Konflikte klopfen nicht an – sie kommen ungebeten herein!
„Die Ehe ist wie ein Tango: Jeder tanzt auf seine Weise, und doch wirkt alles vollkommen aufeinander abgestimmt“
Während wir gezwungen sind, mehr als sonst beieinander zu sein, klopfen die Konflikte nicht mehr an der Tür, sondern kommen ungebeten herein. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie zu „bewirten“, sie mit an unseren Tisch zu setzen und endlich Verhaltensregeln aufzustellen, um uns vor ihrem zerstörerischen Einbruch in unser Leben zu schützen.
Es scheint, dass die Wörter „Verantwortung“ und „Zuhause“ in letzter Zeit zu den am häufigsten ausgesprochenen Wörtern in unserer Gesellschaft gehören. Die staatlichen Institutionen rufen uns auf, durch verantwortungsvolles Verhalten ein Vorbild zu sein und einander zu schützen. Es ist eine Zeit der Krise, in der unsere Gesundheit von einem neuen und unerforschten Virus bedroht ist und in der verantwortungsvolles Verhalten für die Bewältigung der Krise entscheidend ist. Wissenschaftler arbeiten unermüdlich an der Suche nach einem Heilmittel, und bis dahin müssen wir uns verhalten, „als lebten wir nicht im 21. Jahrhundert“. Wir wenden nämlich dieselben Methoden an wie im Mittelalter zur Zeit der schweren Pest- und Choleraepidemien – Quarantäne, Hygiene und Selbstdisziplin.
Ehekrisen und Spannungen
Bleibt zu Hause und geht nur für das Allernötigste hinaus – das ist eine der wichtigsten Richtlinien. Und zu Hause, was geschieht zu Hause? Brauchen wir Richtlinien für das Verhalten in unseren eigenen vier Wänden? Einer der Scherze, die ich in den letzten zwei Wochen auf mein Handy bekommen habe (Gott sei Dank für diese menschliche Fähigkeit der Kommunikation, die der Panik ihre Autorität nimmt und der Not ihre Würde zurückgibt), war die Statistik eines täglichen Polizeiberichts, in dem null Diebstählen und Verkehrsdelikten die Zahl von 16325 Einsätzen in Wohnungen wegen Familienstreitigkeiten gegenüberstand. Beieinander zu sein bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Die Rückkehr in die vier Wände kann für viele der Auslöser ungelöster Probleme sein. Das Eingeschlossensein zu Hause bringt auch Nervosität, Hilflosigkeit und ein Gefühl der Ohnmacht mit sich. Man warnt, dass für Panik kein Platz ist, wenn wir uns an die Anweisungen und Regeln halten – und doch findet die Panik ihren Weg in viele Häuser. Es ist schwer, mit solchen Gefühlen umzugehen, und es ist kein Wunder, dass wir gerade in dieser Zeit mehr streiten als früher. Und vielleicht werden wir gerade dank der „Corona-Krise“ einigen unserer alltäglichen Probleme, die wir bisher erfolgreich unter den Teppich gekehrt haben, „Auge in Auge“ begegnen.
Wer den täglichen und schmerzhaften Streitereien am ehesten entgeht, sind gewiss die Ärzte und anderen Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die an vorderster Front kämpfen, oder Menschen, in deren Familie jemand vom Virus getroffen wurde. Diese Menschen brauchen Frieden, Trost und die Nähe der Liebsten, und viele von ihnen erheben zum ersten Mal ihre Augen zum Himmel und flehen um Kraft und Hilfe unseres Schöpfers und Erlösers.
Wir, die wir gehorsam den Vorschriften zu Hause bleiben, stehen weiterhin vor den großen Herausforderungen ungelöster Streitigkeiten und Missverständnisse. Dabei denke ich vor allem an die Eheleute und ihre Krisen und Spannungen. Jetzt, da wir gezwungen sind, Tag für Tag beieinander zu sein, und da der Tag länger dauert als sonst, klopfen die Konflikte nicht mehr an der Tür, sondern kommen ungebeten herein. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie buchstäblich zu „bewirten“ , sie mit an unseren Tisch zu setzen und endlich Verhaltensregeln aufzustellen, um uns vor ihrem zerstörerischen Einbruch in unser Leben zu schützen.
Anzeichen, die auf einen Streit mit zerstörerischen Folgen hindeuten
Es gibt zwei deutliche Anzeichen dafür, dass ein Ehekonflikt beginnt, den man kaum durch die Kenntnis guter Kommunikationstechniken lösen kann. Das erste ist ein plötzlicher und radikaler Umschwung im emotionalen Ton der Kommunikation. Eben noch habt ihr euch amüsiert und gelacht, als plötzlich einer von euch Gesichtsausdruck und Tonfall ändert, sich zurückzieht oder aus heiterem Himmel einen Streit beginnt. „Was ist denn plötzlich mit dir los…, bisher warst du doch normal“. Als hätte jemand die Spielregeln geändert, ohne euch zu warnen. Ich kenne viele Beispiele, in denen der Kommentar des Mannes zum weiblichen Hormonsturm, bekannt als PMS, einen Streit auslöst und alles in gegenseitigen Vorwürfen endet, manchmal sogar im Abbruch jeder Kommunikation für ein paar Tage.
Das zweite Signal ist, dass die Wahrnehmung der Kränkung deren tatsächliches Ausmaß übersteigt. Alles Gesagte verdreifacht sich in seinem Gehalt für die Person, die verletzt ist. Aus der bloßen Bemerkung „warum ist das Licht im Bad angeblieben“ endet der Streit der Eheleute damit, dass man einander die dritte Verwandtschaftsgeneration und deren Versäumnisse vorhält.
Tödliche Verhaltensweisen, die die Ehe zerstören, und die Überzeugung, die Hoffnung schenkt, dass es möglich ist, wieder zu lieben und geliebt zu werden
Manche Autoren behaupten, es gehe um tiefe Gefühle, die uns in einem Augenblick überfluten und die etwas über unsere tiefen und ungeheilten Wunden aussagen. Starke Gefühle wie Scham, Zorn oder Angst mobilisieren den Körper. Fast jedes Gefühl hat seine eigene Signatur im Körper. Wenn wir uns fürchten, strömt das Blut plötzlich in die unteren Gliedmaßen (wir sagen: die Beine versagen uns den Dienst), wenn wir zornig sind, schießt das Blut stoßweise in die oberen Gliedmaßen (wir ballen die Fäuste und spüren, wie die Ader am Kopf pocht).
Gefühle sind wie ein Kompass, der uns orientiert und auf das ausrichtet, was unser Gehirn als Gefahr, Bedrohung, Angriff, Unbehagen oder Demütigung einschätzt. Fachleute, die sich mit psychischer Gesundheit befassen, sagen, dass man sie erkennen muss, um leichter unsere Zündpunkte wahrzunehmen und damit diese ihre Kraft und Macht verlieren und wir uns entscheiden, mit den tödlichen Gewohnheiten aufzuhören, die die Ehe zerstören.
Welches sind diese tödlichen Gewohnheiten, oder besser gesagt, diese tödlichen Verhaltensweisen?
Ständiges gegenseitiges Kritisieren und Nörgeln, Angreifen und Schuldzuweisen, Erpressen und Drohen, das „eisige Schweigen“. Hinter jedem dieser Verhaltensweisen steht ein sehr starkes Bedürfnis nach Macht. Jeder der Partner beeinflusst im Streit das tödliche Verhalten des anderen.“ Wenn ich mich zurückgewiesen fühle, ist es unmöglich, dass du nicht etwas getan hast, weswegen ich mich so fühle. Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du das nicht tun, und du würdest dich sicher ändern“. Die Folge eines solchen Denkens ist, dass wir am Ende beide unglücklich sind. Wir glauben nicht nur nicht mehr an die Liebe, sondern wir glauben auch nicht mehr, dass wir unser Leben und unsere Gefühle steuern können. Wir glauben nicht, dass es möglich ist, die Reaktion in eine Reflexion zu verwandeln.
Die eheliche Beziehung kann selbst in dem Augenblick heilsam werden, in dem wir begreifen, dass es von uns abhängt, welche Wahl wir treffen. Ob wir die Kritik in ein klares Aussprechen unserer Wünsche und Erwartungen verwandeln, den Vorwurf in die Bereitschaft, um Verzeihung zu bitten, die Schuldzuweisung in die Übernahme von Verantwortung für das eigene Verhalten und die Erpressung in gemeinsames Planen. Wir können unser Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit erneuern, wenn wir uns immer wieder neu für die Ehe entscheiden, zu der wir uns vor dem Herrn verpflichtet haben.
Die Musik für den ehelichen Tango hat der Schöpfer selbst geschrieben
Es ist nötig, immer einen Schritt weiter zu gehen als bis zur Suche nach emotionaler Befriedigung. Das Erkennen der sogenannten negativen Gefühle und ihrer zerstörerischen Macht in den tödlichen Verhaltensweisen ist erst der erste Schritt. Der zweite Schritt ist, sich langsam einander zu öffnen und Bereitschaft zum Vertrauen zu zeigen. Verwechselt die Liebe nicht mit der Erfüllung der eigenen Erwartungen. Weil wir auf unsere unerfüllten Erwartungen fixiert sind, bleiben wir blind dafür, dass es verschiedene Weisen gibt, auf die wir einander Liebe erweisen können. Wir zeigen Liebe durch Gesten und Verhaltensweisen, die unserem Charakter und unserer Erziehung entsprechen. Wir sind verschieden. Deshalb wird die Ehe auch oft mit dem Tango verglichen. Zwischen den tanzenden Körpern besteht ein Abstand, die Musik ist dieselbe, und doch tanzt jeder auf seine Weise, und alles wirkt vollkommen aufeinander abgestimmt. Versucht gar nicht erst, dem anderen eure eigenen Schritte beizubringen. Es ist immer besser, den zu fragen, der diese Musik und diesen Tanz erdacht hat, warum das so ist. Deshalb ist eure Einsamkeit im Gebet und eure Begegnung mit dem Herrn die Medizin für eure Seele und dann auch für eure Ehe.
- Mladen Klanac
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