In meinem Vater sah ich einen lebendigen Heiligen, für den meine Seele nach Gott entbrannte
Nach Gottes Vorsehung wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, im Jahr 1920, die Kongregation der Töchter der Barmherzigkeit vom Dritten Regularorden des hl. Franziskus in Blato auf Korčula gegründet. Bei der Gründung bediente sich der gütige Gott des Fräuleins Marija Petković-Kovač, Tochter des verstorbenen Antun, aus Blato auf der Insel Korčula, und des damaligen Bischofs von Dubrovnik, Dr. Josip Marčelić. So ist Marija vom Gekreuzigten Petković – in der Heimat wie in der Welt, zusammen mit ihrer Kongregation – allen alles geworden im lebenspendenden Guten und hat die Gegenwart Christi in der Welt bezeugt, bis er wiederkommt. Sie hat ihre kleine Gemeinschaft gegründet und auf den Weg gebracht, damit sie Gutes tue unter den Bedrängtesten und damit diese Gemeinschaft zur Sämannin und Zeugin des Guten werde in dieser freudlosen Welt, diesem wahren Tal der Tränen.
Marija hatte vorbildliche Eltern, und besonders liebte sie ihren Vater, den sie für einen „lebendigen Heiligen“ hielt. In der Kindheit von seiner Liebe umgeben und von der guten christlichen Erziehung ihrer Mutter geprägt, in einem Familienklima, das das II. Vatikanische Konzil rund sechzig Jahre später „Hauskirche“ nennen sollte, zeigte Marija eine ungewöhnliche Frömmigkeit und eine Neigung zur Betrachtung, doch ebenso gern war sie mit den ärmsten Mädchen aus der Nachbarschaft zusammen und half ihnen heimlich.
Marija Petković-Kovač ist die Tochter der sehr wohlhabenden und angesehenen Eltern Antun und Marija, geborene Marinović. So wohlhabend und angesehen ihre Eltern waren, so viel mehr noch waren sie tugendhaft, fromm und gottesfürchtig. Ihre guten und rechtschaffenen Eltern waren für Marija ein besonderes Glück und ein Geschenk Gottes. Obwohl sie die reichste Familie auf der Insel Korčula waren, war ihr Vater ein sehr einfacher Mann. Seinen großen Besitz verwaltete er selbst und mit wenigen Worten. In religiöser Hinsicht war er ein praktizierender Katholik. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Liebe zierten seine fromme Seele. Er war ein Mann lebendigen Glaubens und ein ernsthafter Erfüller der heiligen Gebote Gottes und der Kirche. Väterlich setzte er sich für die Elenden und die Armen ein. Seinen Landarbeitern, von denen es etwa 700 aus allen Dörfern der Insel Korčula gab, näherte er sich stets mit Liebe. Mit allen ging er gerecht und milde um. Nie ließ er seine täglichen Gebete aus, und jeden Abend versammelte er alle Mitglieder seiner Familie und in Babina auch seine Arbeiter, die sich in der Nähe des Hauses befanden, zum gemeinsamen Rosenkranzgebet. Zum Schluss gab er den Anwesenden gewöhnlich gute Ratschläge und Belehrungen.
An jedem Sonntag und Feiertag wurde in ihrer Familie während des Mittagessens das heilige Evangelium des Tages laut vorgelesen. Nach der Lesung führten Vater und Mutter vor den Kindern ein Gespräch über die Bedeutung des heiligen Evangeliums. Auch ihre Mutter war eine sehr gute und fromme Frau und erzog ihre Kinder in der Furcht Gottes, in Strenge, in den Tugenden, in der Arbeit, in Einfachheit, Demut, Buße und Gebet. Nie ließ sie ihre Kinder ohne ihre Aufsicht aus dem Haus. Besonders achtete sie darauf, wer mit ihnen Umgang hatte, sodass ihre Kinder nicht einmal mit ihren Schulkameradinnen außerhalb der Schule zusammen sein durften. Marija bestimmte sie im Kindesalter eine besondere Gefährtin, die manchmal zu ihr zu Besuch kam. Das war eines der besten und frömmsten Mädchen. So kannte Marija, wie alle ihre Brüder, in Kindheit und Jugend nur das Elternhaus, die Kirche und die Schule.
Im Alter zwischen fünf und sechs Jahren machte sie beim Besuch bei einer Tante während des Abendgebetes ihre erste mystische Erfahrung: „Während ich zum Himmel und zum Firmament aufblickte, das der Mond erhellte, und die Tante das Glaubensbekenntnis sprach, war ich wie in Gott versunken und konnte das Glaubensbekenntnis nicht sprechen, denn ich empfand und schaute den himmlischen Vater, der alles umfängt, schon wie wirklich, und ich dachte: Warum sagt man ‚ich glaube an Gott den Vater‘, als könnte man daran zweifeln, dass es ihn gibt. Und ich sprach zu Ihm: O mein Gott, wie sehr bist Du, und Du hältst uns alle. Du bist alles, und dabei sah ich, wie Gott die Arme nach mir ausbreitete und zugleich alles umfing – alles hält und alles in Seiner Hand ist, und alles ist so winzig und verliert sich in Ihm, der Himmel und das Meer und die Häuser, und auch ich mit allem, und wie alles in Ihm schwebt wie in einer Luft, und alles betrachtete ich als etwas unvergleichlich Kleines und Nichtiges vor Ihm. Und da ich Gott so empfand und schaute, konnte ich nicht ‚ich glaube‘ sagen, um Ihn nicht zu kränken, wo Er doch da ist, mehr und klarer als wir es sind. So wie ein Kind, das die Mutter anschaut, die es umfängt, wie sollte es sagen ‚ich glaube, dass ich eine Mutter habe‘.
Die Schule befand sich in einem ihrer Häuser, unmittelbar neben ihrer Wohnung, und die Kirche war keine 50 m vom Haus entfernt. Für Marija hielten die Eltern vom 9. bis zum 11. Lebensjahr eine eigene Lehrerin im Haus, die sie erzog und zur Schule begleitete. Marija hatte 12 Brüder. Der Vater schloss zweimal die Ehe, denn seine erste Frau starb früh. Aus der ersten Ehe hatte er zwei Kinder. In der zweiten Ehe hatte er 11 Kinder, und Marija war das 8. der Reihe nach. Die Eltern hielten ihre Kinder für ein besonderes Geschenk Gottes und erzogen sie, ihrer Verantwortung bewusst, gewissenhaft zuallererst für Gott. So war Marija von ihrer frühen Kindheit an in einer beständigen Schule der Tugend. Von allen Kindern war Marija mit dem Vater am engsten verbunden, und auch der Vater liebte Marija und vertraute ihr mehr als den übrigen Kindern. Sie wählte er aus, ihm bei der Verwaltung der vielen Güter zu helfen, die er besaß, was sie auch nach seinem Tod fortsetzte. In ihren Aufzeichnungen lesen wir: „Für alle Kinder war der Vater etwas Heiliges. Besonders ich sah in meinem Vater einen lebendigen Heiligen, für den meine Seele nach Gott entbrannte. Der Vater war nach Gott mein Ideal, meine Liebe, den ich mit großer Ehrfurcht wie ein Heiligtum liebte, weil er so gut und barmherzig zu den Armen war…, so einfach und wahrhaftig wie reines Gold.“
Aus der Erfahrung der Beziehung zu ihrem irdischen Vater lebte und verstand Marija Gott als barmherzigen und guten Vater. Sie verbreitete die Verehrung des himmlischen Vaters. An Papst Pius XII. schreibt sie: „In unserem Ewigen Vater, dem allmächtigen, großen und liebevollen, lebt alles und besteht alles; Er ist jener, von dem alles ausgeht und zu dem alles zurückkehrt.“ Die Liebe des Vaters zeigt sich in Fülle im Sohn: „Sieh, ich bin am Kreuz, um den Vater zu lieben und für Ihn zu sterben. Aber meine Liebe stirbt nicht. Ich sterbe, um in den Herzen die Liebe zum Vater zu mehren. Ich sterbe, um für den Vater Millionen von Herzen zu gewinnen.“ In einem Brief an die Schwestern sagt sie: „Meine lieben Schwestern, übt euch den ganzen Tag über in der Liebe und im Vertrauen zu eurem allgütigen Vater und gebt euch Ihm ganz hin.“ In der Kongregation weihte sie auch den Monat Dezember Gott dem Vater. Damit die Schwestern die Frömmigkeit und die Verbundenheit mit dem Vater vertieften, ließ sie das Buch „Begegnung mit dem Vater“ übersetzen und gab ihnen als Aufgabe, das Thema der Vaterschaft zu studieren, damit sie „die Erfahrung des himmlischen Vaters und seiner Liebe“ machten. Sie führte ihnen das Beispiel des hl. Franziskus an, der sich einmal in die Einsamkeit zurückzog, um zu beten, und sehr lange ausblieb. Da er nicht zurückkehrte, gingen die Mitbrüder ihn suchen und fanden ihn in Ekstase. Auf die Frage, wie er sich so lange im Gebet habe aufhalten können, antwortete Franziskus, er habe „begonnen, das Vaterunser zu beten, doch schon bei diesen ersten Worten habe sich seine Seele bis zum Himmel erhoben, und er sei lange im Gespräch mit dem Vater geblieben. Als ich durch die Welt reiste, sah ich, dass die Welt den himmlischen Vater nicht kennt…“
Die Liebe zum himmlischen Vater wollte sie auf die ganze Kirche ausweiten, auf die Väter des II. Vatikanischen Konzils; darüber schrieb sie an drei Päpste, und sie wollte sie auf die ganze Welt ausweiten, denn er „begann sich in meiner kleinen Seele schon vom sechsten Lebensjahr an zu offenbaren, und mein ganzes Leben lang wollte ich anderen von diesem Heiligen Vater erzählen.“ Paul VI. schickte sie, als er noch Erzbischof von Mailand war, das Buch von Mons. Guerry mit dem Titel Gehen wir zum Vater als Geschenk, damit „die Welt den Vater, seine Güte und seine Barmherzigkeit kennenlerne und Ihn preise“.
In Marijas Haus kamen seit alters her fast jede Woche die Patres Franziskaner und Dominikaner sowie andere Priester und Ordensleute. So war es, bis Marija das Elternhaus verließ. Sie kamen oft nach Blato, um dem Pfarrer in der Seelsorge zu helfen: zum Beichthören, für die Fastenpredigten, zur Leitung des Dritten Ordens oder für anderes. Sie stiegen im Haus Marijas ab und nahmen dort ihre Mahlzeiten ein wie in ihrem eigenen Kloster. Sehr oft blieben sie auch mehrere Tage, denn Blato ist die größte Pfarrei im Bistum Dubrovnik. In ihrem Elternhaus waren stets zwei Zimmer nur für die Patres bestimmt. So wuchs die kleine Marija neben ihren guten Eltern auch bei den Patres auf, deren Belehrungen und Ratschläge sie als Mädchen immer gern hörte und in ihre junge Seele aufnahm.
Marija empfing in ihrer Familie schon früh die ersten und starken Regungen der Liebe zu Gott und zum Nächsten, besonders zu den elenden Armen, denen gegenüber sie eine besondere Zuneigung zeigte. In ihrer Nachbarschaft wohnten einige sehr arme Familien. Obwohl sie aus einem reichen Haus stammte, ging sie sehr gern zu ihnen und hielt sich bei ihnen auf. In ihrer Gesellschaft empfand sie eine besondere Süße und Seligkeit. Später, im Erwachsenenalter, sehnte sie sich oft nach einer armen Hütte oder nach der Einsamkeit oder auch danach, Dienstmagd in irgendeinem Kloster zu sein und ihr väterliches Erbe für die Gründung einer Anstalt für arme und verwahrloste Kinder ihres Geburtsortes zu verwenden. Die Armen und besonders die armen Kinder standen ihrer Seele am nächsten, sie waren ihr wie Geschwister. Außerdem besuchte sie gern arme Kranke. Und wenn diese ihr ihre traurige Geschichte erzählten, saß sie auf einem Stück Holz neben ihrem Bett, weinte vor Rührung, tröstete sie mit ergreifenden Begebenheiten aus der Heiligen Schrift und ermutigte sie zum geduldigen Ertragen von Armut, Elend und leiblichen Schmerzen. Nicht selten kam es vor, dass sie auch in die Häuser kranker, verstockter Sünder ging und durch ihr Bemühen und ihre Überzeugungskraft deren Seelen zu Gott führte. So reifte in ihr immer mehr der Gedanke und der Wunsch, der Welt völlig zu entsagen und sich aus Liebe zu Gott als Opfer ausschließlich der Erziehung armer und verwahrloster Kinder und der Hilfe für die Elenden und Notleidenden zu weihen.
In der Schule bei den Schwestern ancelle della carità in Blato, lernte sie in ihrem 13. Lebensjahr bei einem Besuch der Diözesanbischof Dr. Josip Marčelić kennen. Ihm gab der Herr seine göttlichen Absichten und Pläne mit diesem Kind zu verstehen, denn er rief sie eigens zu sich, erhob die Augen zum Himmel, legte seine geweihte Hand auf ihren Kopf und segnete sie. Von da an begann er, sie geistlich zu führen und ihr schriftlich Rat zu geben. So hat also der Herr selbst in seiner Weisheit alles für seine Auserwählte bereitet: Herkunft, Familie, Umgebung und die Nähe der Kirche, damit seine erwählte Blume von besonderer Fürsorge umgeben sei und sich unter den warmen Strahlen der Gnade Gottes gut entfalten könne.
Und später, zur günstigsten und nötigsten Zeit, gab er ihr in Bischof Dr. Josip Marčelić einen geistlichen Führer, durch den er sie – neben dem übrigen Wirken seiner göttlichen Gnade in ihrer Seele – zur Erfüllung seines heiligen Willens und zur Verwirklichung seiner heiligen Pläne mit ihr geführt hat. Mit 14 Jahren legte Marija das ewige Gelübde der Jungfräulichkeit und der Liebe ab und erneuerte es ihrem Jesus treu bei der heiligen Kommunion, die sie fast täglich empfing, mit eifrigen und glühenden Versprechen, niemals jemanden außer ihm zu lieben. In jenen Jahren gründete Bischof Dr. Josip Marčelić in Blato den Verein der Marientöchter, also die Marianische Kongregation. Unter den ersten Mitgliedern war auch sie. Sogleich wurde sie zur Schriftführerin des Vereins gewählt. Sie war sehr tätig und führte alle Geschäfte des Vereins zusammen mit den Ancelle-Schwestern, die damals in Blato waren. Drei Jahre später wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins gewählt und blieb es auf einhelligen Wunsch aller Mitglieder zehn Jahre lang ununterbrochen, bis zu ihrem Eintritt ins Kloster. Durch ihr gutes Beispiel zog sie Mädchen in den Verein, sodass die Zahl der Mitglieder in diesen zehn Jahren auf 300 anwuchs. Doch Marija beschränkte sich nicht nur auf die Arbeit in der Marianischen Kongregation, sondern gründete aus einer inneren Eingebung heraus noch den Verein vom Guten Hirten zur Unterstützung armer Kranker und den Verein der Katholischen Mütter. Sie war auch Mitglied des Dritten Ordens des hl. Franziskus und hielt auch dort jede Woche geistliche Ansprachen. Alle vier Vereine leitete sie bis zu ihrem Eintritt ins Kloster.
Um ihr 25. Lebensjahr spürte sie deutlicher die Berufung, eine Ordensgemeinschaft zur Erziehung und Unterweisung armer Kinder und zur Hilfe für die Elenden und Verlassenen zu gründen. Einige Jahre später zeigte ihr der Herr klar, dass er die Gründung einer Ordensgemeinschaft zur Ausbreitung seiner Liebe und der Ehre des Vaters wolle. Er gab ihr den Wunsch zu verstehen, dass diese Gemeinschaft in besonderer Weise seiner Liebe geweiht sei, damit er in ihr die Wonne seiner Liebe finde, einen Ort, an dem er in Ruhe ausruhen könne wie in Betanien unter auserwählten Seelen, die seinen Geist verstehen und leben wollen: den Geist der Demut, der Selbstverleugnung und der Barmherzigkeit. Dasselbe zeigte ihr der gütige Gott auch durch Bischof Dr. Josip Marčelić. In ihrer Demut zögerte sie und rang gewissermaßen mit dem Herrn, er möge sie in die Einsamkeit eines geschlossenen Klosters ziehen lassen, nach der sie sich von ganzem Herzen sehnte. Doch in diesem jahrelangen Ringen siegte schließlich die Gnade. Die Pläne Gottes haben sich erfüllt, und die Kongregation ist heute Wirklichkeit. Ihre Mitglieder opfern sich und arbeiten für die Ehre Gottes, für die Hilfe am Nächsten und für das Heil der unsterblichen Seelen auf der einen wie auf der anderen Seite der Welt.
- Mladen Klanac
- Zugriffe: 40






