nicht mehr hat und das Verdienst nicht mehr seinen Sinn (seine Bedeutung); wo man um die Gräber tanzt; wo ein Mensch den geliebten Menschen von sich stößt, nur um ihm die Krankheit nicht zu übertragen; wo die Last des Verbrechens nicht der Verbrecher trägt, sondern das arme, verwirrte Opfer, das im Augenblick der Angst dazu wird.
Die ruhige Seele bleibt die festeste. Seid fest gegenüber dieser fremden Tyrannei. Dient nicht dieser Religion (der ansteckenden Krankheit), die so alt ist wie die ältesten Kulte.
Ihr müsst oft über euer Nichtwissen nachdenken, um sicher zu sein, dass ihr auf das Maß (die Mäßigung) achtet, das als einziges über eine solche Not gebietet.
Es versteht sich, dass nichts davon leicht ist. Trotz eurer Schutzmasken und der anderen Mittel, trotz des großen Mutes und der Beständigkeit eurer Anstrengungen wird der Tag kommen, an dem ihr diese Stadt voller Todesnot nicht mehr ertragen könnt. Es wird der Tag kommen, an dem ihr schreien wollt wegen der Angst und des Schmerzes aller um euch her. An jenem Tag wird es kein Heilmittel mehr geben, das man euch anbieten könnte, außer dem Mitleiden, das die Schwester des Nichtwissens ist.
- Mladen Klanac
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